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ORM: Waldviertel-Rallye

Minimaler Einsatz, maximaler Spaß

Dort, wo sich die Rallyevolvos am wohlsten fühlen – nämlich auf Schotter –, wollten die Fahrer von GP Racing ihre Saison beenden.

Fotos: Walter Vogler

Die Wettervorhersagen waren düster; diese Düsterheit zauberte aber ein Lächeln in die Gesichter der Volvopiloten Georg Gschwandner und Norbert Tomaschek, denn je schlechter die Straßen, desto Volvo. Auf Sonderprüfung eins war man wie ein Großteil des Feldes hie und da neben der Straße, ließ aber trotzdem wesentlich stärkere und fallweise mit vier angetriebenen Rädern ausgestattete Fahrzeuge hinter sich. Tomaschek war wohl auf dieser Sonderprüfung in Summe 15 Sekunden weniger neben der Strecke als Gschwandner.

Leider fuhren die Volvos die Sonderprüfungen im VAZ nicht direkt gegeneinander, denn man hätte sie bei der Zieldurchfahrt mit dem sprichwörtlichen Handtuch (respektive, wegen der Größe des Schwedenstahls, mit einer Plane) zudecken können, so marginal waren die Zeitunterschiede. Einmal war Tomaschek, einmal Gschwandner um einen Wimpernschlag schneller. Gschwandner freute sich besonders auf die erste Sonderprüfung des Samstag: Kronsegg - Gföhl ist einfach Volvoland.

Tomaschek wurde noch in die Sonderprüfung gelassen und musste seinen gelben Volvo, liebevoll "Postkastl" getauft, an einem auf dem Dach liegenden Konkurrenten im Schritttempo vorbeimanövrieren; Gschwandner wurde vier Sekunden vor dem Start abgewinkt und musste die Alternativroute wählen. Da auch SP 6 neutralisiert wurde, kam man nach Regrouping und Service wiederum nach Kronsegg. Tomaschek startete genau vor Gschwandner, in einer Rechts-zwei verließ das "Postkastl" allerdings die Strecke und rutschte vier Meter unter das Straßenniveau, ohne irgendetwas zu treffen.

Der Volvo machte Anstalten, sich auf die Fahrerseite zu legen, kippte dann aber doch wieder auf alle Viere und kam in extremer Schräglage zu stehen. Als der eine Minute später gestartete Gschwandner an der Stelle vorbeikam, war Tomaschek schon samt "OK"-Schild den Hang emporgeklettert. Beifahrer Andreas Schmiedberger öffnete die Beifahrertür nun tatsächlich wie bei einem Panzer die Luke, d.h. fast senkrecht gen Himmel. Somit war das Volvofamilienduell jäh beendet.

Norbert Tomaschek zog ein nüchternes Resümee des Wochenendes: "Das war das Wochenende des Wartens – am Freitag eine Sonderprüfung gefahren, dann warten, warten, warten, und dann wieder eine Minute Sonderprüfungsfahrzeit, und Samstag warten, warten, warten auf den Traktor." Gschwandner bemühte sich den restlichen Samstag, die richtige Mischung aus publikumswirksamer Quertreiberei und Doch-auf-der-Straße-bleiben zu finden: "Das war gar nicht so leicht, wie man ja an den zahlreichen Ausfällen sehen konnte. Iinsbesondere der zweite Durchgang der Sonderprüfung Wolfshoferamt erinnerte mich stark an Wien – nirgendwo war ein Parkplatz frei."

Die beiden Langenlois-Durchgänge waren für den großen Volvo fallweise etwas eng, machten aber mächtig Spaß. Manhartsberg konnte im Renntempo nur im letzten Durchgang befahren werden, da der erste Durchgang wegen eines Rettungseinsatzes neutralisiert wurde. Gschwandners Resümee: "Helmut Schöpf hat wieder eine tolle Rallye organisiert. Schade waren die viele Neutralisationen, aber wenn sie aus sicherheitsrelevanten Gründen stattfinden, muss man das akzeptieren, Sicherheit geht vor."

Schlussendlich belegten die Volvos von Gschwandner in der Jahreswertung des historischen Rallyepokals der OSK (jetzt AMF) die Plätze zwei und drei. Gschwandner: "Dieser Umstand freut uns besonders, weil es zeigt, dass man auch mit geringem finanziellem Aufwand und einem großen 'Funfaktor' Erfolge erzielen kann." Man muss allerdings "erzielen konnte" sagen, denn aus für Gschwandner unerfindlichen Gründen wurde der Meisterschaftstext der AMF für 2017, bezogen auf den historischen Rallyepokal, komplett abgeändert.

Die Punktewertung sieht jetzt nur mehr, wie in der historischen Staatsmeisterschaft, Punkte nach Gesamtergebnis vor, und auch die Fahrzeuge der Periode J (1982 bis 1990) müssen sich nun dem Anhang K unterwerfen, was Änderungen im Aufbau der Fahrzeuge zufolge hat (Ventil zur Treibstoffprobenentnahme und einiges mehr). Es bleibt zu hoffen, dass diese Änderungen, für die laut Gschwandner auch nach mehrmaligen Nachfragen weder ein Anlassfall noch eine sonstige Begründung zu erfahren waren, nicht zu einer weiteren Ausdünnung des historischen Starterfeldes führen wird.

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