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"Es wird nicht passieren" Scott Martin, Toyota-Teamchef Jari-Matti Latvala und Elfyn Evans
Toyota Racing

So erlebt Elfyn Evans das verrückte WRC-Finale

Fünfmal war Elfyn Evans bereits Vizeweltmeister - Nach einem völlig verrückten Finale bei der Rallye Italien darf er sich nun endlich Rallye-Weltmeister nennen

Elfyn Evans kann aufatmen: Nach Jahren harter Arbeit hat sich sein großer Traum erfüllt. Der Toyota-Pilot ist nach einem "surrealen" Showdown auf der letzten Wertungsprüfung der Rallye Italien auf Sardinien neuer Rallye-Weltmeister und damit der erste britische WRC-Champion seit Richard Burns im Jahr 2001.

Doch anstatt ausgelassen zu jubeln, wirkte Evans unmittelbar nach dem Ende der Rallye eher wie ein Mensch, dem eine große Last von den Schultern gefallen war. Und genau so beschreibt der Waliser seine Gefühlslage auch. "Es ist ein bisschen Erleichterung, ein bisschen Glück, ein bisschen Freude", sagt Evans gegenüber der englischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com.

"Es ist ein ziemlich surreales Gefühl an diesem Nachmittag. Es gab viele Höhen und Tiefen. Nach meinem Lauf auf der Power Stage war ich ziemlich sicher, dass es nicht passieren würde. Aber es zeigt einfach, dass in diesem Sport alles passieren kann", so Evans.

Rallye Italien ein Wechselbad der Gefühle

Der Verlauf der Rallye Italien unterstrich diese Aussage. Evans, der die WM über weite Strecken der Saison angeführt hatte, fühlte sich am Freitag zeitweise machtlos. Als Erster auf der Strecke hatte er mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen und musste zusehen, wie sein Vorsprung dahinschmolz.

Ein Reifenschaden auf der vorletzten Wertungsprüfung am Sonntag ließ den Titelkampf dann endgültig zugunsten von Oliver Solberg zu kippen drohen. Der Schwede war mit 21 Punkten Rückstand auf Evans nach Sardinien gereist.

Evans wusste: Er musste Solberg auf der abschließenden Powerstage schlagen, um überhaupt noch eine Chance auf den Titel zu haben. Doch nach seinem eigenen Lauf war der Toyota-Pilot überzeugt, dass es nicht reichen würde.

Ein Finale für die Geschichtsbücher

Und dann kam das unglaubliche Finale: Solberg hatte den Titel scheinbar schon so gut wie sicher, als er zwei Kurven vor dem Ziel von der Strecke abkam. Damit war Evans plötzlich Weltmeister.

Nach fünf Vize-Titeln in den Jahren 2020, 2021, 2023, 2024 und 2025 konnte Evans seinen ersten WM-Titel kaum fassen. Gleichzeitig ist er der erste WRC-Champion aus Wales.

Doch auch im Moment seines größten Triumphes blieb Evans sich selbst treu. Anstatt überschwänglich zu feiern, ging er mit sich selbst ins Gericht. "Ich bin normalerweise sehr selbstkritisch und auf mein letztes Event der Saison bin ich nicht besonders stolz", sagt er.

"Aber es war die Arbeit einer ganzen Saison. In gewisser Weise denke ich, dass wir in Chile ziemlich viel Pech hatten [mit dem Reifenschaden auf der vorletzten Prüfung] und auch hier sind wir durch eine Kurve gefahren, haben die Geschwindigkeit herausgenommen und trotzdem einen Reifenschaden bekommen."

"Natürlich habe ich sehr viel Arbeit in diesen Sport gesteckt und vielleicht ist mein reines Talent nicht ganz auf dem Niveau einiger anderer Jungs, die neben mir sitzen. Ich bringe aber wie alle anderen auch sehr viel Einsatz mit. Ich versuche, alles zu geben, und endlich hat es mit einem Titel geklappt", so der 37-Jährige.

Auch Scott Martin wird Weltmeister

Auch der Beifahrer von Evans, Scott Martin, durfte jubeln. Der Engländer ist nun ebenfalls der erste WRC-Weltmeister aus England unter den Beifahrern. Doch auch bei Martin war der Titelgewinn zunächst noch gar nicht angekommen.

"Es hat lange gedauert. Als wir gesehen haben, wie Oliver [Solberg] und Elliott [Edmondson] eine sehr starke letzte Prüfung hinlegten, begann ich zu denken, dass es uns wieder durch die Finger gleiten würde", sagt Martin.

"Nach dem Drama, das sich dann abgespielt hat, blutet mein Herz für die beiden, denn so etwas will man nie sehen. Es ist noch nicht wirklich bei mir angekommen. Ich bin im Moment ein bisschen benommen", so Martin weiter.

Sebastien Ogier: "Niemand hat es mehr verdient"

Im Servicepark herrschte nach dem dramatischen Finale große Anerkennung für Evans. Besonders sein Toyota-Teamkollege Sebastien Ogier, der Evans 2020, 2021 und 2025 im Kampf um den WM-Titel bezwungen hatte, sieht im neuen Weltmeister den absolut verdienten Champion.

"Für mich ist er der verdiente Weltmeister dieser Saison. Er hatte das ganze Jahr über eine schwierige Aufgabe, und ich glaube, nach so vielen, vielen Jahren harter Arbeit hat es niemand mehr verdient als er", sagt Ogier gegenüber Motorsport.com.

Ähnlich äußert sich der Weltmeister von 2024, Thierry Neuville: "Ich glaube wirklich, dass Elfyn es verdient hat, und am Ende ist für ihn alles gut ausgegangen. Aber ich möchte auch Oliver meinen Respekt zollen, der das ganze Wochenende absolut herausragend war. Er hat einfach alles auf eine Karte gesetzt, mit dem einzigen Ziel, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Hut ab, denn er hat an diesem Wochenende absolut geliefert."

"Aber es kann nur einen Sieger geben, und ich denke, die meisten von uns sind sich einig, dass Elfyn in diesem Jahr der wahre Sieger ist. Er ist seit vielen, vielen Jahren dabei und war schon oft ganz nah dran. Auch nach so vielen Saisons steckt er noch immer all diesen Einsatz hinein und hat den Titel offensichtlich zweimal unter sehr dramatischen Umständen verloren. Deshalb glaube ich, dass niemand sagen kann, dass er es nicht verdient hat", so Neuville.

Motorsport-Total.com

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