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Formel 1: Interview

Vettel denkt erstmals an Rücktritt

Nicht wegen Charles Leclerc, sondern wegen des Reglements ab 2021 schließt Sebastian Vettel einen Formel-1-Rücktritt nicht mehr aus.

Sebastian Vettel steht bis Ende 2020 bei Ferrari unter Vertrag; was danach passiert, ist offen. Für den 31jährigen ist nicht in Stein gemeißelt, dass er seine Karriere 2021 fortsetzen wird, da er besorgt ist, dass sich die Formel-1-WM unter Mehrheitseigner Liberty Media in eine seiner Meinung nach falsche Richtung entwickelt.

"Mein Vertrag läuft bis 2020. Ich bin sicher, dass ich dieses und nächstes Jahr fahren werde", sagte Vettel im Interview mit der Sunday Times. "Danach weiß ich nicht, was mit dem Reglement passiert; das weiß bisher niemand. Ich kann jedenfalls nicht hier sitzen und sagen: 'Ich werde die Formel-1-WM nicht verlassen, nur um weiterhin Formel-1-Fahrer zu sein.'"

Der vierfache Weltmeister hat in der Vergangenheit immer wieder seine Präferenz für puristisch angelegte Regeln geäußert. Die lauten V8-Saugmotoren haben ihm mehr zugesagt als die V6-Hybride mit Turbolader – eine Batterie gehört seiner Meinung nach in die TV-Fernbedienung und nicht in einen Formel-1-Boliden, und den Klappflügel DRS würde er am liebsten wieder loswerden.

Vettel definiert die Formel-1-WM nach wie vor als Kampf Mann gegen Maschine und Mann gegen Mann – und jedweder Schnickschnack, der in erster Linie dazu dient, den Sport für die Zuschauer interessanter zu machen, verwässert seiner Meinung nach das Profil der fahrerischen Klasse im Motorsport.

Einen direkten Zusammenhang dieser Entwicklung mit Rechteinhaber Liberty Media deutete Vettel nicht an, aber er sagt: "Viele der Werte, die es einmal gab, gibt es heute nur noch teilweise. Die Formel 1 ist mehr eine Show und ein Business als ein Sport. Das kann man vielleicht auch über andere Sportarten sagen, aber da betrifft es den eigentlichen Sportler nicht so sehr wie bei uns."

Vettel wünscht sich vor allem, dass die Formel-1-WM endlich eine klare Zukunftsvision entwickelt und dieser dann auch folgt. Das ist bekanntlich der Plan von Libertys Sportdirektor Ross Brawn. Bevor der Brite an Bord kam, gab es jedoch eine Regeländerung nach der nächsten, manchmal ohne von außen erkennbare strategische Ausrichtung oder Plan.

In der Woche vor dem Grand Prix von Bahrain fand in London ein Treffen der Strategiegruppe der Formel-1-WM statt, bei dem die Weichen für eine erneute Regelreform ab der Saison 2021 gestellt wurden. Vettel fordert von den Entscheidungsträgern, ein klares Konzept zu erarbeiten, dem dann auch konsequent gefolgt werden soll.

"Es braucht einfach eine Entscheidung, was wir wollen", so der Ferrari-Fahrer. "Wenn wir sagen, wir sind eine Show, dann machen wir eine Show, aber ich habe das Gefühl, dass wir eine Menge Zeit und Energie mit Regeln verschwenden, die nur teuer sind, aber nichts bringen."

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