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Kommentar: Elektro-Rallye ist keine Frage des Wollens
Foto: XPB

Elektro-Rallye ist keine Frage des Wollens

Elektrischer Rallyesport? Nicht nur Fans haben Vorbehalte, auch heimische Rallye-Veranstalter. Doch in Wahrheit ist E-Rallye ein Weg zum Erhalt des Bestehenden...

Kommentar von Noir Trawniczek

Wirklich neu ist er nicht, der Elektroantrieb in der Automobilbranche. Im heimischen Motor- und speziell im Rallyesport jedoch scheint es immer noch große Vorbehalte zu geben. Elektroantrieb sei kein Motorsport, sagen Puristen - selbst wenn in Österreich eigentlich längst fällig wäre, dass Racing als MotorSport akzeptiert wird. Wie auch immer: Kein Motorenlärm ist der Hauptkritikpunkt der Puristen - daran angehängt werden massive Sicherheitsbedenken („hört nie mehr auf zu brennen“, „trifft dich der Schlag“,...). Und: Bei einem Motorline Video Talk mit den Veranstaltern der für Herbst geplanten ORM- und ARC-Rallyes haben auch Veranstalter wie Roman Mühlberger (Herbstrallye Dobersberg) oder auch Christian Schuberth-Mrlik (Rallye W4) massive Bedenken hinsichtlich elektrischer Rallyeautos geäußert. So sei allein die Einhaltung der für den Einsatz von Elektroautos nötigen Sicherheitsvorschriften rein finanziell nicht tragbar, monierten die Veranstalter...

Und lösten damit bei jenen Verwunderung aus, die in der Branche mit Elektroantrieb arbeiten. Mit STARD, der Firma von Manfred Stohl – dort wurden die elektrischen Hyper RX- bzw. Rallye-Boliden schon vor Jahren entwickelt – und Kreisel Electric. Die Oberösterreicher entwickeln das Einheits-Kit für die elektrische RX-WM und auch das Hybrid-Paket für die Rallye-WM - zudem arbeitet man mit Baumschlager Rallye Racing an einem elektrischen Fabia. Diese zwei heimischen Firmen sind somit echte Vorreiter auf dem Sektor des elektrischen Rallycross- und Rallyesports. Daher ist es auch der heimischen Motorsportbehörde (Austria Motorsport, AMF) ein Anliegen, elektrischen Motorsport zu ermöglichen.

Grüne Signale aussenden

Warum ist es wichtig, elektrischen Motorsport zu ermöglichen? Kaliber wie Manfred Stohl oder Raimund Baumschlager sind sich einig darüber, dass sich der Rallyesport dieser „neuen“ Technologie nicht verschließen darf. Gerade dieser Sport, der sich zum Großteil in der freien Natur abspielt, steht bei manchen bereits auf der „Abschussliste“ und sollte daher bestrebt sein, so etwas wie „grüne Signale“ zu versenden. Es kommt nicht von ungefähr, dass beispielsweise grüne Politiker eines deutschen Landkreises das komplette Verbot von Rallyes gefordert haben. Um also auch weiterhin den Amateurrallyesport oder den historischen Rallyesport aufrechterhalten oder eigentlich legitimieren zu können, ist es nötig, an der Spitze von Herstellern unterstützt zu werden.

Die Hersteller jedoch unterstützen derzeit in Wahrheit nur eine Technologie: den Elektro- oder Hybridantrieb! Außerdem können mit dem Elektroantrieb neue Sponsoren gewonnen werden - jene, bei welchen der Verbrenner-Motorsport bislang verpönt war. Schlussendlich können mit dieser neuen Antriebsart auch junge Menschen für diese tollen Sport begeistert werden. Rallycross beispielsweise kann mit Elektroantrieb mitten in der City junge Menschen „abholen“. Sich der neuen Technologie zu verschließen oder sie gar zu verbannen, wäre also ein „Schuss ins eigene Knie“. Zumal der Elektroantrieb im Rallyesport den herkömmlichen Verbrennerantrieb nicht komplett ersetzen soll - er ist als ein Element anzusehen, das hinzukommt und lediglich das Angebot ergänzt...

Mit der Begeisterung für das Neue auch das Bestehende erhalten

Historisch gesehen war der Motorsport stets ein Innovator - eine Art Experimentierlabor für den Straßenverkehr. Kollege Michael Hintermayer sagt zu Recht, dass der Rallyesport stets stolz darauf war, dass möglichst alles, was vier Räder hat, fahren durfte. Jene Vorbehalte, die es bei Fans und aber auch Veranstaltern gibt, sind zu einem großen Teil auch einem Mangel an Information geschuldet. motorline.cc wird daher künftig - als Ergänzung zur bereits bestehenden Berichterstattung - versuchen, dieses Leck an Informationen zu schließen. Vorbehalte und Ängste sind ernst zu nehmen und möglichst objektiv zu thematisieren. Und schließlich hat jede neue Technologie auch etwas an sich, das zu begeistern vermag.

Kaum jemand weiß, dass ein elektrisches Rallyeauto dank Batteriespülung eben nicht völlig ausbrennen muss. Kaum einer, der schon einmal die Beschleunigung des elektrischen STARD Boliden im Cockpit erleben durfte, schwärmt nicht von dieser vorwärts gerichteten Kraft die selbst Manfred Stohl zu dem wunderschönen Satz verleitet hat: „Als würdest du mit dem Katapult ins Weltall geschleudert werden!“. Und ein Raimund Baumschlager zeigt sich begeistert von jenem Soundmodul, das Remus für den Fabia REX entwickelt. Es sei wie eine Mischung aus einem Verbrenner- und einem Sience Fiction-Sound - etwas, das er so noch nie gehört habe und ihn faszinieren würde. All das, fehlende Infos, Hintergründe zu dieser innovativen Entwicklungsarbeit und vielleicht auch die eine oder andere Möglichkeit, ehrliche Begeisterung für das Neue entwickeln zu können, finden Sie künftig auch auf motorline.cc.

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