RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

„Eine Hochschaubahn der Gefühle“

Die zweite Rallye des Hansjörg Matzer war ein Abenteuer mit Höhen und Tiefen. Nach dem Ehrgeiz kam der Abflug – ein Fangzaun wollte den Renault Clio nicht mehr hergeben, zwei Prüfungen vor dem Ziel war Schluss…

Fotos: Daniel Kocher, Topspeed Racing

Die mediale Aufmerksamkeit war Hansjörg Matzer schon bei seiner ersten Rallye im Vorjahr sicher – bei seinem zweiten Auftritt in der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft war es ebenso: Als Hansjörg Matzer bei der Pressekonferenz zur Rebenland-Rallye 2016 über seine Teilnahme erzählt, wie er mittels einer alternativen Therapie den Krebs besiegen konnte und aus dieser Krankheit seine Lehren zog („Arbeit ist nicht alles im Leben“) und er sich also einen seiner Bubenträume, den des Rallyefahrens, verwirklichen wollte, saß ein Redakteur der Kleinen Zeitung neben ihm – prompt kam dort ein doppelseitiger Bericht im Vorfeld der Rallye, und zwar nicht auf den Sportseiten der Tageszeitung, diese wurden damit nicht „blockiert“…

„Karin war die Chefin im Auto“

Schon bei der Besichtigung der Sonderprüfungen zeigte sich Hansjörg Matzer begeistert von der professionellen Arbeit seiner Copilotin Karin Cerny, der 25-jährigen Tochter seines vorjährigen Copiloten Manfred Cerny. Hansjörg erzählt begeistert: „Mit Karin haben wir einen 1a-Aufschrieb erarbeitet, der war wirklich perfekt – und der ist unheimlich wichtig in diesem Sport. Karin war die ganze Zeit cool und straight – sie war die Chefin im Auto und hat mir stets gesagt, was ich zu tun habe. Was ich gut finde – denn ich hätte wohl ewig mit Leuten geplaudert, wenn sie mich nicht an unseren Zeitplan erinnert hätte. Außerdem sehe ich Karin als die ‚mutigste Frau Österreichs‘ an – weil sie sich mit mir mitfahren traute.“

Wenn der Ehrgeiz kommt…

Die Rallye selbst sei dann eine „Hochschaubahn der Gefühle“ geworden, erzählt Hansjörg. „Von himmelhochjauchzend bis zum Tode betrübt war alles vertreten“, gibt der Steirer offen zu. Zunächst sei man „richtig euphorisch“ gewesen, denn: „Es ist uns so gut gegangen!“

Zwar habe man sich nicht konstant gesteigert, dennoch war eine sportliche Mehrleistung erkennbar: „Die Prüfung Panoramastraße haben wir bei der zweiten Durchfahrt ganz bewusst langsamer in Angriff genommen, da hier der erste Durchgang schon so rutschig war. Aber ansonsten haben wir uns oft gesteigert, man schaut unweigerlich auf die Zeiten.

Am Ende waren wir ziemlich nahe dran an Johann Derler im BMW M3 E36 und Anton Reisenhofer im Opel Ascona B.“ Vor der vorletzten Prüfung lagen Matzer/Cerny auf Gesamtrang 46, bei 54 gewerteten Teams – und tatsächlich konnte das Duo Matzer/Cerny auf SP 14 sogar einen Tick schneller als die beiden fahren, was wohl den Ehrgeiz angestachelt hat…

„Grenzen dicht“ – Ende im Fangzaun

Zerknirscht erzählt Hansjörg Matzer: „Ja, natürlich entwickelt man einen Ehrgeiz – doch in einer schnellen Rechtskurve war ich einfach zu schnell unterwegs. Ich habe nicht gedacht, dass diese Stelle uns zur Gefahr werden könnte. Aber wir sind abgeflogen und das Auto hat sich in einen Zaun gewickelt. Zum Glück stand dort kein Baum, sonst wäre es vielleicht nicht so glimpflich ausgegangen, wir blieben beide völlig unverletzt. Auch das Auto selbst ist nicht sonderlich in Mitleidenschaft geraten, doch der Zaun war hartnäckig und gab uns einfach nicht mehr frei.“ Matzer hat sich also selbst eingezäunt…

