Simon Wagner im Gespräch mit motorline.cc
Einen Tag nach dem letzten großen Test im ungewohnten Arbeitsumfeld spricht Simon Wagner offen über die gar nicht so leichte Umstellung in seiner Karriere…
Noir Trawniczek
Simon Wagner, zurzeit Österreichs schnellster und erfolgreichster Rallyepilot, hat einen mutigen Entschluss getroffen: Nach vielen Jahren Skoda, vier Staatsmeistertiteln und Podestplätzen in der Europameisterschaft fährt er heuer einen Hyundai i20 N Rally2 - das Team ist nicht mehr Eurosol Racing aus Ungarn sondern Servis Podlesnik aus Slowenien. Als Copilotin und Nachfolgerin von Gerald Winter fungiert Hanna Ostlender (beim Test vertreten durch Legende Sigi Schwarz).
Nach dem Test am Freitag baten wir Simon zum Interview - man spürt in dem Gespräch: So eine Umstellung ist kein leichtes Unterfangen. Man verlässt die eigene Komfortzone. Man beginnt gewissermaßen, zumindest in Teilbereichen, von vorne. Hier das motorline-Interview im Wortlaut.
Simon, beim Test am Freitag hattest du dein erstes Aufeinandertreffen mit deinem neuen Arbeitsgerät, dem Hyundai i20 N Rally2…
Nicht ganz. Es gab davor schon eine Fahrt - aber es war am Freitag das erste Aufeinandertreffen mit jenem Auto, das ich auch bei der Jännerrallye pilotieren werde.
Wie ist der Unterschied?
Der Unterschied ist groß. Sie haben halt eine ganz andere Philosophie, eine andere Art zu arbeiten. Ich bin eigentlich ganz happy mit dem gestrigen Tag, wir konnten sehr viel probieren. Es waren schwierige Bedingungen. Das Team hat einen super Job erledigt.
Das ist ein neues Team…
Ja.
Da ist viel Neues zugleich, worauf du dich einstellen musst…
Schon, ja.
Da muss man ja auch damit rechnen, dass es am Anfang nicht so leicht ist wie mit dem gewohnten Umfeld oder?
Schon, ja. Die Jännerrallye ist als erste Rallye nach so einem Wechsel nicht gerade hilfreich. Aber ich freue mich extrem auf die Herausforderung - und wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir das relativ bald schaffen. Damit wir hoffentlich bald wieder in unsere Komfortzone kommen und dort anknüpfen können, wo wir aufgehört haben.
Du hast ja bislang stets das gelebt, was viele Profis raten: Dass man beim gleichen Team, beim gleichen Fabrikat bleiben und gemeinsam wachsen soll. Jetzt hast du, wie es auch viele großen Motorsportler getan haben, nach einer Phase der ‚Treue‘ einen riesigen Wechsel vorgenommen - nur: Was war eigentlich der Grund dafür?
Der Grund für den Wechsel war, dass ich ein sehr gutes Angebot bekommen habe. Dass ich im Moment bereit bin, etwas Neues zu probieren. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich müde war - aber mich reizt jetzt etwas Neues. Und ich glaube, dass das in Zukunft sehr gut funktionieren kann.
War es nicht schwer, das Eurosol Team zu verlassen?
Verlassen klingt so hart. Es ist einfach mal eine Pause, würde ich sagen. Es weiß ja keiner, was passiert. Es kann ja sein, dass ich nächstes, übernächstes oder in drei Jahren wieder zurück bin (bei Eurosol). Das weiß man im Moment nicht. Das Rundum-Paket hat hier einfach besser gepasst. Natürlich muss man erst schauen, ob das auch so funktioniert, wie ich es mir erhoffe. Aber die Motivation ist bei allen sehr hoch…
Ich nehme an, dass es wohl auch finanzielle Gründe für den Wechsel gibt - denn da ist ja Hyundai Austria mit an Bord. Da nimmt man dann ja auch an,. dass Hyundai Austria auch einen Teil deines Budgets mitfinanziert, oder?
Ja. Das ist auch ein finanzielles Thema.
Von der Wettbewerbsseite betrachtet, vor der Jännerrallye - der Sieg müsste bei dir als vierfachem Staatsmeister ja immer möglich sein, oder?
Der muss natürlich immer möglich sein - doch wir waren bei der Jännerrallye schon viermal drauf und dran, sie zu gewinnen und es hat nicht funktioniert. Wie konkurrenzfähig wir wirklich sind, sieht man, glaube ich, erst bei der Lavanttal-Rallye und später. Die Jännerrallye - das ist wie in der Rallye-WM: Die ersten beiden Läufe sagen noch recht wenig über die wahren Kräfteverhältnisse aus. Das hat auch viel mit Reifenentscheidungen, Eisspionen zu tun - und natürlich ist die Startposition ein Riesenthema. Wir müssen zudem auf die Updates warten, die waren eigentlich für 1.1. vorgesehen und kommen jetzt erst nach der Jännerrallye. Da wissen wir, dass sie gut funktionieren…
Jetzt haben Skoda-Fahrer ja doch einen großen Pool an Daten zur Verfügung - du hattest zudem ja deine eigenen Daten als Vergleichsmöglichkeit. Wie ist das jetzt? Bist du jetzt einsam oder hast du Daten von anderen Hyundai-Piloten, auf die du zurückgreifen kannst?
