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Sepp Pointinger im Interview
Foto: Rallyeteam Pointinger

„Hätten 10-15 Historische mehr!“

Rallye-„Urgestein“ Sepp Pointinger erzählt von seinem Start bei der Monte Historique, erklärt warum er seit 2011 nicht mehr in Österreich startet und bringt einen Vorschlag zur Bewertung von Sitzen, Gurten und dergleichen ein.

Noir Trawniczek

Die Rallye Waldviertel 2011 war seine letzte österreichische Rallye - seither fuhr Sepp Pointinger immer wieder in der Tschechei - wir haben nachgefragt, warum das so ist. Und: Pointinger erzählt von seinem jüngsten Abenteuer, der Rallye Monte Carlo Historique, die er gemeinsam mit Peter Stark in einem seiner drei Ford Escort absolviert hat.

Du hast gemeinsam mit Peter Stark an der Rallye Monte Carlo Historique teilgenommen - das ist eine Gleichmäßigkeitsrallye?

Ja, die Sonderprüfungen werden auf gesperrten Strecken gefahren und du hast zwei vorgegebene Schnitt-Varianten zum Aussuchen. Einen höheren Schnitt und einen moderaten Schnitt. Wir haben natürlich den hohen Schnitt ausgewählt, denn der fährt vor den anderen. Da hast du dann aber schon auf dem Col de Turini einen Schnitt von 64 km/h - das kann je nach Wetter ganz schön heftig sein. Wobei jene, die auf Sieg fahren, den moderaten Schnitt wählen - weil der doch ein Bisschen einfacher zu halten ist.

Dir ist es ums schnelle Fahren gegangen?

Uns ging es in erster Linie um den Spaß.

Und das waren Prüfungen, die früher Teil der Rallye Monte Carlo waren?

Ja. Wir sind 1991, also vor 35 Jahren dort den richtigen WM-Lauf gefahren. Da gab es noch 42 Servicepunkte und über 600 Sonderprüfungs-Kilometer. Die Herausforderung bestand darin, dort wieder einmal rumzufahren.

Das Besondere an der Rallye Monte Carlo Historique ist auch, dass es verschiedene Startpunkte gibt - eine Sternfahrt, wie sehr viel früher…

Genau. So wie die alte Rallye Monte Carlo war. Wir sind damals, 1991 in Sestriere gestartet, da hat es das auch noch gegeben. Da sind wir tausend Kilometer kreuz und quer durch Norditalien gefahren, bevor wir dann nach Monte Carlo gekommen sind.

Ihr seid auf Platz 133 im Ziel gelandet - welches Resümee ziehst du?

Es hat irrsinnig viel Spaß gemacht. Die Gegend dort ist toll. Billig ist es nicht - aber es ist es wert.

Du bist 2011 zum letzten Mal in Österreich gestartet, bei der Waldviertel-Rallye - seither gab es nur Auslands-Starts, 2024 und 2025 bist du jeweils zwei Rallyes in der Tschechei gefahren. Warum fährst du nicht mehr in Österreich?

Wir haben unsere Rallye-Aktivitäten verlagert, wir haben sie verlagern müssen. Ich habe in der Garage drei rennfertige Ford Escort stehen - aber ich kann damit nicht in Österreich fahren. Weil bei uns in Österreich alles nach FIA-Regeln abläuft. Das heißt: Sitz, Gurte, Helm, Wagenpass müssen alle FIA-konform sein. Und das sind sie nicht mehr - weil sie ganz einfach abgelaufen sind.

Bei der Rallye Monte Carlo Historique war das kein Problem?

Nein, das war dort kein Thema.

Und bei den tschechischen Rallyes?

Dort gibt es die CMPR - das ist eine eigene Serie, dort werden heuer neun Rallyes gefahren. Das ist ähnlich wie bei uns die Austrian Rallye Challenge. Die Challenge hätte dort auch schon fahren wollen - das wurde aber von der AMF (Austria Motorsport) nicht genehmigt, weil das Veranstaltungen sind, die nicht beim tschechischen Verband angemeldet sind. Man kann diese Rallyes gleichsetzen mit einem Challenge-Lauf, wie er bei uns gefahren wird. Mit Sonderprüfungen auf Zeit, der Schnellste gewinnt.

Du könntest in punkto Sicherheitsvorschriften aber auch bei einem ARC-Lauf nicht starten…

Leider. Man könnte nicht einmal unter ‚Rally4you‘ in Österreich starten, die ja eigentlich nicht in der Wertung fahren - da die auch den FIA-Vorschriften entsprechen müssen. Da wird bei uns, so glaube ich, schon übers Ziel hinaus geschossen. Da wird nicht gerade kundenfreundlich agiert.

Würden mit weniger strengen Vorgaben mehr Historische in Österreich starten?

Es wären einige mehr. Ich schätze es wären zehn bis 15 Teams mehr. Zum Beispiel Kurt Göttlicher - er ist im Vorjahr auch in der Tschechei gefahren. Er hat seinen Ford Sierra Cosworth wieder aufgebaut - aber er ist auch nicht bereit, zusätzliches Geld für neues Equipment zu investieren. Denn wir sind ja doch schon alle über 70…

Aber gerade da ist doch Sicherheit relevant - die FIA-Vorgaben gibt es ja zum Schutz der Teams. Was genau stört dich an den Vorgaben, was würdest du in diesem Punkt anders regeln? Denn irgendeine Sicherheit muss es ja geben…

Es ist vollkommen in Ordnung, dass Equipment für Motorsport zugelassen sein muss. Aber dass ich dann sage, du musst nach fünf Jahren einen neuen Sitz einbauen, obwohl du zum Beispiel gar nicht drinnen gesessen bist - dann finde ich das schon ein Bisschen übertrieben.

Das heißt: Du würdest das Ablaufdatum eines Rennsitzes und dergleichen nicht nach Jahren bestimmen, sondern danach, wie viele Kilometer man damit gefahren ist?

Ich würde es nach dem tatsächlichen Zustand beurteilen. Wenn ich mit meinem PKW zum ‚Pickerl‘ fahre, kontrolliert der ja auch den Zustand und schaut nicht, wie alt das Auto ist oder wie viele Kilometer ich damit gefahren bin. Sondern er schaut auf den Zustand.

Du sagst also: Materialermüdung kommt nur dann in Frage, wenn die Teile benützt werden?

Bei Schuhen ist es ja auch nicht anders. Wenn ich nur ein Paar Schuhe habe und damit immer durch die Gegend laufe, werden sie irgendwann durchgelatscht sein. Da geht es also um Materialverschleiß - und ich finde, dass man sich diesen Verschleiß ansehen soll bei einer technischen Überprüfung. Ich kenne jemanden, der hat sich neue Gurte mit FIA-Zertifikat gekauft - aber das war eine derart miese Ostblock-, nein Fernost-Qualität - als es ihn einmal fest in den Gurt geworfen hat, hat ihm das Spannschloss den Gurt abgeschnitten, weil das scharfkantig war. Weil das eine absolut miese Qualität war - und aber trotzdem ein FIA-Prüfzeichen hatte. Meiner Meinung nach sind hier die FIA/AMF-Techniker gefragt: Dass man sich die Qualität und den Zustand ansieht - denn es kann auch neu und trotzdem ein Schmarren sein. Da sind die Fachleute gefragt…

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