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Stimmen zum Tod von Christof Klausner

Was Menschen, die mit Christof Klausner zu tun hatten, zu seinem Ableben sagen. Stimmen, die uns den „Lausbuben im Urquattro“ noch einmal ein Stück näher bringen...

Noir Trawniczek
Fotos: Ralf Nagel, Daniel Fessl, Harald Illmer, quattrolegende

Eingangs ein Zitat aus dem letzten Christof Klausner-Interview auf motorline.cc angesichts der Gründung des „Projekts Christof Klausner 2022“ durch quattrolegende-Mastermind Peter Reischl, bei dem die nötigen finanziellen Mittel für einen Wiederaufbau eines Audi quattro für ihn gesammelt wurde, motorline.cc hat sich an dem Projekt als Medienpartner gerne beteiligt.

Neben Dank an Reischl und Co erwähnte Klausner in dem Interview auch „zwischen zehn und 15 ‚Spezln‘, einschließlich meiner Brüder, die mir unentgeltlich unter die Arme greifen, wofür ich mich schon jetzt sehr herzlich bedanken möchte.“ Eine Rallyetaxifahrt als Dankeschön sei da noch das Mindeste, sagte er mit dem für ihn so typischen Lachen: „Das können sie alles haben, das ist völlig klar! Es sind ganz einfach tolle Burschen, die für diesen Sport leben...“

Die zusätzlichen Bilder in der Galerie oben entstammen dem Privatarchiv von Ralf Nagel und zeigen Christof Klausner mit Rudi Stohl, Walter Röhrl, Timo Salonen und Andy Schulz, mit Paolo Diana, mit Thomas Hummer und mit einem seiner beiden Zwillingsbrüder.

Peter Reischl (quattrolegende): „So einen Fahrer wird es nie wieder geben!“

Christof Klausner hat auch über seinen Tod hinaus mehr Reichweite als alle erfolgreichen Österreicher zusammen. Er hat das Publikum mit seiner spektakulären Fahrweise erfreut - es war einfach unheimlich geil zum Ansehen! So hat er sich die Fans quasi gezüchtet. Und: Er ist immer nur Audi quattro gefahren. Christof und ich hatten seit 2004 Kontakt, er war schon bei den Vorläufern der quattrolegende dabei - so entwickelte sich eine 17 Jahre andauernde gute Freundschaft, zuletzt haben wir das „Projekt Christof Klausner 2022“ ins Leben gerufen, damit wir Ihn beim Aufbau des neuen Autos unterstützen können. Das Motorrad war seine zweite Liebe. Der Rallyesport war Christofs Leben. Es wird nie wieder so einen Fahrer geben - Christof ging dermaßen ans Limit, er hat sein spezielles Driften verinnerlicht. Für uns alle ist sein Tod ein herber Verlust. Diese ganz spezielle Show wird es nie wieder geben - es war einmal...“

Ralf Nagel (Manager & Unterstützer): „Christof ist verstorben, aber nicht tot“

Ich habe Christof vor zehn Jahren bei der Rallylegends San Marino kennengelernt - aufgrund einer Absage! Walter Röhrl und Christian Geistdörfer hätten in einem Audi quattro teilnehmen sollen, doch dann hat ein anderer Fahrer bei (Röhrls Arbeitgeber, d. Red.) Porsche nachgefragt, wie das denn sein könne, dass ein Porsche-Fahrer mit einem Audi fährt, der Start wurde storniert und ich hatte viel Zeit, um mich bei der Legends umzusehen. Auf einem Feld sah ich einen langen Quattro und viele Leute rundherum. Ich habe ihn kennengelernt und ihn in der Folge organisatorisch unterstützt oder auch Fahrzeugteile gekauft und dergleichen.

Natürlich hat er den Sport immer als Hobby betrieben, er hat ja auch spät angefangen, sein Hauptberuf war Mechaniker. Die Fans haben ihn nicht nur wegen seines Fahrstils geliebt - er ist auch immer am Boden geblieben, trotz Superstarstatus. Und sein Team funktioniert - jeder macht einen gewissen Bereich. Im Team fahren ja auch Christian Mitterlehner oder Horst Stürmer. Ich würde es begrüßen, wenn es das Team weiterhin geben würde.