Lachend fügt Matzer hinzu: „Ein richtiger Fangzaun war das. Einige Fans haben versucht, uns raus zu helfen, doch das hat leider nichts gebracht. Erst am Ende der Prüfung, als der Schlusswagen bereits durchgefahren ist, kam die Feuerwehr, die haben das Auto professionell geborgen, es wurde an den Felgen hochgezogen, damit ja nichts beschädigt wird.“

Rallye als „Schule des Lebens“

Große Augen machte Hansjörg, als der an die Unfallstelle geeilte Mechaniker des Rennteams von Daniel Ziesler mit den Worten „Da ist nicht viel kaputt gegangen“ in den geborgenen Renault Clio RS stieg, diesen zündete und damit in den Servicepark fuhr. Matzer sagt: „Das ist die Ironie des Schicksals – hätte uns der Zaun nicht festgehalten, hätten wir weiterfahren können. Doch zu dem Zeitpunkt habe ich bereits realisiert, dass es aus ist. Rallye ist auch eine Schule des Lebens, man erfährt auch, dass die Bäume nicht in den Himmel hinauf wachsen.“

Umso mehr konnte sich Hansjörg Matzer für den Sieger der Rallye, den jungen Salzburger Hermann Neubauer freuen: „Ich habe ja auf seinen Sieg getippt – und ich vergönne ihm diesen Triumph von ganzem Herzen! Ich habe ja mitbekommen, wie viele Rückschläge er einstecken musste und wie hart er darum gekämpft hat, sein großes Ziel zu erreichen.“

Alles in allem zieht Hansjörg Matzer eine positive Schlussbilanz seines zweiten Rallye-Abenteuers: „Die Rebenland-Rallye war eine unglaublich tolle Veranstaltung, das Wetter war frühlinghaft schön und an den Strecken waren unfassbar viele Fans. Insgesamt habe ich also ein positives Gefühl, wenn ich an das Wochenende zurückdenke – ich hatte die ganze Zeit über einen Grinser im Gesicht, es war einfach nur schön! Jetzt werde ich mich für die Lavanttal-Rallye wieder als Fotograf akkreditieren – denn jetzt möchte ich mir das Ganze wieder von der anderen Seite ansehen. Danach dann sehen wir weiter…“

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

ORM: Rebenland-Rallye

- special features -

Weitere Artikel:

ET König: TEC7 ORM3 & RP Tools Junioren

Neulinger in einer eigenen Welt

Marcel Neulinger ist in der ORM3 das Maß der Dinge. Der regierende ORM3- und Junioren-Staatsmeister holte bei der ET König Judenburg-Rallye 14 von 15 Bestzeiten und konnte die Führung in der Tabelle sowohl in der ORM3 als auch in der RP Tools Junioren-ÖM erheblich ausbauen

ET König Judenburg Rallye: Bericht AARC

Steinbock/Bachmayer übernehmen AART-Führung

Steinbock/Bachmayer übernehmen die Führung in der AART Zwischenwertung und Max & Ben Maier sind nach der „ET-König Rallye powered by Peter Hopf“ die neuen Leader in der AARC!

ET König Rallye: Bericht TEC7 HRM & ORC

Wagner siegt - Karlhofer mit Sensations-Comeback

Karl Wagner und Gerda Zauner gewinnen eine turbulent-großartige ET König Judenburg-Rallye - für Aufsehen sorgte Lancia-Spezialist Martin Karlhofer, der erstmals seit 2004 wieder bei einer Rallye an den Start ging und prompt mit einigen Bestzeiten aufhorchen ließ. Bei den Österreichischen Rallye Classics gewannen Alex Strobl und Cathy Schmidt.

ORM/ARC, ET König Rallye: Nach SP10

Alles beim Alten an der Spitze

Toyota-Pilot Hermann Neubauer hält bei der ET KÖNIG Rallye im Raum Judenburg nach wie vor die Führung / Sekunden-Duelle um Platz drei und in der ORM 2 (Foto zeigt Günther Knobloch, der knapp vor Christoph Zellhofer die ORM2 anführt)

ARC, ET König Rallye: Vorschau Zellhofer

Christoph Zellhofer kommt mit viel Kampfgeist

Der Niederösterreicher braucht ORM2-Sieg um noch Titelchancen zu besitzen - Anna Maria Seidl ist voll motiviert, der SUZUKI SWIFT ZMX bestens vorbereitet