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Elektro-Mercedes EQC - erster Test Mercedes EQC 2019

Elektro-Schrittmacher

Mercedes startet mit dem EDC ins Elektro-Zeitalter. Kann der die hohen Ansprüche an ein zukunftsweisendes E-Auto mit Stern erfüllen? Erster Test.

mid/rhu

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Warum findet der erste Test des Mercedes EQC gerade in Oslo statt? Die Antwort liegt beim ersten Schritt in die Flughafen-Tiefgarage auf der Hand. Hunderte von Ladestationen sind in der riesigen Halle zu sehen, daran angesteckt Hunderte von E-Autos.

Norwegen gilt als absolutes Stromer-Musterland, angesichts eines riesigen Angebots an sauberem Strom aus Wasserkraft und großzügigen Förderungen für Elektroautos - wenn auch finanziert aus den weniger sauberen Gewinnen aus Norwegens riesigen Erdölvorkommen in der Nordsee.

Die Infrastruktur hoch oben im Norden ist jedenfalls beeindruckend gut. Doch auch bei uns in Mitteleuropa soll es laut Mercedes nicht an Zapfstationen mangeln. Per App oder per Bordcomputer lassen sich laut den Schwaben reichlich Säulen finden, die dann mittels Ladekarte bereitwillig den Energiefluss freigeben. Über 30.000 öffentliche Ladestationen stehen demnach in Europa zur Verfügung. Die Praxis wird zeigen, ob das auch wirklich alles so einfach ist, wenn man über keine eigene Garage mit Lademöglichkeit verfügt.

DIe Stärke der Rekuperation lässt sich mit den beiden Schaltwippen hinter dem Lenkrad einstellen: D Auto, D + (Segeln), D (schwache Rekuperation), D - (mittlere Rekuperation) und D - - (starke Rekuperation fürs Ein-Pedal-Fahren). Die beste Wahl ist dabei "Auto", weil der Benz dann die Rekuperation von selbst erhöht, wenn es bergab geht, oder man sich einem langsameren Vordermann nähert. Das funktioniert hervorragend.

Zusätzlich zu den Fahrprogrammen Eco, Comfort, Sport und Individual gibt es noch den Modus Max Range für größtmögliche Reichweite. Dabei soll ein Druckpunkt im Fahrpedal auf die optimale Pedalstellung hinweisen - in der Praxis war davon allerdings zumindest mit normalem Schuhwerk fast nichts zu spüren. Obendrüber wacht noch der Eco Assistent, der zugunsten maximaler Effizienz Navi-Daten, Verkehrszeichenerkennung und Infos von Radar und Stereokamera auswertet und Tipps an den Fahrer weitergibt.

So weit, so komplex. Doch jetzt wird gefahren. Kurz die technischen Kerndaten vorweg: Die zwei Asynchronmotoren vorne und hinten liefern zusammen 300 kW/408 PS und 760 Newtonmeter maximales Drehmoment, von 0 auf 100 km/h geht's in 5,1 Sekunden, bei 180 km/h wird abgeregelt. Und klar: Die E-Maschinen ermöglichen einen elektronisch gesteuerten Allradantrieb. Der 400-Volt-Akku aus Daimler-Produktion bringt es auf eine Kapazität von 80 kWh.

Beim Losfahren gibt es keine besonderen Tricks. Wie in jedem aktuellen Mercedes wird der Startknopf gedrückt, dann der Automatikwählhebel rechts am Lenkrad nach unten gezogen.

Wer jetzt freie Bahn hat und es wirklich wissen will, erlebt beim Kickdown eine neue Sternen-Dimension. Denn wie die rund 2,5 Tonnen EQC im Fahrmodus Sport in Schwung gebracht werden, hat gleichzeitig sanfte und brutale Aspekte - weil es dabei so leise zugeht. Und weil die ansatzlos frei werdende Power direkt in die Magengrube fährt.

Im Alltag spielen solche Beschleunigungs-Exzesse keine große Rolle, hier geht es um komfortable und möglichst ausdauernde Fortbewegung. Eine Reichweite von rund 450 Kilometern laut der alten NEFZ-Norm verspricht Mercedes angesichts des (NEFZ-)Normverbrauchs von rund 20 kWh/100 km. Auf norwegischen 80-km/h-Landstraßen kamen wir auf rund 24 kWh. Mit etwas Zurückhaltung kommt der EQC demnach mit einer Ladung um die 300 Kilometer weit.

Das Fahrverhalten des 4,76 Meter langen Midsize-SUV ist dank des tiefen Schwerpunkts wegen der 652 Kilo schweren Batterie sicher und komfortabel, wer es in Kurven sehr flott angehen lässt, spürt natürlich das hohe Gewicht. Das Platzangebot vorne wie hinten ist gut, der Kofferraum schluckt rund 500 Liter Gepäck - damit kann man leben. Ebenso wie mit der maximalen Anhängelast von 1.800 Kilo.

Zum EQC gehören Dinge wie Akku-Heizung oder Fernsteuerung von Ladevorgang und Klimatisierung per App ebenso dazu wie eine reiche Ausstattung an Assistenzsystemen. Wichtig für alle Nutzer, die öfter mal längere Strecken fahren, ist die Gleichstrom-Schnellladefähigkeit mit bis zu 110 kW. So lässt sich der Akku in rund 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent seiner Kapazität auffüllen.

Wesentlich länger dauert es, wenn der Stromer per Wechselstrom gefüllt wird. Denn Mercedes hat den eingebauten Gleichstromwandler auf 7,4 kW limitiert.

Das bedeutet: Wer an einer öffentlichen Ladestation vorm Supermarkt oder der örtlichen Sparkasse tankt, die 22 kW liefern würde, muss sich mit gut einem Drittel des möglichen Energieflusses zufriedengeben. Anders ausgedrückt: Eine Vollladung mit nur 7,4 kW dauert elf Stunden - das kann auch an der heimischen Wallbox zum Problem werden.

71.281 Euro sind für den Mercedes EQC in Deutschland fällig, der Österreich-Preis ist noch nicht fixiert, sollte aber um die 71.800 Euro liegen. Insgesamt wirkt der EQC auf Anhieb weitgehend ausgereift und hochwertig-solide. Ein paar Punkte - wie das langwierige Wechselstrom-Laden - lassen aber noch Raum für Optimierungen.

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