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Mercedes CLS 350 d 4Matic - im Test Mercedes CLS 2018

Klassiker-Potenzial

Mit dem CLS hat Mercedes das viertürige Coupé etabliert. Inzwischen gibt es den den Schönling in der dritten Generation. CLS 350 d im Test.

Dieter Schwab/mid

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Mutige Fahrzeuge machen Geschichte und bleiben für Generationen im Gedächtnis. Der Mercedes CLS wird irgendwann dazu gehören. Noch ist er Gegenwart - in der jetzt dritten Generation.

Dem Trend zu coupé-artig fließenden Linien trotz Viertürer-Layout folgen heute fast alle Mittelklasse-Limousinen. Daran, diesen Trend zu setzen, hat der Mercedes CLS großen Anteil. Als der elegante Ableger der E-Klasse 2003 auf der Frankfurter IAA die Gunst des Publikums prüfen sollte, stand er etwas im Abseits auf einer Zwischenebene der Mercedes-Halle.

Trotzdem wurde die "Vision CLS" von Fachleuten und potenziellen Kunden enthusiastischer gefeiert als der eigentliche Star der Messe, der Super-Sportwagen McLaren-Mercedes SLS. Die Entscheidung für eine Serienproduktion war da längst gefallen, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, den Newcomer schon 2004 in den Verkauf zu bringen.

Der neue CLS ist ein Hingucker geblieben und besser gelungen als Generation zwei mit ihrer allzu wuchtigen Motorhaube. Spätestens, wenn sich die Frontpartie mit großem Grill, kleinen Lichtern und riesigen Lufteinlässen ins Blickfeld schiebt, ruhen die Augen auf der außergewöhnlichen Erscheinung - und zwar wohlwollend.

Die Grundidee der sich bogenförmig fast bis zum Heckabschluss ziehenden Dachpartie ist geblieben. Dazu kommt eine optisch noch höher liegende Fahrzeugschulter. Diesen Effekt hat der CLS der Tatsache zu verdanken, dass er etwas flacher geworden ist. Das wirkt insgesamt noch sportlicher und harmoniert mit dem Charakter des Fahrzeugs.

Das zwei Tonnen schwere Luxusgeschöpf lässt sich erstaunlich behände bewegen. Das Fahrwerk wurde so ausgelegt, dass es wieselflink um die Ecken geht, ohne die geringsten Einbußen beim Komfort zu erlauben.

Mit der variabel übersetzten Lenkung kann man präzise dirigieren. Der leicht hecklastig ausgelegte Allradantrieb bietet dabei nicht nur verlustfreie Traktion, sondern bei entsprechendem Leistungseinsatz auch den kleinen Kick mit dem Heck, der dem CLS bei Kurvenfahrten mehr Agilität verleiht.

Leistung einzusetzen ist überhaupt kein Problem. Die Beschleunigungskraft aus dem herrlich ruhig laufenden Reihen-Sechszylinder schiebt den Wagen spielerisch leicht über die Straße. 600 Newtonmeter liegen bereits bei 1.200 U/min an.

Die Neungang-Wandlerautomatik nutzt die Diesel-Power, um ruckzuck, aber ohne Gezuckel, in die höchste Übersetzungsstufe zu wechseln. Umdrehungen über 2.000 sind kaum nötig, um druckvoll zu beschleunigen. Wer es wissen will, kann den Oberklasse-Benz aber fordern. Seine 210 kW/286 PS sind für einen Sprint auf 100 km/h in nur 5,7 Sekunden gut.

Der CLS kann sportlich, ist im Grunde seines Herzens aber in erster Linie ein Komfortgigant. Die Luftfederung reagiert sensibel auf die schwierigsten Aufgaben. Reaktionen des Fahrwerks auf solche Zustände dringen, wenn überhaupt, nur sehr gedämpft zu den Insassen durch.

Die sitzen vorne sehr bequem in ihren Komfortsitzen und freuen sich über die Ideen, die das Designteam für das Interieur hatte. Aus den einzelnen Elementen Armaturenbrett, Türen, Mittelkonsole wurde eine Einheit hergestellt. Wohin das Auge auch schweift, es wird keinen Bruch der Linien entdecken. Und das Ganze wurde aus Materialien geformt, deren Wert man sehen und fühlen kann.

So erklärt sich auch der Grundpreis des getesteten CLS von 82.920 Euro (Deutschland: steuerlich weit fairere 68.128 Euro). Ein wichtiger Teil des guten Raumgefühls entsteht dadurch, dass mehr Platz als im Vorgänger vorhanden ist. Hier wirkt sich der verlängerte Radstand aus. So genießen auch die Fondpassagiere gute Beinfreiheit, den Kopf einziehen müssen sie allerdings noch immer.

Hoch ist der Anteil der Assistenzsysteme am Fahrkomfort: Wenn es darum geht, den Wagen ohne Zutun des Fahrers im Stau zu bewegen, oder das Kommando auf der Autobahn weitgehend der Elektronik zu überlassen, ist die Mercedes-Technik auf hohem Niveau. Die Vernetzung von Abstandsradar, Brems- oder Spurhalteassistent dient darüber hinaus der Sicherheit.

In Summe ist der CLS ein technisch orientiertes Designerstück, das man gerne schon jetzt besitzen würde und nicht erst in 50 Jahren, wenn sich der Mercedes vom Kult- zum Spekulationsobjekt entwickelt hat.

Viertüriges, fünfsitziges Oberklasse-Coupé, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.988/1.890/1.435/2.939 mm, Wendekreis 11,6 m, Gewicht 1.935 kg, Zuladung 610 kg, Kofferraum: 520 l, Tankinhalt 50 l.
Motor: Sechszylinder-Reihe-Dieselmotor mit Turbo, Hubraum 2.925 ccm, Leistung 210 kW/286 PS bei 4.600 U/min, Drehmoment 600 Nm bei 1.200 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 250, Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 5,7 Sekunden, permanenter Allradantrieb, 9-Gang-Automatik, Durchschnittsverbrauch: 6,0 l/100 km; CO2-Emission 159 g/100 km.
Preis: 82.920 Euro (Deutschland: 68.128 Euro).

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