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VLN: ADAC Westfalenfahrt

Christian Menzel: „Verarschung der Zuschauer“

Beim ersten Lauf der VLN platzte Christian Menzel der Kragen als es um das leidige Thema des Sandbagging ging.

Foto:VLN

Bei Christian Menzel hat sich Wut aufgestaut - schon seit einiger Zeit. Der 46-Jährige gilt als einer der schärfsten Kritiker sämtlicher Maßnahmen, die in den vergangenen zehn Jahren am Nürburgring Einzug gehalten haben. Eine davon ist das regelmäßige "Sandbagging" der Hersteller in den VLN-Rennen zu Saisonbeginn vor dem 24-Stunden-Rennen. Menzel, der sich gemeinsam mit seinem Sohn Nico und Leonard Weiss (Sohn von Wochenspiegel-Chef Georg Weiss) einen Ferrari 488 GT3 teilt.

Während des VLN-Auftakts platzt ihm bei einem Besuch in der Sprecherkabine endgültig der Kragen, als er von seinem ersten Stint berichtet. "Leute, das ist peinlich, was ihr da aufführt! Das ist eine Verarsche den Fans und dem Sport gegenüber. Kommt ihr euch denn nicht bescheuert vor?", poltert er in Richtung der großen Hersteller am Ring. Regelmäßig steht bei den Läufen vor dem 24-Stunden-Rennen der Vorwurf im Raum, dass die werksunterstützten Team absichtlich langsam fahren, um eine bessere Einstufung für das prestigeträchtige Rennen zu erzielen oder zumindest nicht eingebremst zu werden.

Viele Teams hielten sich bei der Westfalenfahrt so auffällig zurück, dass es schon wieder auffällig war. Fahrzeuge, die vergangenes Jahr noch um den Sieg gekämpft haben, hatten auf den siegreichen Manthey-Porsche (der von den Vorwürfen eindeutig auszunehmen ist) plötzlich Minutenrückstand. "Wer so ein Sandbagging betreibt, sollte gnadenlos bestraft werden", findet Menzel und verweist auf die USA, wo beispielsweise bei den 24 Stunden von Daytona explizite Regeln existieren, die Sandbagging bestrafen.

Doch wie wird getrickst? Menzel hat es durchschaut: "Da gibt es Autos, die keine Leistung haben, weil sie völlig überfettet fahren. Ich bin heute hinter einem Fahrzeug hergefahren und hatte Tränen in den Augen davon. Das habe ich zum letzten Mal als Kind erlebt, als ich in den 70er-Jahren im Stau stand. Und dann verändern die mal für eine Gerade ihr Mapping und fahren plötzlich davon." Bedeutet konkret: Es wird absichtlich zu viel Kraftstoff eingespritzt, wodurch der Motor an Leistung verliert.

Auch bei Manthey Racing grinst man ob des äußerst einfachen Sieges von Kevin Estre, Earl Bamber und Laurens Vanthoor nur hämisch. Teamchef Nicki Raeder sagt: "Vor dem 24-Stunden-Rennen haben wir den Vorteil, dass viele Fahrzeuge mit angezogener Handbremse fahren. Diese Siege haben wir vergangenes Jahr schon gerne mitgenommen und machen das dieses Jahr auch wieder." Ganz so einfach ist die Grenze zwischen bewusstem Sandbagging und missglücktem Experiment aber nicht zu ziehen. Viele Teams nutzen die ersten VLN-Läufe auch zum Materialtest.

Das zweite Fahrzeug, das eindeutig voll fuhr, war das Auto der Teamkollegen von Menzel/Menzel/Weiss, der Wochenspiegel-Ferrari #22 (Weiss/Kainz/Krumbach). Mit ein Grund, warum Menzel sich für ein Engagement beim WTM-Team entschieden hat. "Bei Wochenspiegel habe ich so eine Polit-Scheiße nie erlebt, man hört immer nur Positives", so der ehemalige DTM-Pilot, der mit den beiden Youngstern bei der Ferrari-Premiere auf Platz 19 im Gesamtklassement kam.

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