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Sekundenkrimi "Wagner VS Neubauer" bis zum Schluss

Nachdem Hermann Neubauer am Sonntag-Vormittag durch einige heroische Läufe die Führung ergattern konnte, schlug Simon Wagner in den letzten Wertungsprüfungen unerbittlich zurück und sicherte sich mit nur 0,1 Sekunden Vorsprung den Sieg im Hartbergerland vor seinem schärfsten Konkurrenten.

Die Hartbergerland Rallye 2022 versprach alles, was man sich schon im Vorhinein denken bzw. wünschen konnte. Der packende Zweikampf um den Staatsmeistertitel, der schon seit Saisonbeginn zwischen Titelverteidiger Simon Wagner (Skoda Fabia Rally2) und Herausforderer Hermann Neubauer (Ford Fiesta Rally2) tobt, fand in der Oststeiermark zur Freude der Rallye-Fans eine furiose, ja sogar einzigartige Fortsetzung. Denn am Ende trennte die zwei heimischen Ausnahmepiloten nach insgesamt 130 Sonderprüfungskilometern eine einzige Zehntelsekunde!

Wie eng die beiden Hauptdarsteller aneinander klebten, spiegelt der unglaubliche Rallye-Spielfilm wider:

Wagner führt mit 0,1 Sekunden nach SP1, mit 0,8 Sekunden nach SP 2 und mit 0,5 Sekunden nach SP 9, Neubauer führt mit 0,6 Sekunden nach SP 10 und mit 0,1 Sekunden nach SP 12. So geht es in die letzte, entscheidende 2,5 Kilometer lange/kurze Prüfung durch das Einkaufszentrum Hatric in Hartberg. Und diese absolviert Simon Wagner um 0,2 Sekunden schneller als Hermann Neubauer – knapper und dramatischer geht es einfach nicht! Das hielt nicht einmal der Himmel aus, sodass er unmittelbar nach der Rallye seine Schleusen öffnete.

In dieser einzigartigen Nervenschlacht geriet der Kampf um Platz drei fast zur Nebensache, obwohl es auch hier großartige Leistungen zu sehen gab. Der Steirer Günther Knobloch im Skoda Fabia Rally2 gewann letztendlich die Schlacht ums letzte Podesttreppchen vor seinem Markenkollegen Johannes Keferböck aus Oberösterreicher. Neben Luca Waldherr im Citroën DS3 R5 waren auch noch die beiden Steirer Kevin Raith (Ford Fiesta Rally4) und Kris Rosenberger (VW Polo R5) erfolgreiche Mitstreiter um die vorderen Plätze.

Die Stimmen der ersten Drei:

Simon Wagner: „Das war eine knappe Geschichte, die mich sehr, sehr glücklich macht. Das gibt es fast nirgends, dass ein ganzes Wochenende praktisch auf Zehntelsekunden gefahren wird. Obwohl ich sagen muss, dass wir uns das Leben dieses Wochenende selber etwas schwerer gemacht haben, weil wir hinsichtlich Getriebe und Übersetzungen einiges probiert haben, was uns in Zukunft helfen wird. Man muss aber auch sagen, dass Hermann Neubauer einen wirklich unglaublichen Speed fährt und das Niveau in Österreich dadurch ein richtig gutes ist.“

Hermann Neubauer: „Natürlich bin ich in erster Linie einmal fürchterlich enttäuscht. Aber jede Rallye braucht einen Sieger. Dass es so knapp sein kann, hätte ich mir nie gedacht. Ich gratuliere Simon zum dritten Sieg in der dritten Rallye heuer. Jetzt wird es ganz schwer, aber wir werden weiterkämpfen.“

Günther Knobloch: „Für mich war es nicht einfach, weil ich hier im letzten Jahr nicht gefahren bin und daher die Strecken nicht gekannt habe. Aber ein dritter Platz hinter diesen beiden Überfliegern und dazu noch bester Steirer im Klassement, das freut mich sehr. Willi Stengg hat hier eine sehr coole Rallye veranstaltet.“