Er war ein perfekter Fahrer und wenn er die Freude am Driftwinkel beiseitegelegt hätte und in einem modernen Auto auf Zeit gefahren wäre, hätte ich ihm auch Rallyesiege zugetraut. Doch das wollte er einfach nicht und das habe ich stets respektiert. Bei der Rallylegends San Marino hinterlässt Christof Klausner ein Loch - Lokalmatador Paolo Diana und er haben die Legends quasi mit hochgefahren, Klausner hat auch der Jännerrallye tausende Zuschauer mehr beschert.

Doch Christof Klausner ist zwar verstorben aber nicht tot. Seine Bandbreite ist einfach gewaltig. Mit der Nachricht von seinem Unfalltod sind zwei Millionen Menschen erreicht worden, es trudelten umgekehrt tausende Mails ein. Ich dränge darauf, dass sein Auto weiter aufgebaut und fertiggestellt wird. Ich möchte einfach, dass sich die Räder weiter drehen!

Georg Höfer (Jännerrallye): „Showblock - auch ihm zu Ehren“

Sein Rallyedebüt bei der Jännerrallye 2004 habe ich nur als Zuschauer erlebt - er ist in der Folge jede weitere Jännerrallye gefahren, in Oberösterreich ist er insgesamt sehr oft am Start gewesen. Christof Klausner hatte einen Fahrstil wie kein anderer Fahrer auf dieser Welt. Er war stets am Limit und das eine oder andere Mal auch darüber unterwegs. Sein Motor war stets die Freude am Fahren - es hat ihm voll getaugt und das konnte man ihm ansehen. Dass er tausende zusätzliche Fans zur Jännerrallye brachte - dem würde ich durchaus zustimmen.

Natürlich hat es auch jene gegeben, die seinem Zugang zum Rallyesport negativ gegenüberstanden - doch davon hat er sich nicht beirren lassen. Er ist bei derJännnerrallye anfangs auch im Bewerb gestartet und auf manchen Sonderprüfungen landete er in den Top 10. Wenn er auf Zeit gefahren wäre, hätte er gute Ergebnisse abliefern können - doch er wollte lieber spektakulär driften...

Und das ist es, was auch sehr viele Zuschauer sehen wollen. Wir haben uns nach seiner Sperre überlegt, wie wir ihn und weiteren ‚Quertreibern’ bei der Jännerrallye 2022 bei seinem großen Comeback zu einem würdigen Auftritt verhelfen und damit zugleich den Fans eine große Freude bereiten können. Die Idee war ein eigener Showblock. Wir wollen das auch nach seinem tragischen Unfalltod weiter verfolgen. Als Vorausautos nur noch die üblichen Fahrzeuge mit ausschließlichem Sicherheitsaspekt, nach dem Feld dann ein eigener Showautoblock, in dem Christof als großer Held dieses Genres ganz am Schluss gestartet wäre. Er ist der Fahrer, auf den die Zuschauer mitunter auch stundenlang geduldig gewartet haben.

Der deutsche Rallyepilot Ruben Zeltner meinte einmal sinngemäß: Wenn du quer fährst, finden dich die Zuschauer geil - doch nur wenn du gewinnst, behalten sie dich in Erinnerung - doch Christof Klausner hat diese Theorie eindrucksvoll widerlegt, zählt er doch zu den bekanntesten österreichischen Rallyepiloten. Mit seinem einzigartigen spektakulären Fahrstil und seinem stets sonnigen Gemüt hat Christof unheimlich viel Aufmerksamkeit für den gesamten Rallyesport wecken können.

Man darf aber nicht vergessen: Auch das Menschliche macht sehr viel aus. Die Leute sind während einer Rallye im Service zu ihm hin gegangen und haben ihm erzählt, auf welcher Prüfung sie zuvor gestanden sind und wie sehr es ihnen gefallen hat. Dabei ist er sich nie zu schade gewesen, mit jedem oder jeder zu reden - und auch wenn er etwas bereits hundert Mal erklärt hat, so hat er es eben ein 101. Mal erklärt - und zwar tatsächlich genauso motiviert und freundlich wie beim allerersten Mal...

Rudi Stohl (Pilot): „Christof hat seinen eigenen Weg gefunden“

Ich habe Christof bei den Audi-Treffen, die er regelmäßig besucht hat, näher kennen- und schätzen gelernt. Christof hat im Rallyecockpit Dinge gemacht, die beim Publikum einfach gut angekommen sind. Über vieles sollte man nicht zu viel nachdenken - der eine nimmt mehr, der andere weniger Risiko. Christof Klausner hat einfach das getan, was ihm und auch dem Publikum Freude bereitet hat.

