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IGTC: 9h von Kyalami

Mercedes-Trauma: "Nur noch Leere!"

Dramatische Sekunden im Mercedes AMG GT3: Als Führender strandete Maximilian Buhk beim Showdown schon wenige Meter nach dem Start.

Autor: Heiko Stritzke

Er trat als Topfavorit auf den Titel an, kam aber nur ein paar Meter weit: Maximilian Buhk erlebte den wohl bittersten Moment seiner Rennfahrerkarriere, als sein GruppeM-Mercedes AMG GT3 nach nur einem Sektor bei den 9 Stunden von Kyalami 2019 ausrollte.

Buhk verlor dadurch den Fahrertitel; Mercedes-AMG musste den fast schon sicher geglaubten Herstellertitel in der Interkontinentalen GT Challenge (IGTC) noch an Porsche abtreten. Ungläubig schaute nicht nur das gesamte GruppeM-Team auf die Bildschirme, als Buhk schon nach der ersten Kurve langsamer wurde und den GT3-Boliden kurze Zeit später abstellen musste - die Zündspule hatte den Dienst quittiert.

Der Pechvogel erzählt gegenüber 'Motorsport-Total.com', wie er die sportliche Tragödie erlebt hat: "Ich habe einen ziemlich guten Start erwischt und war direkt am führenden Porsche dran. Kurz bevor wir die erste Kurve angebremst haben, war der Motor plötzlich aus. Das hat sich nicht über einen Alarm oder sonst etwas angekündigt."

Motor aus ohne Vorankündigung

Zunächst einmal musste der 26-Jährige bangen, dass das ganze Feld an ihm vorbeikommt. Ausgangs der Crowthorne-Kurve, der ersten "echten" Kurve der Runde, wurde der gelbe AMG mitten im Getümmel langsamer. Buhk hatte Glück, dass es bei einem kleinen Schubser von Laurens Vanthoor blieb und alle anderen ausweichen konnten.

Verzweifelt nahm Buhk nun den Kampf gegen die Technik auf: Reset des Fahrzeugs, Neustart. Kurz keimte Hoffnung auf: "Für ein, zwei Kurven habe ich das Fahrzeug wieder gestartet bekommen. Dann ist der Motor ausgangs Kurve 5 wieder ausgegangen."

Die Kameras hielten alles fest. Noch beim Rollen versucht Buhk erneut, das Fahrzeug wieder in Gang zu bekommen. Doch nichts hilft mehr. "Das Fahrzeug ist im zweiten Gang hängen geblieben und kam nicht mehr in Neutral." Aus der Traum nach nur einem Sektor.

Es war einer der berühmten "Pfennigdefekte", der alles zunichtemachte. "Auf dem Weg in die Startaufstellung oder in der Einführungsrunde war nichts spüren", erinnert sich Buhk. "Auch der Start lief wie immer. Erst kurz vor dem Bremspunkt war der Motor auf einmal aus. Servolenkung und Elektronik haben noch normal funktioniert, nur der Motor war einfach aus."

Emotionslose Fassungslosigkeit im Cockpit

Ob ihm nicht der Gedanke wie einst Uwe Alzen ("mal richtig reintreten in den Koffer!") gekommen ist? "Ehrlich gesagt habe ich gar nichts gedacht", entgegnet er. "Ich konnte es nicht glauben und war komplett fassungslos. Erst einmal war da eine komplette Leere. Dann war ich auf einen Schlag enttäuscht und habe mich für eine Stunde in den Container zurückgezogen."

Nicht anders erging es den Mechanikern: GruppeM Racing hatte den AMG nach einem Trainingsunfall von Maro Engel in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wiederaufgebaut. "Sie haben die Nacht komplett durchgeackert, um das Auto wieder fahrbereit zu machen. Sie waren sicher noch enttäuschter als ich. Aber das war ein Ausfall, für den niemand etwas konnte. Da waren keine Mechaniker schuld und auch keine Fahrer."

Nicht nur für Buhk war der Ausfall ein Desaster. Auch Mercedes-AMG hatte eines von drei Eisen im Kampf um den Titel verloren. Noch schlimmer: Noch vor Rennhälfte war auch der AMG von Strakka Racing nach einem Unfall von Tristan Vautier draußen, der nahezu ungebremst im Streckenabschnitt "Crocodiles" in den Reifenstapel knallte.

Trotzdem lag Mercedes-AMG - mit einem Polster von 22 Punkten auf Porsche angereist - kurz vor Schluss noch auf Titelkurs. Doch beim Restart fiel die Porsche-Armada und auch ein BMW über den SPS-Mercedes von Yelmer Buurman her, der auf einem Trocken-Set-up unterwegs war. Es ging zurück bis auf Position fünf, während Porsche ein Doppelsieg gelang. So ging der Titel von Affalterbach nach Weissach.

AMG-Chef nimmt Stellung

"Es ist sehr bitter, beide Meisterschaften im letzten Rennen zu verlieren", sagt Mercedes-AMG-Chef Stefan Wendl gegenüber 'Sportscar365'. "Wir wussten, dass wir im Falle eines Restarts schlecht aussehen würden, weil wir mehr in Richtung Trockenabstimmung gebaut haben. Er hatte keine Chance, sich gegen die Porsches zu verteidigen. Gratulation an Porsche und Dennis Olsen. Aber für uns ist das bitter und enttäuschend."

"Letztlich war es eine erfolgreiche Saison. Dank unserer Performance- und Kundenteams kamen wir als Spitzenreiter nach Südafrika. Ich weiß nicht, ob es einfach Pech war oder wir etwas hätten besser machen können. Wir werden uns alle zusammensetzen, die Köpfe zusammenstecken und versuchen, es nächstes Jahr besser zu machen."

Ähnlich sieht es auch Unglücksrabe Maximilian Buhk: "Wir waren das ganze Jahr über sehr konstant. Ich würde mir sogar anmaßen zu sagen, dass wir im Schnitt das schnellste Auto gewesen sind. Wir waren in Bathurst da, wir waren in Suzuka da und auch auf dem Laguna Seca Raceway. Nur in Spa haben wir beim Abbruch einen Fehler gemacht, konnten uns aber wieder in die Top 5 fahren."

"Und beim Finale waren wir im Qualifying mit Platz drei auch wieder dabei. Ein besseres Jahr kann es kaum geben. Ich schaue lieber darauf zurück als auf diesen einen Fleck in der Saison, der uns natürlich viel gekostet hat. Aber wir wissen, dass wir schnell sind. Das lässt mich für die Zukunft hoffen."

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