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WRC Finnland: Bericht Keferböck
Foto: Marcin Rybak

Schwierige Finnland-Premiere: Doch die Titel-Chancen bleiben intakt!

Seine erste Finnland Rallye war für Johannes Keferböck eine harte Challenge in vielerlei Hinsicht: Sintflut am Freitag, brutale Unfälle rundum und dazu noch Fieber. Keferböck und Ilka Minor konnten zwar nicht den Türken Ugur Soylu schlagen, aber dennoch das Ziel erreichen und damit den Vorsprung im WRC Masters Cup vergrößern.

Die erste Finnland Rallye ist für jeden Rallyepiloten etwas ganz Besonders - rasant schnelle Schotterstrecken, blinde Kuppen, weite Sprünge mit wenig Spielraum in den Lande-Zonen. Die Finnland Rallye 2026 war zudem ein ganz besonderer Jahrgang: Am Freitag setzte eine wahre Sintflut ein, die Sicht wurde im Regen für viele Teams zu einem Problem. Auch an den folgenden Tagen war diese Ausgabe der Finnland Rallye gezeichnet von zahlreichen Abflügen - am Samstagnachmittag schockierte etwa der bis dahin führende Rekord-Weltmeister Sebastien Ogier die Rallyewelt mit einem brutalen Unfall. Der siegreiche Lokalmatador Sami Pajari brachte es am Ende mit drei Worten auf den Punkt: „A crazy rally.“

Für das K4 Rally Team mit Johannes Keferböck und Ilka Minor im schwarz-grünen Toyota GR Yaris Rally2 ging es bei dieser außergewöhnlichen Finnland Rallye darum, die Führung im WRC Masters Cup für Piloten und Copiloten über 50 Jahren auszubauen. Neben Keferböck/Minor kämpfte auch der Türke Ugur Soylu (sein Copilot ist unter 50) um Masters-Punkte.

„Mussten immer an die Meisterschaft denken“

Ilka Minor, die als Copilotin schon einige Finnland Rallyes erleben durfte - gut in Erinnerung ist etwa die spektakuläre Fahrt mit Evgeny Novikov, als die Motorhaube hochklappte - erklärt zunächst Grundsätzliches: „Wenn du zum ersten Mal in Finnland fährst, musst du dich zunächst einmal an den Speed gewöhnen. Denn das sind schon ziemlich einzigartige Sonderprüfungen.“ Und: „Zugleich musste Johannes so fahren, dass wir immer auch an die Meisterschaft denken mussten - da es ja schön wäre, wenn wir diesen Titel nach Österreich holen könnten.“

Dazu kam jedoch ein erhebliches Handicap, das freilich von außen nicht zu sehen war: Johannes Keferböck war seit Donnerstag krank, hatte Fieber, musste sich vom Rallye-Doc zugelassene Medikamente verschreiben lassen. Mit hörbar angeschlagener Stimme erklärt Johannes, bereits wieder auf dem Weg in die Heimat: „Es war schwierig, mich zu konzentrieren. Am Samstag war es am schlimmsten - da war ich komplett out of Order. Aber man muss sich den Herausforderungen des Lebens stellen und unsere Hauptaufgabe war nun einmal, möglichst viele Punkte zu holen.“

Johannes berichtet: „Am Freitag in der Früh hatte ich ein gutes Gefühl.“ So konnte man auf der ersten Freitags-SP Ugur Soylu ein paar Sekunden abknöpfen. Danach jedoch geriet man in Rückstand. Ilka Minor sagt: „Ugur hatte den Vorteil, dass er voriges Jahr bereits in Finnland gefahren ist - und das ist nunmal eine ganz eigene Erfahrung. So musst du etwa den Aufschrieb auch ganz anders aufbauen. Die Finnland Rallye ist nicht einfach nur eine Schotterrallye.“

Aufholjagd, Führungswechsel, doch dann….

Am Samstagnachmittag konnten Keferböck/Minor mit drei Bestzeiten den Rückstand auf nur noch 6,9 Sekunden reduzieren. Am Sonntag war noch eine 30 Kilometer-Prüfung zwei Mal zu absolvieren. Auf der ersten konnten die Österreicher dem türkischen Team 15,5 Sekunden abknöpfen und lagen damit vor der abschließenden Wolf Power Stage 8,6 Sekunden vor Soylu. Johannes: „Da haben wir alles probiert, was möglich war.“

Doch dann die große Enttäuschung: Diesmal war Soylu schneller, sodass er den Masters-Sieg holen konnte. Johannes Keferböck rätselt: „Wir haben beim zweiten Mal wieder alles probiert - doch Soylu war da einfach schneller. Ich habe keine Ahnung, wie er sich so sehr steigern konnte - aber so ist es, da kann man nur gratulieren.“

Titel-Chancen bleiben intakt

Doch auch das K4 Rally Team fährt ganz und gar nicht mit leeren Händen in die Heimat, denn man konnte den Vorsprung in der WRC Masters Cup-Tabelle noch einmal ausbauen. Bei den Fahrern führt Keferböck mit 119 Punkten vor Soylu mit 80 sowie Miguel Granados mit 62 und Andrea Lafarja mit 60 Zählern. Bei den Copiloten führt Ilka Minor gar mit 132 vor Marc Marti mit 67 Punkten. Es kommen jetzt zwei WRC-Rallyes in Paraguay und Chile, welche das K4 Team nicht absolvieren wird. Dort könnten Soylu, Granados und Lafarja mit einem Start Boden gutmachen. Offen ist dann noch, welche Rallye als Ersatz für das Finale in Saudi Arabien bestimmt wird….

Dass mit der dringlichen Anforderung, auf jeden Fall das Ziel erreichen zu wollen, das Tempo sowohl bei Soylu als auch bei Keferböck/Minor im Vergleich zu den anderen WRC2-Teams deutlich geringer ausfiel, ist eigentlich nicht verwunderlich. Johannes nickt: „Allein bei den Sprüngen - wenn du bedenkst, wie viele sich dabei weh getan haben. Obwohl ich die Sprünge richtig geil fand - aber du musst halt immer hoffen, dass die Linie passt. Rückblickend habe ich hier sehr viel gelernt und ich würde sagen, dass diese Rallye für mich zu den schwierigsten ever zählt.“

Johannes räumt aber auch ein: „Die nackte Wahrheit ist natürlich, dass wir hier einfach das Ziel erreichen und Punkte mitnehmen wollten. Das ist uns gelungen und wir konnten unsere Chancen auf den WRC Masters Cup-Titel aufrecht erhalten. Das war unser Ziel und in Anbetracht aller Umstände sind wir froh, dass uns das gelungen ist.“

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