Und er hat sich immer so verhalten, dass man ihn sicher nicht als Abgehobenen empfinden konnte. Es stimmt, dass man bei unseren Karrieren gewisse Parallelen entdecken kann. Wir haben beide, jeder auf seine Art, einen eigenen Weg gefunden, mit relativ wenig Budget Rallyesport betreiben zu können. Weder mit der Lada noch mit dem Audi quattro konnten man zu der jeweiligen Zeit, in der wir diese Autos gefahren sind, damit Rallyes gewinnen. Wenn man kein starkes oder modernes Auto zur Verfügung hat, überlegt man sich ausgefallene Geschichten.

Wenn man die Autos von damals und heute miteinander vergleicht, erkennt man große Unterschiede. Während heutige Allrad-Rallyeautos wie auf Schienen durch die Kurven zu gleiten scheinen, hätte Christof Klausner mit jenem Allrad-System, das ich im 90er-Audi hatte, mit einem zu 100 Prozent gesperrten Differenzial, seinen Fahrstil nicht umsetzen können. Bei einer Rallye war im Stadion die finale Superspecial-Prüfung angesagt, bei der wir die Fans mit ‚Ringerl‘ erfreuen sollten.

Das war aber mit der 100 Prozent Sperre einfach nicht möglich. Ich habe daher den Wagen dort abgestellt, bin ausgestiegen und zu Fuß ein Ringerl um das Auto herumgelaufen - das hat dem Publikum scheinbar ganz besonders gut gefallen, es gab großen Applaus und viele von ihnen erinnern sich heute noch gerne an diese Einlage. So wie sie sich auch noch lange an Christof Klausner mit großer Freude erinnern werden...

Niki Glisic (Pilot): „Durcharbeitender, volksnaher Lausbub im Urquattro“

Christof und ich sind beide im Jahr 2004 in den Rallyesport eingestiegen - ich bin 2003 mit Sigi Schwarz einen Lauf in Deutschland testhalber gefahren. Ich habe Christof da noch nicht persönlich gekannt - ich hatte von einem Freund nur mal gehört, dass es da im Kirchdorfer Raum jemanden gibt, der irrsinnig gut und schnell driftet. Bei der Vorbereitung zur Jännerrallye, ehrlich gesagt hatten wir damals eher illegal trainiert als besichtigt, fuhr ich eines Nachts hinter einem wilden Audi Quattro und konnte mit meinem Hecktriebler sein Tempo halbwegs mitgehen - auf einem Parkplatz in Oberndorf lernten wir uns dann auch persönlich kennen und er sagte: ‚Endlich mal ein guter Autofahrer der nicht nur vom Driften redet sondern es auch tut!‘ Die Jännerrallye 2004 war mit etlichen WRCs sehr gut besetzt und deshalb auch voll im Fokus der Zuschauer und Medien. Nach der Test-Sonderprüfung für die Jännerrallye kannte jeder die Namen Klausner und Glisic - Tenor: ‚Die zwei Neuen fahren gscheit quer - Lausbubn die!‘
 
Danach sind wir viele gemeinsame Rallyes gefahren und sind auch in den Service-Zentren oft nebeneinander gestanden um uns im Bedarfsfall gegenseitig helfen zu können - und weil’s einfach immer lustig war. Unsere Vorbilder waren damals Piloten wie Hans Georg Lindner oder Eric Wallner - das waren die Publikumslieblinge dieser Zeit. Früher konnte man die Geschwindigkeit noch mit freiem Auge sehen - langsam waren wir auch quer niemals unterwegs. Christof hätte gleich zu Beginn seiner Rallye-Karriere ein Angebot von Dr. Helmut Checkal für den Diesel-VW erhalten, es aber abgelehnt - wenn er das angenommen hätte, wenn er rein auf Zeit gefahren wäre und das ohne Audi, dann wäre er nur einer von sehr vielen schnellen Piloten gewesen, das wollte er nicht.
 
