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EXKLUSIV: Reifen-Wirrwarr um BRR
Foto: BRR/Harald Illmer

BRR Kreisel nutzte „Reifen-Schlupfloch“

Warum durfte Raimund Baumschlager am Samstagvormittag Reifen einsetzen, die den Rally2-Teams nicht erlaubt waren? motorline.cc hat sich erkundigt...

Noir Trawniczek

Die Weltpremiere des spannenden Konzeptfahrzeugs Skoda Kreisel RE-X1 wurde nicht nur in Österreich mit großem Interesse beobachtet - dass Raimund Baumschlager und Jürgen Heigl mit dem komplett neuen Elektroauto bei der Rallye Weiz gleich einmal auf Platz drei landen konnten, wird wohl als Meilenstein in die Geschichte eingehen. In einer Presseaussendung erklärte Raimund Baumschlager: „Die Rallye war für uns ein weiterer Test, dieses Mal unter Wettbewerbsbedingungen. Wir stellen uns der Konkurrenz primär, um das Fahrzeug weiterzuentwickeln. Dass beim ersten Mal gleich Platz drei herausschaut ist absolut sensationell, war aber nicht das erklärte Ziel.“

In den Ohren seiner direkten Konkurrenten haben diese Worte jedoch eine schalen Beigeschmack. Denn als es am Samstagmorgen regnete, zog Baumschlager Rallye Racing eine Reifen-Option, die Willi Singer, Vorsitzender der AMF-Rallyekommission, als „Schlupfloch“ bezeichnet. Da die Rallye Weiz als Lauf zur European Rally Trophy (ERT) abgehalten wurde, durften die Rally2-Teams jene weicheren Regenreifen nicht verwenden, von denen beispielsweise Hermann Neubauer 30 Stück zuhause liegen hat. „Uns wurde gesagt, dass wir diese Reifen nicht verwenden dürfen“, erklärte Neubauer auf Anfrage von motorline.cc.

Obschon die AMF den Elektroautos gleich im ersten Jahr die volle Start- und Punktberechtigung erteilte, nützte BRR offenbar die erstbeste Gelegenheit, um sich auf ein Sonderrecht zu berufen und sich somit einen Vorteil zu verschaffen. Man sei ja nicht gleich zu behandeln wie die anderen Rally2-Teams, da man ja nur in der nationalen Elektroklasse fahren würde, monierte der Rennstall sinngemäß. Mit diesem Schachzug schrammte BRR nur knapp an einer satten Strafzeit vorbei - laut Willi Singer haben die Sportkommissare zunächst wegen Verwendens eines nicht zugelassenen Reifens eine Strafzeit von vier Minuten in Erwägung gezogen. Erst als der versierte BRR-Cheftechniker Walter Illmer den Kommissaren das „Regel-Schlupfloch“ zeigte, sah man von dieser Maßnahme ab.

Singer: „Werden Schlupfloch stopfen“

In Anbetracht dessen, dass man sich laut Baumschlager der Konkurrenz ohnehin nur gestellt habe, um das Fahrzeug weiter zu entwickeln, stellt dieser - legale - Schachzug für die direkten Konkurrenten von Baumschlager einen Affront dar. Schließlich lagen Johannes Keferböck und Günter Knobloch nur wenige Sekunden hinter dem Elektrofahrzeug. Und auch Willi Singer ist ob dieses Vorgehens „not amused“ - im Gespräch mit motorline.cc verspricht er: „Wir werden dieses Schlupfloch so schnell wie möglich stopfen. Denn wir wollen faire Bedingungen für alle Teilnehmer.“

Schon bei der Hartbergerland-Rallye sollen Winkelzüge dieser Art nicht mehr möglich sein - dass sie möglich sind, liegt, so sagen es Experten, aber auch an einem offenbar nicht klar genug ausformulierten nationalen Rallye-Reglement.

Aus einem ähnlichen Grund gab es mancherorts Verwunderung ob der Tatsache, dass Baumschlager nach jeder Prüfung auf der Verbindungsetappe nachladen durfte. Philip Kreisel erklärt dazu: „Es war von Anfang an klar, dass es Ladepunkte zwischen den Prüfungen gibt - je nachdem wie man sie benötigt.“ Zu dem Einsatz der erwähnten Reifen wollte Kreisel nicht Stellung nehmen: „Das ist nicht mein Fachgebiet.“ Raimund Baumschlager hat auf die Bitte einer Stellungnahme nicht reagiert.

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