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ORM: Schneebergland-Rallye

M1-Sieg für Ritt im Schneebergland

Das Duo Ritt/Obernhuber meisterte nach einem unglaublichen Endspurt beim Volvo-Aufbau die Schneebergland-Rallye; Aigner/Minor out.

Foto: Walter Vogler

Nach dem Ausfall des Duos Aigner/Minor, das mit einer schier unglaublichen 'Pace' in die Rallye gestartet war, fuhren Ritt/Obernhuber die volle Punktezahl im M1 Rallye Masters ein. Als am Freitag um 9 Uhr im Rohr im Gebirge der vierte ÖM-Lauf gestartet wurde, rollte nicht nur die mit Spannung erwartete Crème de la Crème der heimischen Rallyeszene in ihren WRCs und R5-Boliden über die Startrampe, sondern auch ein aus der WM bekanntes Duo: Andreas Aigner, Ex-Welt- und -Europameister der seriennahen Klasse saß gemeinsam mit der ebenso WM-erfahrenen Ilka Minor als Co-Pilotin im Cockpit von einem der zwei gestarteten M1-Fahrzeuge.

Aigner/Minor setzten diesmal jedoch nicht wie zuletzt auf ein WRC, sondern auf ein sehr ungewöhnliches, viel beachtetes "Rallyeschlachtschiff": Der BMW 650i war erst kürzlich beim Waldviertel-Rallyesprint vermietet worden und daher bereits für den Schottereinsatz vorbereitet. Neben der unproblematischen Verfügbarkeit war natürlich auch die Tatsache, dass der Einsatz seines M1-Boliden nur einen Bruchteil des Einsatzbudgets eines R5-Fahrzeugs oder WRCs verschlingt, Triebfeder für die Entscheidung des Obersteirers.

Das Schmunzeln in den Gesichtern einiger Zuseher und Aktiver verwandelte sich nach einer elften Gesamtzeit von Aigner/Minor auf SP 1 – die späteren Podiumspiloten Kris Rosenberger im Ford Fiesta R5 und Martin Kalteis im Evo VII konnten die 6,2 km lange Eröffnungsprüfung mit ihren Allradboliden nur um wenige Zehntelsekunden schneller hinter sich bringen – teils in Begeisterung, teils in ungläubige Fassungslosigkeit.

Etwas verhaltener, aber mit ähnlicher Entschlossenheit, startete das Duo Ritt/Obernhuber mit seinem neu aufgebauten Volvo 740 in die Rallye. Eigentlich hätte das Team schon zum Rallyestart einen Pokal erhalten müssen, so unglaublich war die Geschwindigkeit, in der sie das vermutlich billigste Rallyeauto Österreichs aufgebaut hatten. In nur etwas mehr als einer Woche verwandelte das kleine Privatteam nach dem Totalschaden seines Mazda 323 im Wechselland den rund 115 PS starken Volvo in ein Rallyeauto mit allen Sicherheitsstandards nach FIA-Vorgaben.

Überrollkäfig, Feuerlöschanlage, Sitze mit HANS, Cupfahrwerk, ein massiver Unterbodenschutz und viele weitere Details mussten verbaut werden, ehe es zur technischen Abnahme ging. Die ersten Testkilometer wurden auf der SP 1 abgespult. Das die Leistung bei diesen Rahmenbedingungen nicht für die vorderen Plätze gereicht hat, war selbstredend. Das Team selbst und die Fans kümmerte das aber herzlich wenig, die Begeisterung über den sportlich bewegten "Elch" war auf den SP und im Fahrerlager deutlich zu spüren und entschädigte die sympathische Truppe um Martin Ritt für die kurzen Nächte vor der Rallye.

Ritt: "Ich wollte unbedingt starten. Die Rallye gefällt mir sehr, und als dank der Vermittlung von Georg Gschwandner einige Volvo-Freunde zusammenhalfen, wusste ich, wir können es schaffen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Georg, Thomas, Polt und meine Familie – der Aufbau war eine super Teamleistung." Eine ebensolche erbrachten über die gesamte Rallye hinweg auch Ritt und Anna-Maria Obernhuber im Cockpit.

Mit kalkuliertem Risiko brachten die beiden das neue Baby trotz eines Reifenschadens auf SP 3 letztlich unversehrt ins Ziel und bekamen so die volle Punktezahl für den Sieg im M1 Rallye Masters gutgeschrieben. "Ich bin echt zufrieden – wir hatten wirklich Spaß bei der Rallye, und auch budgetär blieb alles im geplanten Rahmen. Wir sind weit unter 10.000 Euro geblieben – damit meine ich aber nicht die Kosten für die Rallye, sondern die Kosten für den Ankauf des Autos, die ganzen Teile, den Aufbau und die Rallye ...", gab der Obersteirer schmunzelnd zu Protokoll.

Andreas Aigner nahm den Ausfall, bei dem er nach einem etwas zu motivierten Anbremsmanöver auf SP 2 direkt neben dem nach Überschlag ausgeschiedenen Raimund Baumschlager zu stehen kam, mit Humor: "Wir haben nach schnelleren Fahrzeugen Ausschau gehalten und diese gefunden. Unglücklicherweise war der kleine Hügel hoch genug, um uns an der Weiterfahrt zu hindern. Wir sind leider out – bis dahin hatten wir aber sehr viel Spaß."

M1-Mastermind Günther Knobloch: "Wir dachten eigentlich, dass im Schneebergland kein M1-Team startet. Einerseits, da bei den seriennahen Fahrzeugen im Schneebergland der Verschleiß recht groß ist, andererseits, da in der Serie nur die vier besten Ergebnisse zählen – und es gibt in Österreich bekanntlich fünf Asphaltrallyes. Umso mehr hat es mich gefreut, dass die M1-Familie Andi mit der unglaublichen Performance im 'bayerischen Schlachtschiff' und Martin mit dem fast ebenso unglaublichen Projekt 'Bau ein Rallyeauto in einer Woche um ein paar tausend Euro' zu der Rallye beisteuern konnten."

Am 21./22. Juli startet das M1 Rallye Masters im Rahmen der Weiz-Rallye in der Steiermark wieder in größerer Mannschaftsstärke durch.

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