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Nikolai Landa im Interview
Fotos: Daniel Fessl, Kilian Loibl

Druck raus, (Allrad-)Freude rein…

Drei Abflüge in Folge, zuletzt schwere Wirbelverletzungen sowohl bei Nikolai als auch bei Günter Landa. Nach zwei Jahren Rekonvaleszenz kehrt das Sohn/Vater-Duo zurück - wir baten Nik zum Interview.

Noir Trawniczek

Ende April 2022 - beim tschechischen Rallysprint Kopna crashen Nikolai und Günter Landa gleich auf der ersten Prüfung schwer, es ist der dritte Unfall in Folge - doch mit Abstand der Härteste. Vater und Sohn erleiden schwere Wirbelverletzungen, müssen operiert werden- es folgt eine zwei Jahre andauernde Rekonvaleszenz….

Bei der deutschen Osterrallye Tiefenbach wagten Nik und Günter ein Comeback. In einem Ford Fiesta Rally3. Bei der ET König Murtal Rallye fährt das Duo nun zum ersten Mal wieder auf heimischem Boden. Wir baten Nik zum Interview.

Schön, dass ihr wieder zurück im Rallyecockpit seid - zwei Jahre waren doch eine recht lange Phase der Rekonvaleszenz…

Ja. Doch wir haben uns von Anfang an vorgenommen, dass wir nichts überstürzen wollen. Wir hatten großartige Physiotherapeuten und mit dem Ziel eines Comebacks vor Augen war es letztendlich gar nicht so schwer.

Hattet ihr in dieser Zeit jemals den Gedanken, den Rallyesport aufzugeben?

Den Gedanken gab es schon - aber eher bei mir. Wir waren anfangs nicht im gleichen Spitalszimmer und haben auf Whatsapp hin und her geschrieben - da ging es gleich einmal darum, wann wir wieder fahren können. Doch die ersten ein, zwei Wochen war ich dann eigentlich fertig mit dem Thema. Es war eine Mischung aus Vielem: Es hat keinen Spaß mehr gemacht und mir war der Druck zu viel, der kam vor allem von mir selber. Doch mit der Zeit kam die Lust am Rallyesport schleichend zurück: Du schaust Live Timings und Videos - und als wir physisch zuschauen waren, war die Sache dann klar.

Vor dem Unfall gab es bei euch Überlegungen, dass du mit einem anderen Copiloten fährst…

Stimmt, die beiden Rallyes vor dem Unfall bin ich mit Patrick Forstner gefahren und ich habe gemerkt, dass ich etwas freier fahren kann, wenn nicht der eigene Papa neben einem sitzt. Man trägt ja auch die Verantwortung für den Beifahrer und man möchte nicht, dass sich ein Familienmitglied verletzt. Nun hatte ich lange Zeit zum Nachdenken und ich habe realisiert, dass es so etwas Schönes ist, mit dem eigenen Vater diese Leidenschaft auszuleben und dass ich das nicht missen möchte. Ich wäre mit einem anderen Co schneller und wenn es sich in die Richtung entwickeln sollte, dass es um etwas geht, wäre so ein Wechsel ein möglicher Schritt. Aber zunächst geht es um den Spaß am Fahren - natürlich hab ich immer einen gewissen Ehrgeiz und bin mit einem 50. Platz nicht zufrieden. Zugleich war es immer so, dass es dort, wo ich den größten Spaß hatte auch am Besten gelaufen ist…

Ihr habt euch für ein Rally3-Fahrzeug entschieden - damit bist du jedoch relativ „einsam“ im Feld, da dir die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.

Ich habe gemerkt, dass ich mich in einem Allradauto wohler fühle weil ich das Limit besser spüre. Das Auto verzeiht mehr Fehler und ich habe damit sehr viel Spaß. In gewisser Weise ist das für uns back to the roots - denn auch am Anfang waren wir mit unserem Suzuki Swift Sport meistens ohne Vergleichsmöglichkeit. Doch es ist für mich gut, wenn ich nicht diesen Druck habe, mich sofort wieder dem Zeiten-Vergleich stellen zu müssen.

Dein Ford Fiesta Rally3 wird von einem polnischen Team eingesetzt - arbeitest du nicht mehr mit Beppo Harrach zusammen?

Die Betreuung kommt vom polnischen Rallylab Team. Doch von Beppo erhalte ich weiterhin die volle mentale Unterstützung, er steht mir stets mit Rat und Tat zur Seite und ist gewissermaßen mein Coach.

Rally3-Autos werden in der Junioren Weltmeisterschaft eingesetzt bzw. in der WRC3 - wirst du hier auch wieder den internationalen Vergleich suchen?

Daran denken wir zurzeit noch überhaupt nicht - aber sag niemals nie.

Du bist 25 - der Traum vom WRC-Werkscockpit ist wohl nicht mehr so wirklich realisierbar oder?

Ein Werkscockpit ist der Traum von allen - aber dafür habe ich bereits viel zu spät mit dem Rallyesport angefangen.

Also eher so, dass man mit dem Hobby Rallyesport ein Bisschen die Welt bereist? Habt ihr Sponsoren, die euch da unterstützen?

Wir haben treue Sponsoren, die auch jetzt zu uns stehen und einen Teil der Kosten bestreiten wir selbst. Ich habe in den zwei Jahren Rallyepause mein Studium abgeschlossen und arbeite nun Vollzeit in der Firma meines Vaters. So kann ich also aktiv meinen Anteil an den Kosten unseres wunderschönen Hobbys beitragen.

Cool - dann sehen wir uns bei der Murtal-Rallye, danke für das Interview.

Gern geschehen.

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