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ORM: ARBÖ-Rallye

Bitte das Glück nicht weiter herausfordern

Einmal mehr, bei der 40. und angeblich letzten Ausgabe der ARBÖ-Rallye, hatte Veranstalter Kurt Gutternigg das Glück an seiner Seite…

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Daniel Fessl/www.motorline.cc

Spricht man Kurt Gutternigg, den Veranstalter der ARBÖ-Rallye auf Ungereimtheiten oder gar gefährliche Fehler in der Organisation seiner seit 40 Jahren bestehenden ORM-Rallye an, so schaut er spitzbübisch, den Kopf seitlich geneigt - wie ein Wellensittich, der sich mit seinem Vogelkäfig angefreundet und längst vergessen hat, dass er eigentlich fliegen kann. Stoisch reagiert Gutternigg. Ein Achselzucken unterstreicht, dass es für alles irgendeine Erklärung gibt. Sein Blick spricht Bände – als wolle er sagen: „Mach du mal eine Rallye! Ich mache das seit 40 Jahren und es sind immer wieder Fehler passiert, denn so ist es halt! Und so wird es auch immer bleiben.“

Tatsächlich verging kein Jahr, in dem nicht irgendein seltsamer Vorfall für Diskussionen rund um die ARBÖ-Rallye sorgte – zumindest in der jüngeren Rallye-Historie konnte man sich darauf regelrecht verlassen.

Eine verkehrt aufgestellte Schikane am Ende einer Highspeed-Passage, die sogar den der Rallye wohlgesinnten Lokalmatador Raimund Baumschlager dazu veranlasste, im ersten Ärger vom „dümmsten Veranstalter, den ich je erlebt habe“ zu sprechen. Dazu ein Video, auf dem bei dieser Schikane spielende Kinder zu sehen sind, die beinahe von einem herumfliegenden Strohballen getroffen werden, als einer von vielen Piloten wegen der falschen Montage der Schikane diese verfehlt. Keine zwei Meter entfernt stehen die Kids, ein Streckenposten ist auf dem Video nicht zu sehen. Die falsche Montage begründet der Veranstalter damit, dass der „zuständige Bauer die Strohballen falsch aufgestellt“ habe. „Der Bauer als Funktionär“, war man geneigt zu titeln. Man ließ es dann bleiben - weil versprochen wurde, dass ein Vorfall wie jener mit den Kindern nie mehr passieren werde…

Oder die Geschichte von den Ungereimtheiten in der Zeitnahme. Die Geschichte von Daniela Stummer, die voller Stolz an der Seite von Manfred Stohl fahren darf – und eines Stempelfehlers bezichtigt wird. Die das nicht glauben kann und ihre Zeitkarte sehen will. Die vertröstet wird, dass diese noch unterwegs und in einer Stunde einzusehen sei. Und schließlich nach einer Stunde erfährt, man habe alle Zeitkarten weggeworfen. Und als Draufgabe ein Kurt Gutternigg, der auf Anfrage von motorline.cc allen Ernstes öffentlich verspricht, am nächsten Morgen sämtliche Papiercontainer der Gemeinde nach der Zeitkarte zu durchsuchen – mit dem Vermerk, dass die Chance jedoch nur „1:500“ sein würde…

Heftige Diskussion: Fliegender Evo als "Aufprallschutz"

Die Tendenz hin zur Komödie hat etwas Sympathisches an sich – sie wird jedoch konterkariert von wirklich gefährlichen Aktionen, wie eingangs beschrieben.

Aktuell sorgt ein Vorfall für heftige Diskussionen: Auf SP 1 wurden für zwei weitere Durchgänge der Sonderprüfung zwei verunfallte Fahrzeuge einfach am Streckenrand stehengelassen. Eines davon stand außen in einer Haarnadelkurve, in einem Holzgitter, dahinter fällt ein Hang steil hinab auf eine Wiese, auf der Zuschauer einen anderen Streckenteil verfolgen.

