Motorsport

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

Rallye-Dakar: Vorzeitiger Abbruch der 10. Etappe

Brabec und Sainz auf dem Weg zum Sieg

Während der Vorsprung von Ricky Brabec (Honda) bei den Motorrädern weiter groß ist (Walkner 6.), liegt Nasser Al-Attiyah bei den Autos nur noch 23 Sekunden hinter Sainz.

Foto: HRC & X-Raid

Joan Barreda Bort (Honda) hat endlich seinen ersten Etappensieg bei der Rallye Dakar 2020 eingefahren. Der Spanier, der in der zweiten Woche eine starke Aufholjagd hinlegt, gewann die zehnte Etappe von Haradh nach Shubaytah.

Wie bei den Autos wurde die auf 534 Kilometer angesetzte Wertungsprüfung nach 345 Kilometern aufgrund der Windbedingungen abgebrochen. Sämtliche Helikopter waren aufgrund einiger Unfälle im Einsatz, sodass keine Reserve mehr bestand. Damit fiel eine spektakuläre Dünensektion am Ende der Prüfung weg, die das Potenzial hatte, alles noch einmal auf den Kopf zu stellen.

Diese stehen - sofern das Wetter dann mitspielt, am Donnerstag noch einmal auf dem Programm, wenn es nach Haradh zurückgeht. Es handelt sich um eine Marathonetappe - am heutigen Abend ist also kein Service im Biwak erlaubt.

Quintanilla verliert an Boden

Pablo Quintanillas (Husqvarna) Hoffnungen, dort weiterzumachen, wo er am Dienstag aufgehört hat, erfuhren schon früh einen herben Rückschlag. Als Erster in den Tag gestartet, verlor er schon vor dem ersten Checkpoint fast vier Minuten. Am Ende addierte sich der Zeitverlust auf sechs Minuten hoch und es wurde Platz sieben der Tageswertung.

Barreda übernahm von Anfang an das Kommando und gab die Spitze bis zum Abbruchpunkt nicht mehr ab, obschon er auf dem letzten Teilstück etwas an Zeit einbüßte. Damit rückt er Quintanilla in der Gesamtwertung nun gefährlich nahe, muss aber den Donnerstag eröffnen - auf einem Teilstück, das es navigationstechnisch in sich haben wird.

Spitzenreiter Ricky Brabec (Honda) heftete sich an Barredas Fersen und fuhr auf den zweiten Platz der Tageswertung, womit sein Vorsprung im Gesamtklassement nun beruhigende 25 Minuten auf Quintanilla beträgt. Im letzten Teil der verkürzten Prüfung war er der schnellste Mann.

"Ich bin erst einmal froh, an einem Stück hier zu sein, denn die ersten 100 Kilometer waren ziemlich gefährlich", sagt der US-Amerikaner. Er verweist dabei auf eine direkte Fahrt in die aufgehende Sonne. "Noch zwei Tage bis zum amerikanischen Traum. Zweimal schlafen."

Barreda bestätigt, dass es nicht ungefährlich war und verweist auf eine weitere Schwierigkeit im ersten Teilstück: "Auf den ersten Hundert Kilometern gab es viele Dünen, die schwer zu lesen waren. Sie waren erst sehr schnell, aber dann gab es plötzlich einen tiefen Fall. Das war sehr gefährlich."

Dreimal Honda vor dreimal KTM

Kevin Benavides sorgte für einen Honda-Dreifachsieg in der Tageswertung; beste KTM war erst Toby Price auf der vierten Position. "Wir werden wohl um den dritten Rang herum im Ziel einlaufen", sagt der Vorjahressieger. "Aber bei den zwei Tagen, die noch anstehen, ist nicht einmal ein Podium garantiert." In der Gesamtwertung ist er erst einmal hinter Barreda zurückgefallen, hat aber auch nur drei Minuten Rückstand auf Quintanilla.

Das KTM-Werksteam landete dank Luciano Benavides (5.) und Matthias Walkner (6.) geschlossen hinter der Honda-Werksmannschaft.

Am Donnerstag geht es zurück nach Haradh auf einer Etappe, die fast ausschließlich auf Sand und in Dünen gefahren wird. Die Etappe hat das Potenzial, noch einmal für heftige Umwälzungen zu sorgen.

