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EHRC Gravel, Brunello: Vorschau Schindelegger
Foto: Marion Schindelegger

Eine große Karriere endet bald

52 Jahre! Seit Helmut Schindelegger den Führerschein besaß, war er auch Teil der österreichischen Rallyeszene. Und nun, nach 52 Jahren, erklärt er seinen Rücktritt vom aktiven Motorsport und fährt damit auch die letzte Rallye in Österreich.

Die vielen Fans erlebten am Flugplatz Dobersberg schon am Vorabend zur Herbstrallye einen emotionalen Höhepunkt bei der Fahrerpräsentation. Denn hier erklärte Helmut Schindelegger, dass die Herbstrallye 2026, seine letzte Rallye auf österreichischem Boden sei. Sein Rücktritt vom Motorsport sorgte nicht nur bei ihm und Lukas für Tränen, denn seit Helmut mit 18 Jahren seine ersten Rennen bestritt, war er durchgehend aktiv in der österreichischen Rallyeszene.

Damals startete Helmut seine Karriere bei der Semperit Rallye, fuhr bis einschließlich zur WM in Portugal als Fahrer, setzte sich danach unermüdlich für seine Familie und auch immer für seinen geliebten Motorsport ein. Er gründete die Kinderrallye, organisierte diese 19 Jahre lang und verband Kinder mit und ohne Einschränkungen mit dem Rallyezirkus. Er sammelte hunderttausende Euro für Hilfsorganisationen und schenkte unfassbar vielen Menschen eine Freude, die in dieser Form unvergleichbar war. Egal ob Rallyefahrer, Kinder, Betreuer oder Eltern, alle wurden diesem Projekt mit einer Freude am Motorsport beschenkt.

Ohne Helmut hätte es dieses Projekt nicht gegeben und das war eine Leistung, die nicht nur heute noch nachwirkt, sondern vor der man niemals genug Respekt haben kann. Und ohne ihn hätte es auch das Rallyeteam Schindelegger später nicht gegeben. 2015 tauschte er sein Motorrad gegen einen Ford Escort ein. Damals war das Fahrzeug in einem Zustand, der klar machte: Helmut hat einen neuen Patienten!

Doch damals war auch klar, dass Helmut diesen Patienten zur Abwechslung nicht alleine behandeln wollte. Lukas beteiligte sich an Restauration, Umbau und Tuning und weil bekanntlich in Garagen oder Nassbereichen die besten Ideen entstehen, entstand auch in der Eberweiser Garage die Idee, dass aus dem Escort auch das erste Rallyeauto von Lukas werden könnte. Zu groß war das Vorbild, das Helmut immer vorgelebt hatte, und so wollte Lukas auch einmal wissen, was der eigene Papa hinterm Steuer erleben durfte, wenn die Stoppuhr auf einer Sonderprüfung mitläuft.

Damit änderte sich auch das Ziel des Auto-Umbaus. Aus dem “Sonntagsauto” wurde ein historisches Rallyeauto und aus Helmut wurde der Teamchef, Chefmechaniker und Beifahrer. Ein Wechsel vom Lenkrad zum Aufschrieb, der nur wenigen je gelang. Aber wer Helmut kennt, weiß ganz genau, dass es nichts gibt, was er nicht schaffen kann. Es entstand das Rallyeteam Schindelegger. Lukas durfte praktisch so nah wie es nur geht lernen, wie der Rallyesport funktioniert und Helmut wurde ein großartiger Beifahrer.

Das Vater-Sohn Gespann wurde Anfangs noch oft hinterfragt. Kaum jemand wollte glauben, dass es Lukas und Helmut gelingen könnte, ein erfolgreiches Team zu bilden. Doch die Beiden verbindet seit Jahrzehnten die Leidenschaft für den Motorsport, die Freude, dieses Hobby teilen zu dürfen und die Liebe, die Zeit miteinander zu verbringen. Helmut kümmerte sich auch darum, Sponsoren zu finden, die an das Projekt glaubten und an dieser Stelle muss man nochmal den Dank an SanLucar, Eschelmüller und Hengstberger aussprechen.

2018 war es soweit und Lukas und Helmut Schindelegger starteten zum ersten Mal in der neuen Aufstellung. Es folgten einige Jahre des Lernens und immer war der Start bei der heimischen Herbstrallye ein Fixpunkt des Teams. Keine 20 Minuten Entfernung zur heimischen Garage trennt das Team von Dobersberg und das Event lässt keine Wünsche offen. Das Vater-Sohn Gespann wurde 3 Mal Historischer Staatsmeister, Gesamtsieger des Alpe Adria Cups und 2 Mal Sieger der Austrian Historic Rallye Challenge. Unzählige großartige Momente teilten Lukas und Helmut im Cockpit des Escorts und jetzt 2026 war es für Helmut soweit, auch den Beifahrerplatz hinter sich zu lassen. Er bleibt natürlich weiterhin Teil des Teams und wird dort zu finden sein, wo Lukas damals als Kind den Einstieg in diesen Sport hatte: Im Servicepark.

Wer nach den Gründen für den Rücktritt fragt, hat den Artikel bis hierhin nicht gelesen oder verstanden. Helmut hat in seiner Motorsport Karriere alles erreicht, was er sich zum Ziel gesetzt hat und trotzdem die Förderung anderer über sich gestellt. Und wer einen einfachen Grund benötigt, kann versuchen sich vorzustellen, 52 Jahre lang alles zu geben und im letzten Jahr in einer Europameisterschaft die beste Saison zu erleben und um einen Vize-Europameistertitel zu kämpfen. Das alles erfordert extrem viel Energie und die Zeit bleibt leider nur sehr selten stehen.

Mit all diesen Vorzeichen kann sich wohl jeder vorstellen, wie weit der sportliche Verlauf bei der Herbstrallye für Lukas und Helmut Schindelegger in den Hintergrund treten musste. Nach der verregneten Nacht zum Samstag bot sich im Waldviertel ein gewohntes Bild auf den Sonderprüfungen. Nässe, Schlamm und über einhundert Rallyefahrer, die dem Publikum eine großartige Show boten.

Lukas brauchte einige Zeit, sich auf die Verhältnisse auf dem Asphalt einzustellen, aber die Schindeleggers lieferten ansprechende Zeiten. Auch wenn es Momente gab, bei denen man glauben könnte, die Nässe draußen hätte sich auf die Gesichter der Beiden verirrt. Nicht vor Trauer, sondern vor Glück einen selbst gewählten Abschied nehmen zu dürfen.

Leider blieb die freie Wahl nicht auch bei der Technik. Denn auf Platz 2 in der Klasse liegend, entschied sich auch der Auspuff des Teams nach Sonderprüfung 3 für ein vorzeitiges Ende der Rallye. Kurz nach dem Krümmer versagte eine Schweißnaht und sorgte wegen Brandgefahr und auch Gefahr eines Motorschadens für den technischen Ausfall.

Trotz der Enttäuschung etwas Glück im Unglück, denn Ende November steht das Rallyteam Schindelegger beim Grande Finale der historischen Schotter Europameisterschaft in Italien am Start. Bei der Rally del Brunello könnten Lukas und Helmut für eine Sensation sorgen, denn in der Meisterschaft liegen die Beiden auf Platz 2. Doch dazu mehr im Vorbericht in einigen Wochen.

Bis zu dieser letzten Rallye 2026 ist Helmut schon wieder voll im Einsatz und gibt wieder einmal alles den Angriff in Italien zum Erfolg zu führen. Man kann nur den Hut ziehen!

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