Im zweiten Durchgang geht alles gut, doch im dritten rammt einer der Piloten das geparkte Fahrzeug, sodass dieses den Hang hinab gestoßen wird und beim Herabrutschen nur knapp Zuschauer verfehlt. Schließlich überschlägt sich das Fahrzeug mehrfach, zurück bleibt ein Totalschaden. Anzusehen ist der Vorfall im Video weiter unten. Begründet wird das Stehenlassen der Fahrzeuge damit, dass es ein dichtes Programm zu bewältigen gegeben habe. In dem speziellen Fall hat der stehengelassene Evo wohl als Barriere gedient und für den zu schnellen Crashpiloten Schlimmeres verhindert - zugleich wurde der hinabstürzende, herrenlose Evo selbst zur Gefahr.

Wieder einmal hat man einfach Glück gehabt, dass niemandem etwas passiert ist. Und so ist es kein Wunder, dass man in der Rallyeszene ein gewisses Aufatmen verspürt – denn diese 40. ARBÖ-Rallye wurde als die letzte ihrer Art abgehalten. Die Oberste Nationale Sportbehörde (OSK) hat schon seit einiger Zeit ein Auge auf die Veranstaltung geworfen. Hat ermahnt, hat den MSC Rosenau mit ins Veranstalterboot gehievt. Künftig möchte Gutternigg nur noch einen „Rallylegends“-Event mit historischen Boliden zum angestammten Termin abhalten. Doch selbst hier wird die OSK dem Steirer auf die Finger schauen – denn der Rallyesport darf nicht aufgrund von Nachlässigkeiten in Verruf gebracht werden.

Natürlich muss man Kurt Gutternigg und seiner Familie danken, denn sie haben aus Enthusiasmus heraus diese Rallye organisiert. Es wurde von Jahr zu Jahr schwieriger, eine solche Veranstaltung ohne Verlust durchzustehen, sodass Gutternigg letztendlich von sich aus die Reißleine zog…

Ungewisse Zukunft

Ohnehin ist der Veranstalterhimmel düster – junge Rallye-Organisatoren gibt es bis auf Mario Klammer, den Veranstalter der Weiz-Rallye keine. Man muss sich die Frage stellen, wer in zehn oder 20 Jahren eine ORM-Rallye veranstalten soll und wird? Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass in punkto Medieninteresse ein Tiefpunkt erreicht wurde. In Admont waren lediglich Vertreter von motorline.cc und Rally & more vor Ort.

Der Rallyesport wird in diesem Land irgendwann neue Veranstalter, Funktionäre und Pressebetreuer benötigen. Die „alte Garde“, die zurzeit an den Stellschrauben dreht, sollte die Türen öffnen und sich überlegen, wie man diesen Sport weiter am Leben erhalten kann. Die Veranstalter handeln durch die Bank aus Idealismus heraus – viele schießen privates Geld hinzu, vielleicht gelingt manchem ein „Nebengeschäft“, doch ein florierendes Business sieht anders aus.

Einer, der instinktiv das Richtige tut, ist Raimund Baumschlager: In seinem Team fuhren am vergangenen Wochenende zwei blutjunge Rallyepiloten. Der erst 17-jährige Salzburger Chris Brugger wurde auf Anhieb Dritter und könnte auf der sportlichen Ebene die Zukunft des österreichischen Rallyesports darstellen. Freilich verdient Baumschlager sein Geld mit den Rallyeeinsätzen – so und nicht anders soll es auch sein. Der Sport, der seit jeher viel gekostet hat, muss Wege finden, um sich zu finanzieren. Jeder einzelne, dem das gelingt, trägt zum Überleben des Sports bei. Heute ist das so schwer wie nie zuvor…

Stagniert das Althergebrachte, müssen neue Wege gefunden werden – was früher total okay war, ist heute mitunter einfach nicht mehr tragbar. So nett ein Kurt Gutternigg auch sein mag – die Art und Weise, wie er eine Rallye organisiert, birgt, so scheint es, einfach zu viele Gefahren in sich. So hart es auch klingen mag: Man muss Gutternigg für die 40 Jahre Rallye in Admont danken - doch wenn es jetzt heißt, er werde vielleicht doch wieder eine ORM-Rallye abhalten, kann man nur ein freundliches, aber entschiedenes „Bitte nicht!“ einwerfen. Lieber eine Rallye weniger als ein schrecklicher Unfall zu viel.

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