RALLYE

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Genial-verrückte Gatsch-Schlacht

Auf den zweiten Platz in der Dieselklasse "gerutscht", und zwar im wahrsten Sinn des Wortes, ist Willi Rabl jun. bei der Waldviertel-Rallye 2007.

Für seine Prinziptreue zahlte er einen hohen Preis: Er hatte die Saison mit dem VW Golf TDI Kitcar begonnen, und weil es so schön und erfolgreich gelaufen ist, fuhr er auch im Waldviertel mit dem Kitcar. Nur leider passten die Strecken des Waldviertels und das breite, starke, aber halt leider nur frontgetriebene Auto überhaupt nicht zusammen. Aber es machte nichts: Der zweite Platz in der Dieselklasse ist sich immer noch ausgegangen. Beinahe wäre sich sogar der Sieg noch ausgegangen!

Da Willi Rabl die Herbst-Rallye, seine Heim-Veranstaltung im engeren Sinn, aus meisterschaftstaktischen Gründen auslassen musste, wollte er zumindest bei der Waldviertel-Rallye an den Start gehen, die auch nicht allzu weit von Mautern entfernt ist. Und natürlich ist das ja von der sportlichen Bedeutung ein sehr wichtiger Lauf. So weit, so gut.

Wenn man aber nun mit einem Auto wie dem VW TDI Kitcar eine Rallye fahren muss, deren Wertungsprüfungen zu 90 Prozent über Schotter führen, dann ist das ein wenig "Öha!". Wenn man damit eine Rallye fährt, wo meteorologisch die Hölle los ist (Schnee und Regen schön gemischt), so ist das – siehe Ostarrichi-Rallye – auch eher mühsam. Bei einer Rallye, wo es beides gibt – Schotterstrecken UND ein Herbst-Wetter von der brutalen Sorte, tritt man mit einem solchen Auto am besten gar nicht erst an.

Willi Rabl hat es dennoch getan, und es war nicht umsonst. Zum Vorlesen eingeteilt hatte er wieder einmal Uschi Breinessl, auch hier hat sich seit Saisonbeginn nichts geändert. Es war klar, dass ein vergleichbares Gesamt-Ergebnis wie etwa bei der Castrol Pölstal Judenburg-Rallye (dort waren sie ja in den Top-Ten) diesmal nicht zu schaffen sein würde. Dazu war die Strecke einfach zu Kitcar-unfreundlich, erst recht, wenn der Waldviertler Herbst seine Muskeln spielen läßt.

Letztendlich zeigte sich Willi Rabl aber dann doch ziemlich bestürzt über die Erlebnisse, die ihm die Fahrt mit dem VW-Kitcar über die Waldviertler Wald- und Wiesenwege bescherte: Das Auto schien ihn fahren zu wollen anstatt umgekehrt, selbst auf den Geraden hatte die Lenkung keine ruhige Sekunde. Willi Rabl hatte alle Mühe, das Auto auf der Strecke zu halten, denn eigentlich schien es überall große Lust zu verspüren, diese zu verlassen. Gleichgültig, ob dort ein Baum stand oder nicht. Willi Rabl war es weniger gleichgültig und war gerade ausreichend Herr der Lage, um einen Blech- oder noch schlimmeren Schaden zu verhindern.

Man kann also guten Gewissens sagen, dass diese Rallye für Willi Rabl ein ganz besonders schwieriges Unterfangen war, aber ganz egal, wie irre der breite TDI-Golf schlingerte, er ließ nicht locker und hielt bis zum Schluß durch. Auch wenn ihn schon der Gedanke an den nächsten SP-Start mit Schaudern erfüllte: Was wird mich da wohl wieder erwarten…?

Dabei: Sportlich gesehen hat es gar nicht so schlecht ausgesehen, zumindest in der Dieselklasse. Kein Wunder – dort fahren eben alle nur mit Zweiradantrieb. Vorteile hat Willi Rabl aus seiner Technik sicher keine gezogen: Auf Strecken wie diesen mit tiefem Dreck und vielen Bodenunebenheiten ist ein eher serienmäßig gehaltenes Auto, wie es sein früherer Golf V war, sicher das besser geeignete Fahrzeug.

Richtig los ging’s ja erst auf der zweiten Prüfung, dem Langauer Forst, wo Willi Rabl bereits zweitbester Teilnehmer der Dieselklasse hinter Andreas Patzl war, allerdings hier noch deutlich abgeschlagen. Aber immerhin – alleine diese Prüfung sicher hinter sich zu bringen, war bereits eine Leistung. Die Legende von den zahlreichen gestrandeten Mitbewerbern zeigt dies mehr als deutlich. Die dritte Prüfung brachte Michael Kogler mit dem Golf V die Führung, Willi Rabl war als Dritter immer noch sehr gut dabei.

In dieser Position konnte er auch den ersten Rallye-Tag beenden, mit deutlichem Vorsprung sogar auf Michael Böhm (Fiat Stilo), der ebenfalls einen Abgang hatte. Aber die Verunsicherung war halt sehr groß.

Dennoch – für Willi Rabl und Uschi Breinessl entwickelte sich die Rallye sehr gut. Vor allem auf der zweiten Etappe, die um nichts leichter zu fahren war als die erste – und noch dazu länger. Michael Kogler war bald aus dem Rennen, es lag also nach der neunten Prüfung nur noch Andreas Patzl vor Willi Rabl. Und besonders erfreulich: Hier entwickelte sich ein sehr dramatischer Zweikampf, bei dem durchaus auch Willi Rabl einige Chancen hatte! Doch der Waldviertler mit dem Skoda Fabia hielt der Gegenwehr des Gerade-noch-Industrieviertlers stand und verteidigte seine Führung bis zum Schluß erfolgreich.

Zweiter Platz in der Dieselwertung also für Willi Rabl Junior und Uschi Breinessl – aber welch ein hart erkämpfter! Und ankommen musste man ja auch erst einmal. Dank der guten Arbeit des Serviceteams von Gerhard Hofbauer gab es auch technisch keine Schwierigkeiten.

Also doch noch ein ergebnismäßig sehr erfreulicher Saisonabschluß, auch wenn das Befahren der Forst- und Feldwege mit dem VW-Kitcar einem "Bergsteigen mit Holzschlapfen" glich. Es hätte natürlich noch besser kommen können: Ohne dem Mißverständnis an der ZK bei der Pirelli-Lavanttal-Rallye hätte es einen Diesel-Meisterschaftssieg auch noch zu feiern gegeben. Das wird wohl noch ein wenig warten müssen…

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