Mit seinem dritten Saisonsieg kam auch der Bruder von Simon, Julian Wagner seinen erklärten Zielen, den Staatsmeistertiteln sowohl in der 2WD-Wertung als auch bei den Junioren, einen großen Schritt näher. Zumal der Oberösterreicher diese Erfolge so schnell als möglich abgesichert haben möchte. Der Opel-Corsa-Rally4-Pilot ist nämlich heuer noch im belgischen Stellantis-Cup im Einsatz, den er ebenfalls gewinnen möchte. Zum Sieg in Hartberg wählte Wagner daher einen durch Intelligenz abgesicherten Modus, um einerseits das Auto heil ins Ziel zu bringen und andererseits die Konkurrenz trotzdem in Schach zu halten. Dem Steirer Fabian Zeiringer (ebenfalls Opel Corsa Rally4) gelang es vor allem am ersten Tag, Wagner durch starke Zeiten zu fordern, doch mit Fortdauer der Rallye wuchs der Zeitunterschied.

Julian Wagner: „Das war eine supercoole Veranstaltung. Wir hatten großen Spaß, Hanna Ostlender war wieder eine tolle Copilotin. Wir haben alle Prüfungen gewonnen, alle Powerstage-Punkte abgeräumt. Ich glaube, mehr braucht man dazu nicht sagen. Ein großartiges Wochenende.“

Fabian Zeiringer: „Ich bin mehr als zufrieden, dass ich den Abstand zu Julian doch schon deutlich verringern konnte. Da hat mir sicher auch geholfen, dass ich hier schon einmal gefahren bin. Wir haben auch das Auto wirklich gut weiterentwickelt. So kann es weitergehen.“

Die Junioren-Staatsmeisterschaft sicherte sich ebenfalls Julian Wagner vor Fabian Zeiringer und Opel-Markenkollegen Christoph Lieb.

Den Sieg im Österreichischen Rallye Cup fuhr der Niederösterreicher Martin Kalteis (Mitsubishi Evo VII) nach Hause. Er gewann vor Christoph Zellhofer (Suzuki Swift ZMX) und Markus Stockinger (Mazda 2 Proto). – Peter Klamminger (VW Golf4 Kitcar) siegte im Cup 2000 vor den Brüdern Lukas und Raphael Dirnberger (beide Ford Fiesta ST).

In der Historischen Rallye Staatsmeisterschaft feierte der Oberösterreicher Patrick Gaubinger im Audi Quattro den Sieg vor Lukas Schindelegger (Ford Escort) und Gert Göberndorfer (Opel Ascona). – Und im Historischen Rallye Cup gewann Porsche-Pilot Christian Rosner aus Niederösterreich.

Abschließend hier noch einmal die Ergebnisse in der Austrian Rallye Challenge, zu der die Hartbergerland Rallye als dritter Saisonlauf zählte

ARC: Simon Seiberl (Suzuki Swift Sport) vor Harald Ruiner (Nissan Z350) und Gerald Bachler (Subaru Impreza)..

ARC Junior: 1. Christoph Zellhofer (Suzuki Swift ZMX), 2. Daniel Mayer (Peugeot 208 R2), 3. Simon Saiberl.

ARC Historic: 1. Lukas Schindelegger (Ford Escort RS2000).

ART: 1. Enrico Windisch (Audi A1 Rally2 Kit).

ARC-P: 1. Christoph Zellhofer.

Hartbergerland Rallye 2022, Endstand nach 13 Sonderprüfungen

Platz

Team

Nation

Fahrzeug

Zeit

1.

Simon Wagner / Gerald Winter

A/A

Skoda Fabia Rally2

1:09:36,5 Std

2.

Hermann Neubauer / Ursula Mayrhofer

A/A

Ford Fiesta Rally2

+0,1 Sek

3.

Günther Knobloch / Jürgen Rausch

A/A

Skoda Fabia Rally2

+2:14,0 Min

4.

Johannes Keferböck / Ilka Minor

A/A

Skoda Fabia Rally2

+2:24,2 Min

5.

