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Formel 1: Interview

Hasegawa warnt vor zu hohen Zielen

Anders als sein Vorgänger Yasuhisa Arai hält sich der neue Honda-Motorsportchef mit allzu optimistischen Prognosen vorerst zurück.

Die Formel-1-WM-Saison 2016 wird für McLaren-Honda wahrscheinlich schon zum Schicksalsjahr, denn eine ähnliche PR-Katastrophe wie zuletzt kann sich weder der britische Traditionsrennstall noch der große Automobilhersteller noch einmal leisten. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen England und Japan soll dieses Mal besser klappen. Dafür soll auch Yusuke Hasegawa sorgen, der zum 1. März Yasuhisa Arai auf dem Posten des Honda-Motorsportchefs ablöste.

Arai war vor allem wegen verbaler Höhenflüge, bei denen er auch baldige Siege in Aussicht stellte, in Ungnade gefallen. Hasegawa will es anders machen und stapelt vor dem Saisonauftakt bewusst tiefer. "Natürlich ist es unser Ziel, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. Daran ändert sich auch nichts", gab er im Interview mit f1i.com zu, betonte aber: "Für dieses Jahr nehmen wir uns sehr realistische Ziele vor, und zwar konstant in den Punkten zu landen."

Sein Vorgänger hatte McLaren-Honda nur allzu gern auf eine Stufe mit Ferrari oder sogar Mercedes gestellt und dann den eklatanten Rückstand während der Saison mit Ausreden gerechtfertigt. Diesen Fehler wollen die Japaner kein zweites Mal machen. Motorsportchef Yusuke Hasegawa wird deshalb nicht müde zu betonen, wie wichtig realistische Ziele seien: "Wenn du Ziele zu hoch ansetzt, werden die Leute enttäuscht sein. Natürlich willst du immer Siege und Weltmeisterschaften einfahren, aber das braucht nun einmal Zeit."

Optimistischer als im Vorjahr kann McLaren aber dennoch sein, nach den Wintertestfahrten tendiert die Formkurve eher nach oben. "Bisher sind wir sehr zufrieden mit unseren aktuellen Testergebnissen", bestätigte Hasegawa, vor allem die Zuverlässigkeit habe man deutlich verbessern können. Das spiegelt sich auch in den Kilometern wieder, die Fernando Alonso und Jenson Button in den zwei Testwochen abspulen konnten, am Ende standen 453 Barcelona-Runden zu Buche.

Damit legte das Team in der Saisonvorbereitung eine mehr als doppelt so große Distanz zurück wie im vergangenen Jahr, was für mehr Zuverlässigkeit spricht. Hasegawa relativierte jedoch: "Wir brauchen sicherlich noch mehr Zeit, um das zu überprüfen – insbesondere während der Rennen." Die größte Schwachstelle des MP4-31 sei weiterhin der Antrieb: "Mit unserer Motorenleistung sind wir noch immer nicht zufrieden", gab der Japaner zu.

In Barcelona fehlten Alonso und Button rund zwei Sekunden auf die Spitze. Der Brite belegte mit 1:24,714 Gesamtrang 13, Alonso (+ 0,021) rangierte direkt dahinter. Es gibt also noch Luft nach oben, allerdings sind während der laufenden Saison nur zwei offizielle Testmöglichkeiten vorgesehen. Deshalb soll der Prüfstand Abhilfe leisten. "Natürlich haben wir einen Dynamometer in Sakura in Japan. Die Testfahrten sind sehr wichtig, dennoch müssen wir als Erstes die Leistung auf dem Dynamometer kontrollieren", erklärte Hasegawa.

Was für McLaren beim Saisonstart in Melbourne drin sein wird, bleibt abzuwarten. In Spanien fuhren Alonso und Button noch nicht mit den letzten Ausbaustufen. Erst in Australien werde der britische Rennstall mit der vollständigen 2016er-Version am Start sein, wie McLaren-Teamchef Éric Boullier zuletzt verraten hat. Vor allem neue Details am Chassis sollen dann die Leistungsfähigkeit des MP4-31 weiter verbessern.

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