Er wollte stattdessen für sich, sein Team und das Publikum fahren, und das ausschließlich mit seinem Audi Urquattro. Die Klausners waren auch seit vielen Jahr fix am Wörtherseetreffen vertreten und somit quasi mit Audi verheiratet - in einem Mitsubishi oder Subaru, um nur zwei Beispiele zu erwähnen, hätte der Mythos Klausner nie funktioniert. Und er fuhr stets binär, wie ich es nenne, wo es nur 0 und 1 gibt. Entweder voll auf der Bremse (0) oder voll am Gas (1) - dazwischen gab es nichts anderes. Er hatte auch an Stellen Drifts eingelegt, wo man nie geglaubt hätte, dass es dort möglich ist - und ist dann mit dem Heck voran in die Kurve gefahren. Bei der Rallylegend San Marino sind wir einfach durchgedriftet - dort haben wir dann auch mit Leuten wie Paolo Diana Gesinnungsgenossen getroffen.

Ich möchte das ganz klar sagen: Christof war als Auto- und Motorradfahrer ein Ausnahmetalent und hatte einfach Spaß am Fahren. Ich habe ihm jedoch oft gesagt, dass er das Motorradfahren besser lassen sollte weil wir mit dem Rallyesport ohnehin schon ein gutes Ventil zum Dampf ablassen haben und ein Motorrad keine Fehler verzeiht. Bei der Rallye haben wir eine Sicherheitszelle, abgesperrte Straßen, Streckenposten etc - da ist das Risiko halbwegs kalkulierbar. Ich hatte selbst bei einem Motorradunfall einen sehr hohen Preis bezahlt und das wollte ich anderen ersparen. Er hat sich jedoch anders entschieden und das muss man akzeptieren. Ich habe ihm gesagt, was ich an seiner Stelle tun würde und damit war es gut für mich.
 
Mir fallen zwei konkrete Punkte ein, die das Wirken von Christof Klausner erklären: Er hatte die Physik des Allrad-Driftens auf die Spitze getrieben und sah sich dabei gerne als Lausbub im alten Urquattro, sozusagen als Underdog bzw. als für’s Volk driftender Robin Hood, immer mit einem Lacher auf den Lippen! Er hat nur ganz wenig Alkohol getrunken, selbst bei Feiern waren das meistens nur ein oder zwei Bierchen. Er war immer für andere da und er war immer hilfsbereit, er hat quasi Tag und Nacht gearbeitet und hat am Wochenende als Dank auch an den Autos der Teammitglieder geschraubt.
 
Und damit kommen wir zum zweiten Punkt, den viele nicht so wahrnehmen: Er hatte ein unheimlich starkes, weil sehr motiviertes, Team hinter sich. Angefangen bei seinen beiden Drillingsbrüdern, seinem Cheftechniker Jürgen, bis hin zu unzähligen Helfern. Dieses Klausner Rallye Team ist aber nicht nur ein gutes, sondern auch ein sehr volksnahes Team. Da wurde gegrillt, da war jeder willkommen. Sagen wir es so: Christof Klausner war ein Mann des Volks, der aber das Kind im Manne gehegt und gepflegt hat bis zum Schluss. Er war genau der Lausbub und Held im Urquattro, der er auch sein wollte - wofür ihn das Publikum auch so schätze und liebte. Chrisi und ich hatten uns gegenseitig immer angespornt, noch besser zu fahren - er war mein Freund und persönlicher Held - ich werde diesen Ausnahmemenschen nie vergessen und für immer schätzen. Lieber Chrisi, danke für die geile Zeit mit dir!

Marco Maurer (Pilot): „Wirst mich stets als Vorbild begleiten“

Lieber Chrisi! Durch unser gemeinsames Hobby Motorsport haben wir uns kennengelernt und sind ein Stück unseres Weges gemeinsam gegangen. Du warst die ‚Drift-Ikone-Klausner‘ und hast mich stets mit deinen außergewöhnlichen Fahrkünsten beeindruckt. Dein Motto war: ganz oder gar nicht! Mit der Zeit hat sich eine Freundschaft zwischen uns entwickelt, die ich nie mehr vergessen werde.

Wir beide haben Tag und Nacht an unseren Quattros geschraubt, um sie für die Rallyes wieder fahrtauglich zu machen. Vielleicht hat uns auch genau diese ‚Spinnerei‘ irgendwie verbunden. Lieber Chrisi, du warst nicht nur ein guter Freund und Kollege, sondern auch ein wunderbarer Mensch. Deine Witze und dein überaus herzliches Lachen werde ich schmerzlich vermissen. Auch wenn uns jetzt unsere Wege trennen, wirst du mich stets als Vorbild in meinem Quattro begleiten! R. I. P.

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