Luca Waldherr / Claudia Maier

A/A

Citroen DS3 R5

+2:37,4 Min

6.

Kevin Raith / Christoph Wögerer

A/A

Ford Fiesta Rally2

+3:36,9 Min

7.

Kris Rosenberger / Sigi Schwarz

A/A

VW Polo GTI R5

+3:45,5 Min

8.

Martin Kalteis / Manuel Otter

A/A

Mitsubishi Evo VII

+5:07,2 Min

9.

Julian Wagner / Hanna Ostlender

A/D

Opel Corsa Rally4

+5:08,1 Min

10.

Christoph Zellhofer / Thomas Schöpf

A/D

Suzuki Swift ZMX

+5:43,1 Min

Sonderprüfungsbestzeiten: Simon Wagner 8, Hermann Neubauer 4. – SP 11 wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Punktewertung in der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft:

ORM: 1. Simon Wagner 84 Punkte, 2. Hermann Neubauer 40, 3. Günther Knobloch 38, 4. Kristof Klausz 36, 5. Kris Rosenberger 33.

ORM-2WD: 1. Julian Wagner 84 Punkte, 2. Fabian Zeiringer 58..

ORM Junior: 1. Julian Wagner 75 Punkte, 2. Fabian Zeiringer 54.

Nächster Staatsmeisterschaftslauf: Hirter Rallye St. Veit (17./18. Juni)

Willi Stengg und sein Fanclub als Veranstalter der Hartbergerland Rallye 2022 haben schon in der Vorbereitung dieses dritten Meisterschaftslaufs zur heimischen Rallye- Staatsmeisterschaft und des dritten Laufs zur Austrian Rallye Challenge bewiesen, dass sie, die aus dem Vorjahr gewonnenen Erfahrungen bestens in das heurige Organisationskonzept einbringen konnten.

Schon im letzten Jahr gab es eine stark veränderte Streckenführung, die heuer noch durch zwei komplett neue Sonderprüfungen mit insgesamt 26 Kilometern ergänzt wurden. Die Prüfungen Waldbach - Kumpfmühle und Hartberg - Greinbach wurden je zweimal befahren, dies bedeutete mehr als fünfzig Kilometer absolut neuen Streckenanteil. Dies wurde von Aktiven und den Teams sehr begrüßt.

Neben Hartberg, das als Start- und Zielort gleichgeblieben ist, hat sich auch wieder die große Servicezone am Oktoberfestgelände bewährt, ebenso der Standort des Rallye Headquarters in den Räumlichkeiten der Mittelschule Rieger, wo die Rallyeleitung, die Zeitnahme und das Media-Center untergebracht waren. Gleich geblieben ist auch am Freitagabend der Zeremonienstart mit der Fahrerpräsentation auf dem Hauptplatz von Hartberg, mitten in der romantischen Altstadt. Hier war das Faninteresse noch größer als im letzten Jahr.

Dementsprechend positiv war auch die Bilanz des Gesamtorganisators Willi Stengg: „Gesamt gesehen bin ich mit dem Ablauf der Rallye sehr zufrieden. Mein Dank gilt unseren sieben Partnergemeinden an der Spitze stellvertretend für alle dem Bürgermeister von Hartberg, KommRat Ing. Marcus Martschitsch. Ebenso großer Dank gilt den Behörden, die uns wertvolle Hilfe gegeben haben, um Rallyefans in unbegrenzter Anzahl auf den Sonderprüfungen begrüßen zu dürfen. Großer Dank gilt unseren Sponsoren, den Mitgliedern der MSS Medical Staffel in Verbindung mit den örtlichen Rettungen, den Feuerwehren und der Polizei. Ganz besonders möchte ich mich aber bei den Teams und Aktiven für ihre Teilnahme bedanken, bei unseren Mitarbeitern, sie haben schon im Vorfeld der Rallye und während der Rallye riesigen Einsatz gezeigt. Ohne ihrer Mithilfe wäre die Durchführung eines solchen Großevents überhaupt nicht möglich.“

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