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Formel 1: Interview

„Shield“ aussichtsreicher als „Halo“?

Die Piloten reagieren zaghaft optimistisch auf den "Shield"-Feldversuch - Noch viel Entwicklungsarbeit - RBR gegen alles, aber "Büchse der Pandora ist geöffnet".

Der neue Cockpitschutz "Shield" könnte größere Chancen auf eine Einführung in der Formel 1 besitzen als sein Vorgänger "Halo". Das suggerieren nach einem ersten Test durch Sebastian Vettel im Freien Training zum Großbritannien-Grand-Prix die Reaktionen der übrigen Piloten - trotz der Kritik, die der Ferrari-Star nach seiner Jungfernfahrt übte. "Es sieht von außen bereits ordentlich aus, aber es fehlt einiges an Entwicklung", fasst Toro-Rosso-Fahrer Carlos Sainz die Lage zusammen.

Auch bei Force India zeigt man sich zaghaft optimistisch: "Das Konzept ist gut und wir stehen als Team voll dahinter", meint Esteban Ocon, räumt jedoch ein, dass Vettels Aussagen auf ihn "nicht wirklich vielversprechend" gewirkt hätten. Das heißt: "Shield" muss auf das Zeichenbrett zurück und verfeinert werden, um Symptome wie Schwindelgefühle, verzerrte Sicht und unangenehme Luftströme zu eliminieren. Eine Einführung 2018 erscheint vor dem Hintergrund mehr als fraglich.

Überhastete Schritte wären nicht im Sinne der Piloten, die keine unausgereifte Technik wollen. "Die FIA wird es nicht einführen, ehe wir es unter allen Bedingungen getestet haben", so Sainz. "Bis es nicht zu 99 Prozent entwickelt ist, wird es nicht kommen. Es muss fast perfekt sein." Auch Sergio Perez beschreibt einen Spagat zwischen Eile und Geduld: "Von außen sieht es nicht schlecht aus. Es muss etwas her, womit wir mehr Sicherheit schaffen. Nur darf es nicht für neue Probleme sorgen."

Williams-Kollege Lance Stroll bringt es auf den Punkt: "Das Aussehen ist nicht so wichtig wie die Sicherheit." Für Red-Bull-Teamchef Christian Horner jedoch ein wichtiges Argument, um "Shield" gegenüber "Halo" den Vorzug zu geben - womit er exemplarisch für die Meinung fast aller Aktiver steht, die sich bisher dazu geäußert haben. Der Brite bezeichnet die Konstruktion, die an den "Aeroscreen" der eigenen Ingenieure erinnert, als ästhetischer. Versöhnen kann sie den Puristen nicht.

"Für mich bedeutet Formel 1 offene Cockpits. Risiken gibt es immer. Man denkt ja auch nicht über Überrollbügelbügel für MotoGP-Motorräder nach", winkt Horner ab. "Als Sebastian aus dem Auto ausgestiegen ist, sah es aus, als hätte er sich verletzt." Ähnlich stark graust es Romain Grosjean, der auf einen zusätzlichen Kopfschutz verzichten will: "Ich habe klargestellt, dass ich gegen alles bin - 'Halo', 'Shield' oder was auch immer. Eines ist so schlecht wie das andere. Keine Formel 1 eben!"

Der Haas-Fahrer spricht davon, dass die Piloten hinter den Kulissen gespalten wären. Ob die Skeptiker es aber schaffen, die von der FIA für 2018 anvisierte Einführung eines Systems zu verschieben oder sogar ad acta zu legen, bezweifelt Horner. Es gäbe politische Gründe, die mit der Sicherheitsagenda des Präsidenten des Automobil-Weltverbandes zusammenhingen: "Jean Todt hat es zu einer großen Sache aufgebaut. Jetzt zurückzurudern wird schwierig für ihn. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und es wird irgendetwas passieren. Aber was? Ich habe keine Ahnung." Die FIA möglicherweise auch nicht.

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