Autowelt

Inhalt

BMW i3s - im Motorline-Test BMW i3s 2018

Kraftpaket

Der i3 ist eher ein Lifestyle-Produkt als ein BMW. Jetzt ging man ein Stück auf gewohntes Terrain zurück und machte den Stromer als i3s sportlicher.

Text: Klaus Brieter/mid, Fotos: Georg Koman

Hier geht's zu den Bildern

BMW meldet steigende Verkaufszahlen beim i3. Seit Ende 2017 rollt er zusammen mit dem i3s über die Straßen. Sein Zwillingsbruder hat noch mehr Dampf unter der Haube und betont seine Figur mit einem etwas sportlicher geschnittenem Anzug.

Das war selbst für altgediente Marketing-Experten eine Überraschung: Der BMW i3 bewegt sich jenseits der bekannten Verkaufszyklen. Denn gewöhnlich erleben neue Modelle nach ihrer Präsentation einen starken Anstieg in der Nachfrage und fallen nach dem Gipfelpunkt ein paar Jahre später in der Kundengunst stetig ab.

Der i3 stieß zwar bei seinem Start im Jahr 2013 auf großes öffentliches Interesse, nur beim Unterschreiben der Kaufverträge hielten sich die Interessenten dann doch zurück. Jetzt, in seinem fünften Jahr melden die Verkäufer begeistert, dass die Bestellungen Jahr für Jahr zunehmen, und es nun schon schwierig wird, mit der Produktion die anschwellende Nachfrage zu bedienen.

Seit November 2017 rollt der i3 mit einem maßvollen Facelift und weiterem Feinschliff in der Technik zum Kunden. Außerdem wurde ihm eine stärkere Version als i3s zur Seite gestellt. Und die hat es faustdick hinter den Ohren bzw. an der Hinterachse.

184 PS gehen dort ans Werk und auch das Drehmoment stieg von 250 auf 270 Newtonmeter. Um die Mehrleistung auch optisch zu dokumentieren, spendierte BMW dem i3s aufregendere Front- und Heckschürzen und eine spezielle Lackierung, außerdem erhielt er ein Sportfahrwerk, das um 10 Millimeter tiefer gelegt und um 40 Millimeter breiter gefasst ist. Lediglich die 155er-Alsphaltschneider-Vorderreifen blieben dran, daher untersteuert auch der i3s in flott angegangenen Kurven kräftig. Trotzdem fühlt sich alles wieder mehr nach einem BMW an.

Zudem offeriert der i3s die Tastenstellung "Sport" am Fahrerlebnisschalter. Ist sie aktiviert, reagiert das Fahrpedal mit einer direkteren Kennlinie, außerdem zeigt die Lenkung einen strafferen Charakter und das dynamischer abgestimmte ESP lässt kleine Driftwinkel zu. Auch ohne diese Schalterstellung sprintet der i3s in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Elektrotypisch wirkt der kleine Flitzer bei diesen Höchstleistungen niemals angestrengt. Fahrpedal auf den Boden gedrückt: Schon stürmt der i3s völlig lautlos nach vorn, als wolle er es der gesamten Autowelt ohne Bellen zeigen, was er für ein toller Hund ist.

Die Rekuperation beim Gaswegnehmen ist enorm kräftig, justierbar - wie bei vielen Konkurrenten - ist sie nicht. Nach kurzer Eingewöhnung stellt man fest, dass man das Bremsopedal praktisch nie benötigt.

Da Reichweite und Fahrstil - wie beim Verbrennungsmotor auch - im engen Zusammenhang stehen, gewinnt beim frechen Stromer von BMW eine ganz andere Dimension an Bedeutung: Wer sich nämlich beim Ausnutzen der Fahrleistungen fein zurückhält, kann es im Alltagsbetrieb sogar bis zu 200 Kilometern Reichweite schaffen. Im sehr brav gefahrenen Test (allerdings ohne Verkehrshindernis-Ambitionen) waren es gar 215 Kilometer.

Glaubt man Statistikern, reicht dieser Wert in den allermeisten Fällen aus, um die täglich anzusteuernden Ziele locker zu erreichen. Wer seine Reichweitenangst beruhigen will, die viele potenzielle Käufer vom Erwerb eines Elektromobils abschreckt, bekommt den i3s gegen Aufpreis (4.600 Euro) auch mit einem "Range-Extender" - ein kleiner Benzinmotor mit 38 PS, der bei leerer Batterie einspringt und den Strom für weitere 150 Kilometer liefert, allerdings bei reduzierter Motorleistung.

Für ein knackiges Stadtauto sind die erhöhte Sitzposition und der steile Heckabschluss goldrichtige Eigenarten, wenn es um Verkehrsübersicht und das Einfädeln in enge Parklücken geht. Die wie ein doppelflügeliges Portal öffnenden Seitentüren sind nicht in jedem Fall praktisch, man kann sie erst öffnen, wenn die Vordertüren bereits offen stehen. Außerdem sind die Fondscheiben nicht absenkbar.

Viertürige Limousine der Kleinwagenklasse, Länge/Breite/Höhe in Metern: 4,06/1,79/1,59, Leergewicht: 1.265 kg, Zuladung: 425 kg, Tankinhalt: Kofferraumvolumen: 260-1.100 l.
Elektromotor: Hybrid-Synchronmotor mit integrierter Leistungselektronik, Heckantrieb, Leistung: 135 kW/184 PS bei 4.800/min, max. Drehmoment: 270 Nm ab 0/min, 0-100 km/h: 6,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h, Norm-Verbrauch: 14,3 kWh/100 km, Norm-Reichweite (NEFZ): 280 km, Reichweite im Test: 215 km.
Österreich-Preis: 42.050 Euro (Deutschland: 41.150 Euro).

Drucken

Ähnliche Themen:

03.08.2018
Pick-ups unter sich

In einem Vergleichstest der großen Pick-up Lastesel haben wir den VW Amarok V6 Canyon dem Fiat Fullback Cross gegenübergestellt.

29.07.2018
Länge läuft

VW verlängert den Tiguan auf das 4,70-Meter-Maß des Skoda Kodiaq und nennt ihn Tiguan Allspace. Sinnvoll oder unnötig? Ermitteln wir im Test.

07.03.2018
Gib 8!

BMW zeigt auf dem Genfer Autosalon eine neue Facette von Luxus: das BMW Concept M8 Gran Coupé, ein Ausblick auf das 8er Gran Coupé ab 2019.

WEC: Silverstone Conway/Lopez/Kobayashi auf Pole

Toyota #7 schlägt im Qualifying zum WEC-Rennen in Silverstone das Schwesterauto der Le-Mans-Champions. GTE Pro: Ford vor Aston Martin.

Flirt mit Folgen BMW C evolution - Elektro-Scooter im Test

Der rein elektrische Scooter BMW C evolution ist außergewöhnlich und mit 14.000 Euro noch nicht einmal so teuer, wie es zunächst klingt.

Starker Bär ABT Sportsline beflügelt Skoda Kodiaq

Wenn man bei ABT in Aktion tritt, freut das dynamikaffine Autofahrer. Jüngstes Beispiel: Der Tuner hat beim Skoda Kodiaq Hand angelegt.

WRC: Deutschland-Rallye Ogier-Reifenschaden, Tänak auf Siegkurs

Nachdem Sebastien Ogier durch einen Reifenschaden viel Zeit verlor, ist Ott Tänak der Sieg bei der Rallye Deutschland kaum noch zu nehmen.