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ORM: Waldviertel-Rallye

Vorschau auf die kleineren Klassen

Spannung auch in der 2WD-Wertung, der historischen Meisterschaft, den diversen Rallyecups und beim Finale der European Rally Trophy

Foto: Harald Illmer

Ein echter Krimi zeichnet sich bei der Waldviertel-Rallye in der Klasse der zweiradgetriebenen Fahrzeuge ab: Der Steirer Daniel Wollinger im Renault Clio R3 (Bild oben) geht mit lediglich zwei Punkten Vorsprung auf den Oberösterreicher Simon Wagner (Citroën DS3 R3) ins Rennen. Beide Piloten waren noch nie österreichischer Staatsmeister, und auch sonst waren sie heuer ziemlich synchron unterwegs: Neben je einem Ausfall haben beide je drei Saisonsiege auf dem Konto.

Wagner geht zuversichtlich an die Aufgabe heran: "Wir haben das Auto komplett überarbeitet, die Waldviertel-Rallye zählt zu meinen absoluten Lieblingsevents, und auf Schotter fühl´ ich mich sowieso wohl. Von da her sehe ich viel Positives. Das ist mein erstes 2WD-Jahr. Da kann man zwar vom Titel träumen, erwarten kann man ihn aber nicht. So gesehen hab´ ich keinerlei Druck, abgesehen davon, dass Daniel Wollinger ja heuer hinlänglich bewiesen hat, dass er auch kein Nasenbohrer ist."

Respekt hat Simon Wagner aber nicht nur vor dem Gesamtführenden, sondern auch vor der familieninternen Konkurrenz. "Ich hoffe, dass mir mein Bruder nicht in die Suppe spuckt." Julian Wagner hat zuletzt mit seinem Opel Adam R2 beachtlichen Speed bewiesen. Wenn er durchkommt, kann er ebenso ein Hecht im Karpfenteich sein wie Michael Kogler im Citroën DS3 R3 oder die starken Ausländer Vaclav Stejskal aus der Tschechischen Republik im Renault Clio R3 und Grega Premrl aus Slowenien im Citroën DS3.

In der Junioren-ÖM hat Simon Wagner den Titel bereits in der Tasche. Dennoch gibt es im Waldviertel ein interessantes Kräftemessen der besten heimischen Nachwuchspiloten mit einigen schnelle Youngstern aus dem Ausland, die im Rahmen der E.R.T. starten. Die schon erwähnten Wagner-Brüder, Christoph Zellhofer (Suzuki Swift 1600), Christoph Lieb (Opel Corsa OPC), Roland Stengg (Opel Adam) sowie Lukas Carlos Stengg (Opel Corsa OPC) vertreten Österreich; der Ire Marty Gallagher, die Tschechen Filip Mares und Karel Kupec (alle Peugeot 208) sowie Felix Griebel (GER/Citroën C2), Vaclav Stejskal (CZE/Renault Clio R3) und Grega Premrl (SLO/Citroën DS3) sind die internationalen Kontrahenten.

Einige Entscheidungen sind noch in den verschiedenen Divisionen des Rallyepokals der OSK offen. In der Division C1 ist der Oberösterreicher Robert Zitta Topfavorit, zumal sein erster Verfolger Gerald Pöschl im Waldviertel nicht dabei ist und die nachfolgenden Peter Ölsinger und Krisztian Hideg fast bzw. Gerhard Aigner gänzlich chancenlos zurückliegen. In der Division C2 hat der Niederösterreicher Martin Kalteis (Mitsubishi Evo VII) gute Chancen auf den Gesamtsieg.

Zwar liegt der Ungar Daniel Fischer noch 20 Punkte vor ihm, aber dieser hat nicht für die Waldviertel-Rallye genannt. Dieselbe Konstellation zeigt sich in der Division C3, in der Alois Winklehner (Peugeot 206) aus Oberösterreich zwar noch mit sieben Zählern hinter Christian Maier liegt – doch der Niederösterreicher fehlt beim Finale. Alles klar ist in der Division C4, in der der Niederösterreicher Christoph Zellhofer bereits als überlegener Gesamtsieger fest.

Hochdramatisch ist die Ausgangslage in der Klasse der historischen Fahrzeuge, in der der Kremser Willi Rabl zwar mit 13 Punkten vor Ex-Staatsmeister Johannes Huber aus Wien (beide Porsche 911) führt, dieser Vorsprung nach Abzug von wie vom Reglement vorgeschrieben zwei Streichresultaten jedoch auf sieben Zähler schmilzt, was im Endeffekt heißt, dass jener der beiden neuer Staatsmeister wird, der im Waldviertel gewinnt. Siegt Rabl vor Huber, wäre er sowieso punktemäßig voran. Siegt Huber vor Rabl ergäbe sich ein Punktegleichstand, womit die Regel zur Anwendung käme, dass der Pilot im älteren Fabrikat nach vorne gereiht wird – und das wäre in diesem Fall Johannes Huber.

An Spekulationen verschwendet Willi Rabl jedoch keinen Gedanken, er nimmt es zumindest nach außen hin mit Humor: "Ich will im Waldviertel definitiv gewinnen. Zum Fahren wäre mir nasses und gatschiges Wetter recht. Für mich selber wär's mir aber warm und trocken lieber, weil ich nämlich mein Auto selber putzen muss." Auch Kontrahent Johannes Huber sieht es pragmatisch: "Wir brauchen nicht zu rechnen, weil's nix zu rechnen gibt. Wer gewinnt ist Meister, basta, und ich werde alles daran setzen, dass ich das bin, wenngleich ich sagen muss, dass Willi heuer der Konstantere von uns zwei war, auch weil ich viel am Auto herumgetüftelt habe. Sollte also er am Ende vorne sein, hat er sich das auch verdient."

Auch im historischen Rallyepokal (Division 1) geht Willi Rabl als Führender vor Johannes Huber ins Finale. In der Division 2 hofft der Niederösterreicher Norbert Tomaschek noch auf seine Chance. Mit der Vergabe des Finales der FIA European Rally Trophy ins Waldviertel wurde Niederösterreich eine seltene, dafür aber umso größere Ehre zuteil. Dass gleich 39 ausländische Teams nach St. Pölten bzw. Grafenegg kommen, ist das erfreuliche Ergebnis. Ermittelt werden die Champions in den Klassen ERT, ERT2, ERT3 und ERT Junior. Insgesamt 36 Piloten kämpfen um die Titel in den jeweiligen Kategorien.

Die NÖ Rallyetrophy, die heuer zum dritten Mal durchgeführt wird, umfasst eine Sonderwertung, in die alle in Niederösterreich durchgeführten Rallyeveranstaltungen mit einem eigenen Wertungssystem eingebunden sind. Dafür gibt es eine Gesamt- und eigene Klassenwertungen, bei der für die Auswertung ein Koeffizientensystem zur Anwendung herangezogen wird. Als Grundlage dient eine von der obersten nationalen Sportkommission eigens genehmigte Ausschreibung.

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