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Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio - erster Test Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio 2017

Radikal rasant

Der Quadrifoglio - 510 PS starker Bodybuilder unter den Alfa Stelvios - bietet fulminante Fahrleistungen und eine Riesenportion Spaß.

mid/rhu

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Welches Ziel bietet sich an, wenn es unbedingt ein Alpenpass sein soll, Paradestrecken wie das Stilfserjoch (Stelvio) aber längst Wintersperre haben? Eine ziemlich perfekte Lösung ist der Stelvio der Vereinigten Arabischen Emirate, die noch ziemlich nagelneue Straße auf den Jebel Jais, den mit 1,934 Metern höchsten Gipfel der Region.

Hier musste jetzt der neue Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio auf langen Geraden und im gemein engen Kurvengeschlängel zeigen, was er drauf hat. Klare Erkenntnis: Das ist eine ganze Menge.

Von nichts kommt nichts - diese Sprichwort-Plattitüde gilt auch für den Vorzeige-Sportwagen unter den modernen SUV. Zur möglichst einleuchtenden Erklärung hier ein paar Daten: Das in Kooperation mit Ferrari aufgebaute V6-Triebwerk mit 2,9 Liter Hubraum bringt es auf 510 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter zwischen 2.500 und 5.000 U/min. Das sorgt für einen grandiosen Bumms und eine Sprintzeit von nur 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Dass erst bei 283 km/h Spitze Schluss ist, macht das fesche vierblättrige Kleeblatt (Quadrifoglio) zum derzeit schnellsten Vertreter seiner Klasse. Ein SUV, über 280 Sachen? Echt beeindruckend.

Dass der stärkste aller Stelvios seine Power nicht nur auf der schnurgeraden Autobahn auf den Asphalt bringt, hat er bereits auf der Nordschleife bewiesen. Denn dort markiert er mit einer Rundenzeit von nur 7.51,7 Minuten einen neuen Rekord für SUV. Das zeigt schon, dass die Alfa-Techniker bei der Ausstattung des Quadrifoglio eine Menge Aufwand betrieben haben.

Kleine Auswahl der technischen Finessen gefällig? Bitte sehr: Er verfügt beispielsweise über Allradantrieb, ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial mit Active Torque Vectoring für maximale Kurvenstabilität, die Chassis Domain Control (CDC), eine elektronische Fahrwerkregelung plus eine Fahrdynamikregelung mit Race-Modus.

Los geht es: Die Dynamik wird auf N wie Natural gestellt, das ist bei Alfa der Normal-Modus. Freie Strecke, keine unliebsamen Zuschauer in Uniform in der Nähe - also beherzt aufs Gaspedal treten. Wer jetzt den Kopf nicht an der Stütze angelegt hat, wird mit einem kleinen Schleudertrauma bestraft, so vehement setzen sich die gut 1.900 Kilo des Italo-SUV in Bewegung.

Die Achtgang-Automatik legt zack zack die Gänge ein, jeder Schaltvorgang wird von einem böse fauchenden und so richtig schön gemein sprotzenden Auspuffgeräusch begleitet. Klingt jetzt vielleicht ein bisschen pubertär, macht aber richtig Spaß und ist fahrdynamisch wie akustisch ziemlich beeindruckend.

Aber halt, die ganz große Show kommt ja erst noch. Wir gehen nämlich in den Warp-, Verzeihung, in den Race-Modus. Jetzt gibt sich der Power-Beau radikal rasant, er spannt sozusagen alle Muskeln und demonstriert die harte Tour. Noch bissigerer Antritt, noch kürzere Schaltzeiten, noch giftigere Töne aus dem Auspuff.

Der Stelvio schraubt sich die breite und gut ausgebaute Passstraße derart flott hoch, dass andere Verkehrsteilnehmer zu Statisten mutieren - ein Husch, und sie sind überholt. Die möglichen Kurvengeschwindigkeiten sind enorm, wer mag, kann durch gezielte Gasstöße das Heck beim Lenken ein wenig mithelfen lassen. Die getesteten Bremsen mit Scheiben aus Kohlefaser-Keramik-Verbundstoff geben bei der Negativ-Beschleunigung den ebenbürtigen Partner - die Fußspitze reicht für dramatische Entschleunigung.

Es ist eindeutig: Der Stelvio Quadrifoglio ist ein reinrassiger Sportwagen im SUV-Format. Das zeigen auch so schöne Details wie die elektronische Servolenkung mit der laut Alfa Romeo direktesten Übersetzung im Segment oder die nicht protzig-übertriebene, aber im Vergleich zu den schwächer motorisierten Versionen erkennbar muskulösere Karosserie.

Leder und sonstige feine Materialien geben beim Interieur den Ton an. Die Sportsitze vorne sind von der zupackenden Art, sie halten die Frontpassagiere auch bei heftiger Querbeschleunigung gut fest.

Die Bedienung über einen Dreh-Drück-Regler, bei Alfa "Rotary Pad" genannt, und relativ wenige Tasten und Schalter um den 8,8 Zoll großen Farbmonitor erklärt sich weitestgehend von selbst, gewöhnungsbedürftig ist speziell auf der linken Seite das große Schaltpaddel am Lenkrad, das den Griff zum Blinkerhebel behindert. Und das Lenkrad könnte einen Tick dicker sein - dann würde es noch besser in der Hand liegen.

Leistung kostet - und zwar Sprit. Dieses physikalische Gesetz gilt auch für den Quadrifoglio. Denn seine 9.0 Liter Normverbrauch lassen sich in der Realität nur als ungefähre Empfehlung verstehen. Oder als Richtwert für die Autobahn-Richtgeschwindigkeit. Die Zylinderabschaltung beim High-Tech-V6 sorgt aber etwa auch in tempolimitierten Ländern für in Relation zur Leistung akzeptable Verbrauchswerte. In Kombination mit echtem Fahrspaß sind Werte um die elf bis zwölf Liter möglich. Und wer es fliegen lässt, darf locker noch den Verbrauch eines Kleinwagens draufpacken.

Dafür gibt es beim Bodybuilder unter den Stelvios dieser Welt zum Einstandspreis von schlappen 109.000 Euro (Deutschland: vergleichsweise zurückhaltende 89.000 Euro) eine Riesenportion Fahrspaß, fulminante Fahrleistungen, ein sehr einfaches Handling und eine ordentliche Ausstattung. Und die Sinnfrage muss sich bei einem Gerät dieses Kalibers wirklich jeder selbst stellen.

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