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Rallye: Kommentar

Loeb als schlimmster VW-Albtraum

Die Aussage des Volkswagen-Teamchefs Jost Capito, Starts von Sebastien Loeb würden die WRC „verwässern“ sorgte für Unmut – Ein Kommentar.

Michael Hintermayer

Sehr geehrter Herr Capito, was ist los mit Ihnen? Haben Sie Albträume mit einem Hauptdarsteller Namens Loeb und einem Nebendarsteller Namens Ogier? Ihre heutige Aussage, dass Sie den Start des neunfachen Weltmeisters Sebastien Loeb bei der Rallye Monte Carlo nicht begrüßen, geschweige denn weitere Starts von Loeb ablehnen, weil die WM dadurch „verwässert“ werden könnte, stößt bei mir und vielen anderen auf Unverständnis.

Verwässert? Der Rallye-Weltmeisterschaft steht das Wasser bis zum Hals, der Start von Loeb ist für die Fans ein Highlight und endlich bekommt wenigstens eine Rallye im WM-Kalender den nötigen medialen Zuspruch, sowie den der Fans.

Einerseits verstehe ich Sie, denn Sie machen, was ein Teamchef machen muss. Auch Sie müssen ihr Engagement und die Ergebnisse vor dem Vorstand rechtfertigen, was sicher oft nicht einfach ist, da es bei einem Programm in der Rallye-Weltmeisterschaft nicht um Kleingeld geht. Volkswagen ist eingestiegen, um Weltmeister zu werden, alles andere ist nicht relevant.

Warum ich das nicht einsehe ist, weil Sie ein Mann des Sports sind, Herr Capito. Keiner dieser „Anzugmenschen“ aus der Marketingabteilung, der noch nie bei einem Rennen war und dann schonungslos den Rotstift im Motorsport-Budget ansetzt, weil er ahnungslos ist. Sie haben den Porsche-Cup zu dem gemacht, was er heute ist. Ihr Engagement reichte sogar bis in die Formel 1, auch die Truck-Wertung der Rallye Dakar haben Sie gewonnen.

Doch jetzt gegen einen Start von Loeb zu wettern, und sich dadurch quasi kampflos den WM-Titel zu sichern? Das ist nicht ihr Ernst oder? Es war schon schlimm genug, den „Shootout“ zu fordern und die Rallye-WM zur Lotterie der letzten SP zu machen. Wir, die Fans und Berichterstatter zerbrechen uns den Kopf über ganz andere Probleme, als ein banaler Start eines ehemaligen Weltmeisters.

Die Rallye-Weltmeisterschaft hat ein gewaltiges Marketingproblem. Dies schreckt nicht nur Sponsoren ab, sondern auch die Fans.

Fernsehübertragungen zu unmöglichen Zeiten und langweilige Autos sind kein Erfolgsrezept. Nichts hat sich getan, seit dem Einstieg des neuen Promoters. Okay, zwei Sachen haben sich geändert. Man kann auf der Homepage die letzte Prüfung im Livestream verfolgen. Kostenpflichtig, versteht sich. Und der Internetauftritt der WRC ist nun auch in deutscher Sprache erhältlich. Die mieseste Sportseite im Internet überhaupt. Dort liest man Sätze wie „Der schnelle Asphalt ist in seiner Charakteristik einem Rundkurs-Ring sehr ähnlich.“

„Rundkurs-Ring“? Der Verdacht liegt nahe, dass dies durch ein Übersetzungsprogramm mehr schlecht als recht ins Deutsche übersetzt und ohne den Text zu prüfen online gestellt wurde. Okay, Fehler passieren eben Mal, aber die Seite ist voll von solch fragwürdigen Sachen. Es ist die offizielle Seite der Rallye-WM, so etwas darf nicht sein.

Manchmal kommt es mir vor, als ob der „Patient Rallye“ am offenen Herzen operiert wird, sich jedoch nur die störenden Hämorrhoiden entfernen lassen wollte. Lassen Sie die Rallye wie sie ist, aber bemühen Sie sich um eine zeitgerechte Anpassung des Sports. Sebastien Ogier sagte zu mir, im Rahmen seines Gaststarts am Red Bull Ring auf die Frage, was er sich denn wünschen würde: „Mehr Leistung, mehr Optik.“

Oder haben Sie den Kontakt zu Ihren Piloten und den Fans verloren? Als Mann des Sports der Sie sind, hätte ich mir eine Aussage zum Start von Loeb in etwa so erwartet: „Her mit dem Loeb, dem zeigen wir es auch noch.“ Oder wollen Sie sich wirklich kampflos geschlagen geben, und einen WM-Titel holen, der das aufgetragene Blattgold nicht wert ist? Ich hoffe nicht…

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