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ORM: Jännerrallye 2020

Spannende Premiere bei der Jännerrallye

Günther Knobloch schildert ausführlich seine spannende erste Jännerrallye mit Jürgen Rausch im RRA-Fabia - und: Packendes Onboard-Video von der Powerstage!

Fotos: BMP/Martin Butschell & BMP/Gerald Wais

Die Jänner-Rallye dauert fünf Tage, fast doppelt so lang wie die anderen Rallyes im ORM-Kalender - Mittwoch und Donnerstag wird der Schrieb erstellt, am Freitag standen Shakedown, Fahrzeugsegnung und der bei Fans und Fahrern sehr beliebte Zeremonienstart in der Eventhalle in Freistadt am Programm. Die beiden Wettbewerbstage am Samstag und Sonntag werden von rund 100.000 Zusehern live verfolgt, bei den Teams und Sponsoren genießt die Rallye einen sehr hohen Stellenwert. Die Jänner-Rallye 2020 wurde zudem sowohl von der Strecke aus als auch aus einigen Rallyefahrzeugen mittels Onboard-Kamera live übertragen, im Unterschied zu den WM-Läufen konnten die Bilder des ORM-Auftaktes jedoch kostenlos über die Jänner-Rallye App und Medienpartner live verfolgt werden. Im RRA-Fabia war erstmals eine der Live-Kameras des Veranstalters verbaut - Gedanken machte sich der Grazer aber über andere „Premieren“.

Knobloch: „Da der Shakedown trocken war, konnten wir leider weder den 18“ Pirelli-Winterreifen noch die 15“ Pirelli Spike-Reifen auf Schneefahrbahn oder unter Mischbedingungen probieren, ein Schnee-Test im Vorfeld hatten wir aus Zeit- und Budgetgründen nicht geplant. Es war also klar, dass wir uns auf den Sonderprüfungen auf das Grip Niveau der Reifen auf den unterschiedlichen Fahrbahnbelägen einstellen müssen. Im Laufe der beiden Tage war für uns von trocken über nass, Schnee, Eis und Mischverhältnisse alles mit dabei. Ohne Test in der Rallye zu starten war zwar nicht ideal, aber auch kein Drama – selbst wenn wir im Vorfeld getestet hätten, wäre immer noch die fehlende Streckenkenntnis als Handicap geblieben. So oder so sind wir davon ausgegangen, nicht wie zuletzt in der ORM üblich um das Podium kämpfen zu können. Das wir das Podium bei einer so breiten Spitze und so vielen Jänner-Experten letztendlich nur um 3,2 Sekunden versäumt haben, war somit natürlich eine erfreuliche Überraschung.“

Gleich mehrere Piloten sind bei dem Winter-Klassiker öfters als 10-Mal am Start gewesen – der Bäckermeister Ernst Handeder (16 Starts) führte die Liste an, gefolgt von Martin Fischerlehner (14) und Johannes Keferböck (ebenso 14 Starts). Hinzu kommt, dass die Jänner-Rallye noch nie „Steirer-Land“ war – erfolgreichster Steirer in Freistadt war 2014 der ex Rallye- Welt und Europameister Andreas Aigner. Der Obersteirer konnte – damals als noch wesentlich stärker besetzter EM-Lauf ausgetragen – Gesamtrang 6 einfahren, diese Statistik wurde jetzt umgeschrieben. Aigner hat dabei mitgeholfen – er war gemeinsam mit Lisa Brunthaler aus Bayern (beide waren schon bei der Rallye Monte Carlo am Start) als „Ice-Crew“ für das Team unterwegs. Die Reifenentscheidungen für die ersten sechs Prüfungen waren perfekt, Knobloch und Rausch lagen zu dem Zeitpunkt mit Rang 5 leicht über Plan. Im letzten Durchgang am Freitagabend dreht die Geschichte, wir alle hatten den Schneefall unterschätzt – mit 18“ und nur Spikes auf der Innenseite war das Duo für die Bedingungen falsch bereift, auf 27 SP-KM verloren Knobloch/Rausch im RRA-Fabia rund 90 Sekunden auf Lengauer/Thauerböck im seriennahen M1 Subaru und 3 Plätze in der Gesamtwertung. Am zweiten Tag war die Reifenwahl richtig – mit den 15“ Pirelli freundete sich Knobloch schnell an, er arbeitete sich von Rang 7 vor auf Rang 5. In einer finalen Schluss-Attacke holten sich das Duo auf der Powerstage noch Rang 4 vom Local Hero Martin Fischerlehner.

Knobloch: „Die Rutschpartie in SP8 war irre – das hatte ich so nicht erwartet. In den Top-3 war auf SP8 keine R5 zu finden – ein Mindestmaß an Grip braucht ein Fahrzeug mit starrem Durchtrieb offensichtlich, dass wir außen keine Spikes hatten verschärfte das Problem noch mal massiv. Ich war froh, dass wir ohne Schaden ins Ziel der SP gekommen sind – das ist nicht allen gelungen. Mit den schmalen 15“ Pirelli Spikes ging es mir am Samstag besser – ich konnte schnell Vertrauen aufbauen, das brachte die erste Top-3 Zeit. Gerhard Aigner nutze im BRR-Fabia seine Jänner-Erfahrung, und verkürzte seinen Rückstand auf uns vor der letzten SP auf 5 Sekunden. Auch wenn ich Gerhard echt mag – auf der letzten SP wollte ich ihn und den BRR-Fabia nicht vorbei lassen, Sportler-Ehrgeiz. Also korrigierten wir den Schrieb, zogen neue Reifen auf und ich stellte meinen Modus auf push – da wir die Prüfung jetzt ja schon mal gefahren sind, konnten wir das riskieren. Die Powerstage war ein guter Run – die zweite Gesamtzeit hinter Julian Wagner war sehr erfreulich, Simon Wagner und Hermann Neubauer konnten wir um gut 13 Sekunden distanzieren. Das gab zwei Punkte für die Powerstage, Fisch konnten wir auch noch abfangen – das gibt in Summe drei Punkte mehr in der ORM. Die Attacke hat sich also gelohnt, dass unser Benzinbruder Michael Lengauer trotzdem mit meinem ex-Auto, dem technisch weit unterlegenen M1-Subaru, vor uns lag gönne ich ihm. Er ist eine geniale Rallye gefahren, hatte immer die richtigen Reifen drauf und hat es absolut verdient. Verdient gewonnen hat Hermann Neubauer trotz einem Highspeed-Abflug am Samstag – 2020 wird eine spannende Saison, in die wir deutlich besser gestartet sind als erwartet. Ich finde, wir haben eine gute Balance zwischen Risiko und Ergebnis gefunden – wie schnell es gehen kann das man abfliegt hat man bei Julian und einigen anderen, erfahrenen Jänner-Piloten gesehen. Danke an alle, die uns unterstützen und diesen Erfolg möglich gemacht haben.“

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