Ergebnis der 10. Etappe (Top 10):
01. Joan Barreda (Honda) - 02:11:42 Stunden
02. Ricky Brabec (Honda) +1:07 Minuten
03. Kevin Benavides (Honda) +2:31
04. Toby Price (KTM) +2:57
05. Luciano Benavides (KTM) +4:14
06. Matthias Walkner (KTM) +5:23
07. Pablo Quintanilla (Husqvarna) +5:58
08. Ross Branch (KTM) +8:45
09. Maurizio Gerini (Husqvarna) +13:08
10. Ignacio Cornejo (Honda) +13:09

Gesamtwertung nach 10 von 12 Etappen (Top 10):
01. Ricky Brabec (Honda) - 34:12:18 Stunden
02. Pablo Quintanilla (Husqvarna) +25:44 Minuten
03. Joan Barreda (Honda) +27:09
04. Toby Price (KTM) +28:33
05. Ignacio Cornejo (Honda) +41:31
06. Matthias Walkner (KTM) +41:32
07. Luciano Benavides (KTM) +44:18
08. Skyler Howes (Husqvarna) +1:43:21 Stunden
09. Franco Caimi (Yamaha) +1:43:57
10. Stefan Svitko (KTM) +2:02:10

Die geplante 534 Kilometer lange zehnte Etappe der Rallye Dakar 2020 musste aufgrund heftiger Winde nach 345 Kilometern abgebrochen werden. Die Teilnehmer fuhren direkt vom vierten Checkpoint ins Biwak.

Allerdings hatte der erste Teil der Marathonetappe womöglich vorentscheidenden Charakter, denn Nasser Al-Attiyah (Toyota) verlor durch Navigationspanne mehr als 17 Minuten auf Etappensieger und Gesamtspitzenreiter Carlos Sainz (Mini-Buggy). Gleichzeitig verlor Fernando Alonso (Toyota) mehr als eine Stunde durch eine Doppelrolle.

Etappe 10 ging über insgesamt 608 Kilometer, wovon eigentlich nur 71 Verbindungsetappe hätten sein sollen. Nun wurde fast die Hälfte der Strecke ohne Zeitmessung zurückgelegt. Durch den vorzeitigen Abbruch entging den Teilnehmern eine weitläufige Dünensektion bei der Überfahrt des Ghawar Ölfeldes, dem größten der Welt. Zuvor stand ein Mix aus Sand, festem Untergrund und sogar einem Asphaltstück auf dem Programm.

Glück im Unglück für Alonso

Gleich zu Beginn ereignete sich ein Drama um Fernando Alonso und Marc Coma. Schon auf dem Weg zum ersten Checkpoint legte der Toyota Hilux eine 720-Grad-Drehung um die Längsachse hin. Alonso hatte eine Düne im falschen Winkel und etwas zu schnell angefahren. Sein Glück war, dass der Bolide mit dem Dach kaum den Boden berührte und wieder auf allen Vieren zum Stehen kam.

Der zweimalige Formel-1-Weltmeister und Le-Mans-Sieger fuhr sofort weiter, musste aber wenig später für Reparaturen anhalten. Dabei bauten er und Beifahrer Coma unter anderem die Windschutzscheibe aus. Alonso verlor eine Stunde und 17 Minuten. In der Gesamtwertung ging es von Position zehn auf Rang 14 zurück.

Besonders bitter: Da es sich um eine Marathonetappe handelt, darf sein Team am Abend nicht Hand am Toyota anlegen. Es darf ihn lediglich bei eigenen Reparaturen am Fahrzeug beraten.

Siegchance für Al-Attiyah dahin?

Etwas weniger verlor Al-Attiyah, was aber trotzdem nicht minder ärgerlich war: Durch einen Navigationsfehler kurz vor der Abbruchstelle verloren der Katari und Beifahrer Mathieu Baumel eine Viertelstunde. Gepaart mit den zwei Minuten, die er bis dahin auf Sainz eingebüßt hatte, büßte er damit 17 Minuten auf einer einzigen Etappe ein.

"Wir haben Stephane [Peterhansel] eingeholt und versucht, ihn zu finden. Dann sind wir 20 Kilometer in die falsche Richtung gefahren und erst dann zurückgekehrt. Wir haben viel Zeit auf Carlos verloren und müssen morgen auch noch als 17. starten", sagt er.

Sainz hat damit in der Gesamtwertung nun alle Trümpfe in der Hand und führt mit 18:10 Minuten vor Al-Attiyah, der nun von Stephane Peterhansel (Mini-Buggy) bedrängt wird. Allerdings muss Sainz den zweiten Teil der Marathonetappe, den Rückweg nach Haradh, nun eröffnen.

