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Maldonado zum Testabschluss voran

Lotus-Pilot Pastor Maldonado fuhr am Mittwoch die Bestzeit, Thema des Tages war jedoch die Soundposaune im Heck des Mercedes.

Der zweite und abschließende Formel-1-Testtag in Montmeló stand am Mittwoch ganz im Zeichen des neuen Megaphonauspuffs, mit dem Mercedes der Debatte um den Sound der neuen V6-Turbomotoren ein Ende setzen will. Die überraschend markante Konstruktion, die optisch irgendwo zwischen Trichter und Tröte liegt, macht die Silberpfeile kaum lauter, dafür aber offenbar langsamer, denn die Tagesbestzeit erzielte nicht Nico Rosberg, sondern Lotus-Pilot Pastor Maldonado.

Der Venezolaner setzte in 1:24,871 auf der supersoften Mischung die schnellste Runde des Tages. Damit war er über eine Sekunde schneller unterwegs als am Vormittag, als Maldonado ebenfalls an der Spitze des Klassements zu finden war. Rosberg (1:25,805; + 0,934 Sekunden) folgte mit großem Abstand auf Rang zwei. Allerdings dürften die Testfahrten in Barcelona bei den "Silberpfeilen" sowohl beim Deutschen als auch beim Teamkollegen Lewis Hamilton im Zeichen der Abstimmungsarbeit gestanden sein.

Außerdem drehte sich bei Mercedes alles um den neuen Auspuff. Der ist relativ simpel konstruiert – Spötter behaupten, er würde auch genauso aussehen. Schließlich ist das Endrohr einfach breiter geworden und erinnert mit seiner voluminösen an einen Trichter oder ein Blasinstrument. Ob es eine Zukunft im Rennbetrieb hat, sollen spezielle Messungen der Lautstärke zeigen. An der Strecke hielten sich euphorische Reaktionen jedoch in engen Grenzen.

Lotus hingegen war in Spanien, wie schon beim Grand Prix am Wochenende, mit einer ganzen Reihe neuer Teile am E22 unterwegs. Die Technikspione in Barcelona bekamen einen überarbeiteten Frontflügel zu sehen, an dem Winglets für eine raffiniertere Aerodynamik sorgen. Dazu verfügte der Wagen über Auswuchtungen an den Seitenkästen und einen kleinen Zusatzflügel über dem Auspuff. Offenbar haben die Anpassungen ihre Wirkung nicht verfehlt.

Der mit einem neuen Frontflügel ausgestattete Kimi Räikkönen (1:26,480; + 1,609 Sekunden) beendete den Tag für Ferrari als Dritter vor Sauber-Pilot Esteban Gutiérrez (1:26,972; + 2,101 Sekunden). Überraschend schnell unterwegs war Susie Wolff (1:27,280; + 2,409 Sekunden) bei ihrem Debüt im aktuellen Williams FW36; die Schottin frappierte bei ihrer ersten Ausfahrt mit dem Hybrid-Antriebsstrang der Generation 2014 manch männlichen Konkurrenten mit der fünftbesten Zeit des Tages.

Am Vormittag hatte die ehemalige DTM-Pilotin noch einen Dreher zu verzeichnen. "Ich habe das Heck beim Hochschalten nach der Haarnadelkurve verloren, als ich vom Drehmoment des Motors überrascht war", beschreibt Wolff gegenüber Sky Sports News den Vorfall. "Daran musste ich mich erst gewöhnen, sonst fühlt sich aber alles im Auto gut an."

Marussia bestätigte die gute Leistung des Vortages, als Max Chilton sogar die Bestzeit glückte. Teamkollege Jules Bianchi (1:27,718; + 2,847 Sekunden) schloss den Test als Sechster des Tagesklassements ab, hatte aber wegen eines technischen Problems nicht mehr die Möglichkeit, die superweichen Reifen aufzuziehen, sodass seine beste Runde auf den gelb markierten Pneus zustande kam; umso höher ist die Leistung im Vergleich zur Konkurrenz einzuschätzen.

Schließlich rangierte der Franzose sogar vor Weltmeister Sebastian Vettel (1:27,973; + 3,102 Sekunden), der nach technischen Problemen am Vormittag nicht über Rang sieben hinauskam. Die Tatsache zeigt aber auch, dass die Montmeló-Zeiten mit Vorsicht zu genießen sind. Einen heftigen Abflug verzeichnete Daniel Juncadella im Force India. Der Spanier setzte den Boliden am Vormittag in der schnellen Kurvenkombination nach der Gegengeraden in den Kies und zerstörte dabei die Frontpartie des Autos.

Der Vorfall zog eine längere Reparaturpause nach sich, knapp 90 Minuten vor dem Testende jedoch konnte Juncadella wieder auf die Strecke gehen, sich aber nicht mehr über Platz acht hinaus verbessern. Bei seinem Testdebüt im McLaren war GP2-Pilot Stoffel Vandoorne auf dem neunten Rang mit 136 abgespulten Runden der fleißigste Pilot. Der seit Jahren von Woking aus geförderte Belgier spulte damit die für die Superlizenz nötigen 300 Formel-1-Kilometer ab und erledigte nebenbei Entwicklungsarbeit mit den Reifen. Schlusslicht war der zehntplatzierte Daniil Kvyat im Toro Rosso. Caterham rückte gar nicht mehr aus, nachdem Kamui Kobayashi das Auto am Dienstag zerstört hatte – ein bitterer Tag für deren Testpilot Robin Frijns, der das Steuer hätte übernehmen sollen.

Testklassement, Montmeló, Mittwoch

 1.  Pastor Maldonado   Lotus        1:24,871
2. Nico Rosberg Mercedes + 0,934
3. Kimi Räikkönen Ferrari + 1,609
4. Esteban Gutiérrez Sauber + 2,101
5. Susie Wolff Williams + 2,409
6. Jules Bianchi Marussia + 2,847
7. Sebastian Vettel RB Racing + 3,102
8. Daniel Juncadella Force India + 3,407
9. Stoffel Vandoorne McLaren + 3,570
10. Daniil Kvyat Toro Rosso + 4,039

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