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Jeep Grand Cherokee 3.0 V6 Limited - im Test Jeep Grand Cherokee 2017

Nobel im Schlamm

Kult-Geländewagen mit viel Komfort und einem Hauch Luxus: der Jeep Grand Cherokee. Wir testen ihn als "Limited" mit Dreiliter-V6-Dieselmotor.

Text: Dieter Schwab/mid
Fotos: Jutta Leis

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Die Vielseitigkeit eines Geländewagens, gepaart mit dem Luxus einer Oberklasse-Limousine - mit dem Konzept des Grand Cherokee hat Jeep seit 1992 Erfolg.

Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Die aktuelle Ausführung des großen Amerikaners mit 3,0-Liter-V6-Motor bietet viel Bequemlichkeit, ein üppiges Platzangebot und überzeugende Geländeeigenschaften.

Auf seinen rund 9,4 Quadratmeter Grundfläche könnte man mühelos eine Studentenbude unterbringen, dabei zählt der Jeep Grand Cherokee in seinem Mutterland Amerika noch nicht einmal zu den ganz dicken Dingern. Bei uns misst er sich mit BMW X5, Mercedes GLE, VW Touareg und dem Range Rover Sport. Speziell mit seinem englischen Wettbewerber teilt er sich die weitreichenden Fähigkeiten für unwegsames Gelände. Wer Ja sagt zum Grand Cherokee, hat keine Angst, sein Fahrzeug - oder auch sich selbst - hin und wieder richtig schmutzig zu machen.

Wer sich zu dieser Gruppe zählt, kann auch etwas mit diesen harten Fakten anfangen: 23,1 Zentimeter Bodenfreiheit, 50,8 Zentimeter Wattiefe, knapp 30 Zentimeter Böschungswinkel und 23,5 Zentimeter Rampenwinkel. Da ist man für jede Schlammschlacht gerüstet.

Dazu kommt ein Allradantrieb, der voll auf Elektronik setzt, aber trotzdem mithalten kann mit mechanischen Lösungen inklusive Untersetzung. Jeep nennt sein System "Quadra-Trac". Mit zweistufigem Verteilergetriebe und Traktionskontrolle reagiert der Allradantrieb sehr schnell auf Radschlupf. Bis zu 100 Prozent des Motor-Drehmomentes werden an die Achse mit der höchsten Traktion geleitet.

Vier Fahrprogramme sind optimal auf Sand, Schlamm, Schnee und felsigen Untergrund ausgerichtet. Doch man kann sich auch auf die Automatik der "Allwettereinstellung" verlassen. Und wenn die Herausforderung richtig groß wird, unterstützen die Berganfahr- oder -abfahrhilfe bei besonders steilem Terrain.

Da erwartet man fast zwangsläufig, dass solche Eigenschaften auf Kosten der Alltagstauglichkeit gehen. Doch weit gefehlt: Den Jeep-Ingenieuren ist eine feine Abstimmung des Fahrwerks gelungen, die dem immerhin mehr als 2,5 Tonnen schweren Dickschiff eine erstaunliche Dynamik geben. Audi und BMW können die Amerikaner in dieser Disziplin noch nicht den Rang ablaufen, doch die Lässigkeit, mit der sich der Grand Cherokee durch Kurven zirkeln lässt, ist überzeugend.

Die zweite Komponente, die eine entscheidende Rolle spielt, wenn es um Tempo geht, macht dieses Geschwindigkeitsniveau völlig unspektakulär möglich: Der drei Liter große Sechszylinder-Diesel wuchtet ab 2.000 Umdrehungen gewaltige 570 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle.

Kein Wunder, dass der schwere Geländegänger schon nach 8,2 Sekunden auf 100 km/h ist. Wer hohe Geschwindigkeiten meidet, kann auch mit einem angemessenen Verbrauch rechnen. Der lag im Test bei 9,8 Liter Diesel.

Man ist ja auch mit keinem Sportwagen unterwegs, sondern erwartet in erster Linie Bequemlichkeit, kombiniert mit einem gewissen Luxus. Die Sicherheitstechnik und die Assistenzsysteme sind auf der Höhe der Zeit - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dazu kommt eine überzeugende Verarbeitung der hochwertigen Materialien.

Die lässige bis nachlässige Art, mit der amerikanische Fahrzeuge früher zusammengeschraubt wurden, ist im Jeep Grand Cherokee kein Thema mehr. Zudem verwöhnt er mit einer "Fahr-Gast-Freundschaft", die einladend - im doppelten Sinn des Wortes - ist. Hier gibt es nicht nur hohen Komfort, sondern auch noch Platz bis zum Abwinken. Fünf Erwachsene können sich räkeln und hinter sich noch 782 Liter Gepäck verstauen. Bei umgelegter Rückbank verdoppelt sich das Angebot fast.

Mit diesem Gesamtpaket wäre es fast schon unverschämt, auch noch einen Schnäppchenreis zu erwarten. 60.290 Euro (Deutschland: 50.900 Euro) für das Basismodell mit 190 PS starkem Dreiliter-V6-Diesel bringen aber ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis, jedenfalls in Deutschand.

Für die 60 PS stärkere Variante des gleichen Motors - wie getestet - müssen Käufer mindestens 69.390 Euro (D: 60.400 Euro) ausgeben, auch weil es ihn erst ab der zweiten Ausstattung "Limited" gibt. Nach oben setzt erst die besonders sportliche SRT-Version Grenzen. Die hat den ebenso durstigen wie gewaltig kräftigen HEMI-V8-Benziner mit 344 kW/468 PS unter der Haube und kostet ab 109.190 Euro (D: 87 900 Euro).

Fünftüriges SUV mit fünf Sitzplätzen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,83 /1,94/1,79/2,92, Wattiefe: 50,8 cm, Böschungswinkel: 29,5 Grad, Rampenwinkel: 23,5 Grad, Leergewicht: 2.522 kg, Zuladung: 546 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst: 3.500/750 kg, Kofferraumvolumen: 782-1.554 l, Tankinhalt: 93,5 l.
Antrieb: V6-Turbodiesel, Hubraum: 2.987 ccm, Leistung: 184 kW/250 PS bei 6.000/min, max. Drehmoment: 570 Nm bei 2.000/min, Vmax: 190 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h: 8,2 s, Achtgang-Automatikgetriebe, Allradantrieb, Normverbrauch: 7,0 l/100 km, CO2-Emission: 184 g/km, Testverbrauch: 9,8 l.
Österreich-Preis: 69.390 Euro (Deutschland: 60.400 Euro).

Weitere Testdetails:

Preise, Ausstattung & Technik
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