Ich habe einen Riesen-Datenpool von den letzten Testfahrten, für die Rallye Monte Carlo ist auch schon getestet worden. Da habe ich die Daten von Eric Camilli und Teemu Suninen, die ja Werksfahrer bei Hyundai sind. Von dem her ist das Ganze vielleicht sogar noch familiärer als es bei Skoda der Fall war - weil es weniger Fahrer gibt, die dieses Auto schnell bewegen.
Wen siehst du als größten Gegner bei der Jännerrallye?
Der größte Gegner? Eine falsche Reifenentscheidung…(lacht)
Und von den Fahrern, den Mitbewerbern?
Der Lengi (Michael Lengauer) hat letztes Jahr gewonnen - er wird die neuen Prüfungen in- und auswendig kennen und daher richtig stark sein. Der setzt sich ins Auto und da ist alles gemacht…
Du hast im vorigen Jahr gesagt, der Michael Lengauer habe es leichter, weil er nur eine Rallye fährt - das ist bei manchen auf Unverständnis gestoßen. Würdest du diese Aussage wiederholen oder relativieren?
Nein, ich gehe davon aus, dass er das ganze Jahr fahren wird. Aber gerade bei Rallyes, wo es jedes Jahr neue Strecken gibt, ist es gut, wenn man die Veranstalter als beste Freunde hat. Aber man muss das natürlich auch umsetzen und das hat er letztes Jahr geschafft. Von daher würde es mich freuen, wenn er auch viele andere Rallyes fährt- denn dann sieht man, wie es wirklich steht. Wie schon öfter gesagt: Der Beste oder der Stärkste ist der, der am Ende der Saison ganz oben steht. Einzelergebnisse sind zwar schön aber sie bedeuten nicht die Welt. Man muss ein Paket zusammenstellen für das ganze Jahr - und auf das ganze Jahr gesehen sind wir gut aufgestellt.
Bei Hermann (Neubauer) und ZM Racing wird die Eingewöhnungsphase nicht recht lange dauern. Die haben schon früher immer alles daran gesetzt, ein super Paket zu haben und werden es auch diesmal wieder tun. Da mache ich mir keine Sorgen.
Filip Mares, ganz klar. Einer der stärksten Fahrer in Europa, würde ich sagen. Kennt die Jännerrallye mittlerweile, bereitet sich immer unheimlich gut auf alle Events vor.
Den du ja gut kennst, da du ja schon in der Tschechei gegen ihn um die 2wd-Meisterschaft gekämpft hast bzw. kennst du ihn auch aus der Europameisterschaft.
Genau, ja. Und Kristof Klausz ist immer wieder für eine Überraschung gut und war glaube ich auch letztes Jahr schon am Start. Er weiß also auch, was auf ihn zukommt.
Simon Seiberl? Neu im Rally2…
Er fährt die erste Rallye im Rally2 - da darf man noch nicht zu viel erwarten. Aber er ist sicher gut für die eine oder andere Top 5-Zeit.
Gut. Schaut nach einer spannenden Rallye aus…
Ja. Ich denke die vier (Lengauer, Neubauer, Mares und Klausz) werden alle schnell und top motiviert sein, mit einem guten Ergebnis ins neue Jahr zu starten.
Was mich natürlich enorm freut ist, dass wir jetzt herstellertechnisch so ausgewogen und bunt sind in der Staatsmeisterschaft. Das ist glaube ich für alle eine Bereicherung. Das war auch mit ein Grund, warum wir diesen Schritt gemacht haben. Das ist für die Zuschauer und für die gesamte Vermarktung mit Sicherheit besser. Ich freue mich auf eine interessante Jännerrallye, auf viele Zuschauer, Fans und Freunde natürlich - und auf ein interessantes Wetter. Das kriegen wir mit Sicherheit.
Welches Wetter wäre dir am liebsten?
Ganz egal - ich hätte gerne, dass es für die vorderen Fahrer gleich sein wird, aber das wird es nicht spielen. Es wird wohl für jedes Auto unterschiedlich sein und da kann man nur hoffen, dass man von den Startpositionen nicht zu weit weg ist. Da wird es dem einen mal ein Bisschen besser, dem anderen ein Bisschen schlechter gehen - das kommt auf die jeweiligen Prüfungen an.
Abenteuerlich wird es auf jeden Fall wieder…
Definitiv. Sehr abenteuerlich. Spannend. Und ich glaube, dass bis zum Schluss der Rallye nichts verloren und nichts gewonnen ist.