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Happy Days

"Preis von Wien": Das Blättern in einem Programmheft aus dem Jahre 1965 weckt die Sehnsucht nach einer vermeintlich glücklicheren Rennsport-Ära...

Johannes.Gauglica@motorline.cc
Dank an Hrn. Manfred Zottl für die Überlassung des Programmheftes.

2,4 Kilometer Beton

Im Jahr 1965 hatte Österreich noch gar keine permanente Rennstrecke, heute haben wir immerhin noch zwei.

Damals war jedoch rennsportlich trotzdem die Hölle los: Es gab neben dem Asperner Flugplatzrennen auch die Läufe in Tulln-Langenlebarn, Innsbruck-Kranebitten und Zeltweg als Ersatz für die halsbrecherischen „Kirchturmrennen“.

Dazu eine Menge Bergrennen – da sieht die Bilanz nach einer zwischenzeitlichen Flaute mittlerweile wieder besser aus. Rallyes hatten noch lange nicht den heutigen Stellenwert, Rallycross und ähnliche Neuheiten hatten unsere Gestade noch nicht erreicht oder waren noch gar nicht erfunden.

Wer war Curd Barry?

„Curd-Barry-Gedenkrennen“: Damals war die Rennsportszene in Österreich geschockt vom plötzlichen Tod ihres damaligen Stars, der Formel-Hoffnung Curd Barry. Der „Preis von Wien“ am 11. April 1965 wurde ihm gewidmet. Einige, die man später betrauern sollte, waren damals noch am Anfang ihrer Karrieren:

Jochen Rindt fuhr im GT-Rennen einen Abarth-Simca, in seinem Debüt-Jahr in der Formel 1 (für Cooper) und zwei Monate vor seinem auch für ihn selbst einigermaßen überraschenden Sieg in Le Mans (mit einem Ferrari 250 LM des North American Racing Team).

Er legte sich mit Berühmtheiten der damaligen Zeit an: Der Deutsche Hans Herrmann, damals nicht mehr Silberpfeil- und noch nicht Porsche-Pilot, war sein Teamkollege. Gunther Philipp (ja, der lustige Mann aus den Filmklamotten, gelernter Neurologe) brachte seinen Ferrari.

Der geborene Dr. Placheta fuhr unter diversen Pseudonymen, er war eine Zentralfigur der Szene, mehrfacher Staatsmeister und gemeinsam mit Barry einer der Mitbegründer der Ecurie Vienne. Später machte er mit Rindt sogar gemeinsam (und dann gezwungenermaßen ohne ihn) die Sendung „Motorama“ im ORF.

Namen

In der Sportwagenklasse steuerte Dieter Quester einen angejahrten Porsche RS Spyder und legte sich mit dem Abarth-Werkswagen an; später fuhr er eine Zeit lang selbst für den despotischen Karl „Carlo“ Abarth.

Andere Namen im Feld: Friedrich Glatz, der Gentlemanfahrer – unter Pseudonymen wie Pierre Chauvet und Frederico Careca bis in die 1990er unterwegs, er starb bei einem Rennunfall; Rudi Lins aus Vorarlberg, auch er fand später den Weg ins Porsche-Team.

Einige vererbten ihr Vollgas-Talent, beispielsweise Peter Peter, Formel-V-Hero und Vater von Philipp Peter. Karl Wendlinger jun. auf Steyr-Puch: Heute ist der Junior bereits der Senior, sein Sohn schaffte es bis in die Formel 1.

Karl Foitek - in die Schweiz ausgewanderter Österreicher und viele Jahre später Vater des durch widrige Umstände erfolglosen Formel-1-Fahrers Gregor Foitek - war standesgemäß auf Ferrari unterwegs.

International

Auch die fragilen Formel-Autos taten sich den unerbittlichen Asperner Beton an. Das Formel-3-Rennen war eine innerdeutsche Angelegenheit: Kurt Ahrens im Brabham gewann vor der DDR-Rennlegende Heinz Melkus in seinem Eigenbau mit Wartburg-Power.

Die Familie Melkus war die federführende Dynastie im DDR-Motorsport (sowas gab es) und blieb auch nach der Wende im Geschäft.

Dazu ein Lauf der Formel Baby: Kuriosum der 1960er-Jahre, kleine Einsitzer mit Puch-Zweizylinder. Mittendrin ein nicht ganz unbekannter Herr namens Toni Sailer – die Herren Klammer, Grissmann, Knaus etc. folgten ihm später von den zwei Brettln auf die vier Radln.

Und weil es ein Rennen für Automobile war, gab es klarerweise (wir sind in Österreich) auch einen Lauf für Motorräder. Der Triumph-Club Wien rückte in voller Formation aus, angeführt vom Ober-Biker der Nation, dem späteren FIM-Delegierten Hans Bahmer. Auch nicht ganz unbekannt ist der Name Maxwald: Bis zu seinem Rücktritt Ende 2007 war Hannes M. einer unserer Supermoto-Primgeiger.

Prominenz neben der Strecke

Die Pressearbeit erledigte unter anderem ein lt. Programmheft nicht ganz richtig geschriebener Herr „Helmuth Zwickel“ – Sie haben vielleicht schon von ihm gehört. Was bei uns Helmut Zwickl oder Heinz Prüller, ist in Deutschland Rainer Braun; er erledigte fern der Heimat den Kommentar und hat die Story von den damaligen Gehaltsverhandlungen mit Rennleiter Willy Löwinger in einer seiner Kolumnen genüsslich abgehandelt. Damals prallten Charakterköpfe aufeinander.

Kurios: Im Programmheft pries der Importeur der Marke Lotus die britischen Erzeugnisse an; bestellen konnte man bei Mr. Chapman wirklich alles, beispielsweise ein Indianapolis-Auto ab 380.000,- Schilling zuzüglich Zoll... - der Lotus 38 gewann im selben Jahr immerhin das Indy 500, pilotiert von Jim Clark.

"Master" Bergmanns Jagdrevier

Noch nicht zu sehen war die Formel V, in der ein „Nachbar“ des Asperner Flugfeldes dann eine große Rolle spielen sollte: Einige wenige Hausnummern weiter stadtauswärts, in Wien-Eßling, baute Kurt Bergmann seine Kaimann-Rennwagen. Er hatte in Aspern das große Heimspiel, bis zum letzten Rennen 1977.

Mit 2,4 Kilometern Länge war der Kurs in Aspern zweieinhalb Mal so lang wie der heutige Wachauring in Melk. Wer hätte sich noch vor wenigen Jahren gedacht, dass wir uns heute wieder eine solche Flugplatzstrecke wünschen würden.

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