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VW Golf Sportsvan 1.6 TDI - im Test VW Golf Sportsvan 2018

Raumgleiter

Der Van-Bruder des VW Golf - der Golf Sportsvan - wurde via Facelift optisch und technisch modernisiert. Wir testen ihn mit 115-PS-Dieselmotor.

Georg Koman

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Die Bezeichnung Golf Plus entsorgte VW zum Ende der ersten Generation, weil der Van-Bruder des Golf gern als "Golf 50 Plus" veräppelt worden war. Doch auch nach der Umbenennung in "Sportsvan" mit dem Modellwechsel vor drei Jahren kommen seine treuesten Fans aus der älteren Generation.

Na und? Man steigt in den Golf Sportsvan aufgrund der größeren Türausschnitte eben bequemer ein, und außerdem sitzt man höher, was wiederum den Ausstieg leichter macht. Wer diese Vorteile genießen und kein üblicherweise kostenintensiveres SUV erstehen will, findet im Sportsvan eine interessante Alternative.

Im Zuge des Facelifts hat VW das Äußere des Sportsvan etwas gestrafft. Die Stoßfänger sind neu gezeichnet, es gibt neue Halogen-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und neue LED-Scheinwerfer, die LED-Rücklichter sind jetzt serienmäßig.

Neue Felgendesigns sind ebenso zu haben wie neue Details in Sachen Interieur - etwa bei den Dekoren, Ledersitzen oder Stoffen. Verbessert haben die Wolfsburger auch die Basisausstattung, etwa mit dem Radio Composition Colour und dem Müdigkeitsassistenten.

Wie gehabt ist die Fondbank nicht nur 2:1 klapp-, sondern auch um bis zu 18 Zentimeter verschiebbar, dazu kann man sie auch noch in der Neigung verstellen. Das Ladevolumen beträgt satte 520 bis 1.520 Liter. Wird der verstellbare Ladeboden in der oberen Position fixiert, entsteht eine annähernde ebene Ladefläche.

Insgesamt sitzt man nicht nur vorne sehr bequem, sondern vor allem auch hinten. Die Raumverhältnisse sind nach allen Richtungen extrem Großzügig, man glaubt eher, in einem Mittelklasse-Kombi zu sitzen als in einem lediglich 4,35 Meter langen Kompaktfahrzeug.

Ein kräftiges Update erfuhr das Infotainmentsystem. In der Basis gehört zum Radio ein 5-Zoll-Touchscreen, die aufpreispflichtigen Systeme Composition Media und die Navi-Versionen Discover Media und Discover Pro sind an 6,5 und 9,2 Zoll große Bildschirme gekoppelt, die sich hoch oben im optimalen Blickfeld befinden. Die Bedienung sorgt für keine Probleme, alle Schalter erklären sich quasi von selbst.

Neue Assistenzsysteme gibt es ebenfalls: Etwa den Front-Assistent mit Fußgängererkennung und City-Notbremsfunktion, den Stau-Assistent, der teilautonomes Fahren bis 60 km/h ermöglicht, dazu der Notfall-, Park- und Trailer-Assistent.

Startet man den 115 PS starken 1,6-Liter-TDI, fällt sofort auf, dass er sehr leise und ruhig läuft. Ein Turboloch leistet er sich praktisch nicht, von 0 auf 100 km/ benötigt er 11,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 194 km/h.

Das maximale Drehmoment liegt bei ordentlichen 250 Nm, die vollzählig zwischen 1.750 und 3.200 Touren anstehen. Sehr oft muss man daher nicht zum Schalthebel greifen, obwohl dieser optimal positioniert ist und das Getriebe sich sehr exakt schalten lässt.

Überholen stellt kein Problem dar, der TDI-Motor bringt zwischen 1.500 und 3.000 U/min sein maximales Drehmoment von ordentlichen 250 Nm. Nicht ganz zeitgemäß muss man mit fünf Gängen auskommen, dank des hohen Drehmoments ist die Übersetzung allerdings lang, weshalb der Motor auch auf der Autobahn nicht mit hohen Drehzahlen nervt.

Man kommt zwar ohne SCR-System zur Stickoxid-Reduktion aus, dafür erfüllt der Motor auch nicht die aktuellste, strenge Abgasnorm Euro 6d-Temp. Wer diesbezüglich auf Nummer sicher gehen will, muss den Sportsvan 1.6 TDI mit Siebengang-DSG und EUro 6d-TEmp-Einstufung bestellen (Aufpreis: 2.150 Euro). Der Verbrauch ist so oder so bescheiden: Der Normmix-Wert liegt bei 4,2 Litern, im Test kamen wir mit 4,8 Litern durch.

Die Lenkung arbeitet recht direkt und sehr präzise, dabei ist sie leichtgängig und auch der Wendekreis liegt bei nur knapp über elf Metern. Erwähnt gehört auch die vorzügliche Rundumsicht, die sich vor allem im Stadtgebiet bezahlt macht, die großzügige Verglasung des Sportsvan macht’s möglich.

In der einfacheren Ausstattung "Comfortline" sind unter anderem Klimaanlage, beheizbare E-Außenspiegel, E-Parkbremse, Alufelgen, Radio, Bluetooth, USB und Fernbedien-Zentralsperre an Bord. Für sämtliche Assstenzsysteme und weitere Komfort-Goodies muss die umfangreiche Aufpreisliste bemüht werden. Dann steigt der Preis recht schnell, ausgehend vom ohnehin nicht wirklich günstigen Basistarif von 29.430 Euro.

Plus
+ großzügiges Raumangebot für Passagiere und Gepäck
+ exzellente Über- und Rundumsicht
+ bequemer Ein- und Ausstieg
+ gute Material- und Verarbeitungsqualität
+ guter Durchzug, geringer Verbrauch

Minus
- als "Comfortline" eher bescheiden ausgestattet
- preislich nur im Vergleich zum größeren Touran günstig

Resümee
Nach dem Facelift wirkt der gewohnt geräumig-übersichtliche VW Golf Sportsvan innen und außen moderner, die meisten neuen (Assistenz- und Konnektivitäts-)Features sind allerdings nur als Extras erhältlich. Der 1,6-Liter-TDI glänzt mit guten Manieren und einem sehr niedrigen Verbrauch, der Preis ist weniger manierlich.

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