Und das kann haarig werden: "Das werden die kompliziertesten Dünen der ganzen Rallye. 100 Kilometer davon. wir werden versuchen, einfach nur durchzukommen. Heute hat die Navigation sehr gut geklappt und es hat die anderen erwischt. Morgen könnte es bereits mir passieren."

Der spanische Routiner führte vom Start weg die Etappe an. Al-Attiyah lag zunächst auf der zweiten Position. Nach dessen Navigationsfehler wäre Peterhansel der erste Kandidat gewesen, den zweiten Platz zu übernehmen. Doch der Dakar-Rekordsieger verlor seinerseits knapp zehn Minuten auf dem letzten Teilstück, als er mit Al-Attiyah falsch abbog. Er wurde nur Zehnter der Tageswertung.

Nächster Kandidat wäre Yazeed Al Rajhi (Toyota) gewesen. Doch der Lokalmatador verfehlte den dritten Checkpoint und kam nur als Fünfter im Ziel an. So war es letztlich Kuba Przygonski (Mini), der den zweiten Platz der Tageswertung vor Giniel de Villiers (Toyota) holte. Überraschend Vierter wurde Pierre Lachaume (Peugeot).

Der zweite Teil der Marathoetappe führt am Donnerstag zurück nach Haradh. Sollten es die Bedingungen diesmal zulassen, werden die heute weggefallenen Kilometer in den Dünen für ein Spektakel sorgen. Auf den 379 Wertungskilometern geht es fast ausschließlich auf Sand zur Sache. Gut möglich, dass das Klassement hier noch einmal durcheinander gewürfelt wird.

Ergebnis der 10. Etappe (Top 10):
01. Sainz/Cruz (Mini-Buggy) - 2:03:43 Stunden
02. Przygonski/Gottschalk (Mini) +3:05 Minuten
03. de Villiers/Haro Bravo (Toyota) +4:26
04. Lachaume/Polato (Peugeot) +6:10
05. Al-Rajhi/Schiltsow (Toyota) +6:30
06. ten Brinke/Colsoul (Toyota) +6:40
07. van Loon/Delaunay (Toyota) +7:49
08. Terranova/Graue (Mini) +7:58
09. Han/Liao (Geely) +8:26
10. Peterhansel/Fiuza (Mini-Buggy) +11:48

Gesamtwertung nach 10 von 12 Etappen (Top 10):
01. Sainz/Cruz (Mini-Buggy) - 37:15:37 Stunden
02. Al-Attiyah/Baumel (Toyota) +18:10 Minuten
03. Peterhansel/Fiuza (Mini-Buggy) +18:26
04. Al-Rajhi/Schiltsow (Toyota) +40:46
05. Terranova/Graue (Mini) +57:39
06. de Villiers/Haro Bravo (Toyota) +1:02:23 Stunden
07. ten Brinke/Colsoul (Toyota) +1:15:39
08. Serradori/Lurquin (SRT Buggy) +1:37:21
09. Seaidan/Kuzmich (Mini) +2:49:28
10. Lachaume/Polato (Peugeot) +3:28:16

© Motorsport-Total.com

Etappe 11 Etappe 11 Etappe 9 Etappe 9

Ähnliche Themen:

Rallye-Dakar: Vorzeitiger Abbruch der 10. Etappe

Weitere Artikel

Online und im Zeitschriftenhandel

Das neue E-Auto-Magazin electric WOW ist da!

Werfen Sie einen Blick auf unser neues Magazin electric WOW, hier dreht sich alles ums elektrifizierte Fahren, vom Hybrid über Plug-in bis zu Wasserstoff und rein elektrischem Fahren.

Der zweite Tag der Planai-Classic 2020 brachte die lange erwarteten, schneebedeckten Strecken.

BMW X1 und X2 mit Plug-in-Hybrid

Bayerische Teilzeit-Stromer

BMW macht ernst mit der Elektrifizierung der Modellpalette und präsentiert mit den Modellen X1 xDrive25e und X2 xDrive25e zwei neue Plug-in-Hybride.

Sebastien Ogier holt sich im Toyota Yaris WRC die Bestzeit im Shakedown vonr Neuville (Hyundai) und Evans (Toyota), Weltmeister Tänak (Hyundai) auf P4.