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Formel 1: Analyse

Überholen so schwierig wie noch nie

Im Melbourne-Rennen wurde trotz DRS nur fünf Mal überholt. Die neue Aerodynamik erweist sich diesbezüglich als Schuss nach hinten.

Viele (Fach-)Medien und nicht zuletzt alle Verantwortlichen der Formel-1-WM selbst haben den Fans vor dieser Saison ein Spektakel versprochen. Melbourne hat zwar Abwechslung zu den Seriensiegen von Mercedes in den letzten Jahren geboten, doch die Action auf der Strecke hielt sich in sehr überschaubaren Grenzen: auto motor und sport zählte nur fünf Überholmanöver während des gesamten Rennens, im Vorjahr sind es 37 gewesen. Haben sich also die Befürchtungen bewahrheitet, dass das Überholen des Vordermanns durch das neue Reglement deutlich schwieriger geworden ist?

Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton, der nach seinem zeitlich falsch abgestimmten Boxenstopp nicht an Max Verstappen im deutlich langsameren RB13 vorbeigekommen und somit das prominenteste Opfer der neuen Regeln war, malte wie schon bei den Testfahrten ein düsteres Bild: "Dass das Überholen so schwierig ist, war ja schon immer ein Thema, seit ich in der Formel 1 bin, aber so schlimm wie jetzt war es noch nie. Es wird definitiv nicht besser, sondern die gesamte Saison lang so bleiben."

Ursache ist die sogenannte 'dirty air', also Verwirbelungen des Luftstroms, die durch den Vordermann entstehen und sich negativ auf die Aerodynamik des folgenden Boliden auswirken. Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas erklärt: "Da jetzt mehr Grip von der Aerodynamik abhängt, ist die Auswirkung größer. Außerdem sind die Autos breiter, also entstehen mehr Turbulenzen." Ab wann werden die Luftverwirbelungen für die eigene Aerodynamik zum Störfaktor? "Wenn man zwei Sekunden oder weniger hinter dem anderen liegt", meint Bottas.

Eine Sekunde Differenz pro Runde reicht nicht

Hamilton kann die Veränderung sogar beziffern: "Im Vorjahr mussten wir um eine Sekunde schneller sein, auf manchen Strecken eineinhalb Sekunden oder zwei, um vorbeizukommen. Wenn es damals eine Sekunde war, sind es jetzt zwei Sekunden." Bottas glaubt sogar, dass es vielleicht sogar zweieinhalb Sekunden sind: "Man spürt nun eine große Auswirkung durch das Auto vor einem. Vor allem am Kurveneingang ist es jetzt schwieriger, und so bekommt man dann auch keinen Windschatten."

Selbst Mittelfeldautos wie jene von Toro Rosso oder Force India wären für einen Mercedes schwer zu überholen, denn sie bewegen sich in einem Bereich rund zwei Sekunden hinter Mercedes. Dass Hamilton also aufgab, als er merkte, dass Vettel nach dem Stopp vor ihm auf die Strecke zurückgekommen war, oder Bottas nicht einmal den Versuch machte, sich an seinen Mercedes-Teamkollegen heranzupirschen, darf so gesehen nicht verwundern. "Deswegen habe ich nicht damit gerechnet, ohne einen Fahrfehler von Lewis vorbeizukommen", bestätigt der Finne.

Fahrer gehen bereits von Prozessionen aus

Genau das könnte in allen künftigen Rennen zum großen Problem werden, denn wenn bereits die Strategien so konzipiert sind, dass das Überholen unmöglich ist, werden die Fahrer es unter normalen Umständen gar nicht mehr probieren. Versucht man es trotzdem, und es misslingt, geht man ein enormes Risiko ein und läuft Gefahr, als Bruchpilot in Verruf zu geraten – daran ändert auch nicht viel, dass die Rennkommissare aus kommerziellen Gründen nicht mehr so viele Strafen verhängen sollen.

Auch Force-India-Pilot Esteban Ocon hat schon schlechte Erfahrungen gemacht. "Ich war viel schneller als Fernando Alonso, was auch für Nico Hülkenberg galt, aber wir sind nicht rangekommen. Das Qualifying wird also nun wichtiger denn je", kündigte er an. Teamkollege Sergio Pérez führt weitere Gründe an, warum es nun noch schwieriger ist, am Vordermann vorbeizukommen: "Die Bremswege sind kürzer, und auch der Abbau der Reifen ist geringer."

Einzige Hoffnung: Wird es anderswo besser?

Durch das erneut geschrumpfte Starterfeld, und da die haltbareren Pneus großteils Einstopprennen verursachen, treffen auf der Strecke kaum zwei Autos aufeinander, deren Tempo sich wegen der jeweiligen Boxenstrategie massiv unterscheidet, was nicht gerade überholförderlich ist. Mercedes-Teamchef Toto Wolff outet sich zwar generell als Fan der neuen Autos, aber deren Auswirkung auf Zweikämpfe findet auch er nicht gerade großartig: "Das ist klar eine der Schwächen der neuen Regeln".

Wolff will aber noch etwas abwarten, denn Melbourne sei generell etwas anders. Ins gleiche Horn stößt auch Christian Horner: "Lasst uns doch China und Bahrain abwarten, denn in Melbourne wurde nie viel überholt, während es auf den anderen Strecken immer einfacher war." Er ist merklich um eine positive Sichtweise der neuen Regeln bemüht: "Gut war, dass die Fahrer das gesamte Rennen lang Druck gemacht haben. Das Spritsparen war nicht so schlimm, die Reifen wurden definitiv nicht sehr geschont."

Auch Bottas, der die Weiterentwicklung generell kritisch sieht, will den Autos noch etwas Zeit geben. "In Melbourne war es zwar dieses Jahr kniffliger, aber auf den Strecken mit langen Geraden könnte es dieses Jahr richtig guten Rennsport geben, denn auch der Windschatten hat jetzt eine größere Auswirkung." Für Kurse wie Barcelona, auf denen vor DRS kaum überholt wurde, sieht er aber schwarz: "Dort wird es sehr schwierig."

Wenn gar nichts mehr geht, könnten wohl die DRS-Zonen verlängert werden; ob das allerdings nach dem Geschmack der verbliebenen Motorsportpuristen unter den Formel-1-Fans wäre, sei dahingestellt. FIA-Präsident Jean Todt hat jedenfalls seine ganz eigene Perspektive: Alleine für die schnelleren und spektakuläreren Boliden lohne es sich schon, auf Überholmanöver zu verzichten ...

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