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Jännerrallye 2023: Bericht Lengauer
Angelo Poletto

Sensation: Bestzeit in SP 5, Gesamtrang Vier

Michael Lengauer und sein Co Andreas Thauerböck sorgten bei der Jännerrallye 2023 nicht nur für das wohl zweitspannendste Duell der Rallye, sondern auch ein bisschen so etwas wie eine echte Sensation: Bei ihrer Rally2-Premiere brannten sie nicht nur die SP5-Bestzeit in den Gatsch, sondern sicherten sich am Ende gar Gesamtrang vier.

Mit großer Vorfreude war das Duo Michael Lengauer und Andreas Thauerböck in die „LKW FRIENDS on the road Jännerrallye 2023“ gestartet – der erste Rally2-Einsatz ist für jeden Rallye-Piloten etwas Besonderes, für Michael Lengauer wurde dieser nach außergewöhnlichen Erfolgen im seriennahen M1-Fahrzeug von Bamminger möglich. Das Team Speedlife-Knobi.at bereitete den SKODA FABIA Rally2 gewohnt akribisch vor, noch nie war der FABIA des Teams aus technischen Gründen ausgefallen – diese Serie konnte auch beim ORM-Auftakt in Freistadt fortgesetzt werden. Da Michael Lengauer im Vorjahr auf Einladung des Teams lediglich auf Eis und Schotter einige wenige Kilometer zurücklegen konnte, entschied sich das Team in Zusammenarbeit mit einigen oberösterreichischen Benzinbrüdern Mittwochnachmittag eine kurze Trainingseinheit im Ausmaß von rund 30 SP-Kilometern auf Asphalt einzuplanen, damit Michael vor dem Shake-down zumindest einen ersten Eindruck vom Grip Niveau der beiden Reifensorten bekommen konnte. Den Shake-down nutzte „Lengi“ für Runs mit seinem Co-Piloten und mit Sponsoren, die am Donnerstagvormittag exklusiv „am heißen Sitz“ neben Michael Lengauer Platz nehmen durften.

Die Rallye startete am Donnerstagnachmittag um 16.00 mit der 8,47 KM langen SP Arena Lasberg. Das Duo Lengauer/Thauerböck fuhr die erste SP in einem Rally2-Fahrzeug mit einer Präzision und Speed, die selbst die sehr optimistische Performanceprognose des eigenen Teams übertraf – 3. Gesamtzeit, nur Hermann Neubauer und der WM-Star Adrien Fourmaux waren schneller, Rekordstaatsmeister Raimund Baumschlager verlor auf Lengauers erste SP-Zeit im Rally2 über 10 Sekunden. Entsprechend zufrieden und optimistisch, aber auch mit Sicherheitsreserven, startet das Duo Freitagfrüh in die berühmt-berüchtigte SP Pierbach mit einer 5. Gesamtzeit, auf SP drei und vier folgten eine vierte und eine fünfte SP-Zeit, bevor in SP 5 die Sensation perfekt war – Bestzeit auf der 10,71 Km langen SP Unterweißenbach, Lengauer gewann die 5. Sonderprüfung seines Lebens im Rally2, quasi aus dem Stand - 0,5 Sekunden vor dem Doppelstaatsmeister Simon Wagner im neuen FABIA RS Rally2 und dem WRC-Star aus Frankreich, Adrien Fourmaux. Die Fans jubelten, im Fahrerlager war die Überraschung groß – eine ORM-Bestzeit bei der Rally2-Premiere nach nur 15 Rallyes gesamt, ein vergleichbares Ausrufezeichen muss sehr lange zurückliegen. Auf SP 7 und 8 wuchs nach dem Wechsel auf Slicks der Rückstand auf die Spitze an, zu groß war der Unterschied im Griplevel der Pirelli-Slicks, um das nach so wenigen Testkilometern sofort umsetzen zu können. Bereits auf SP 9 pendelte sich der Rückstand aber wieder auf dem Niveau von etwa 0,5 Sekunden pro KM auf den WM-Star Fourmaux ein, auf den letzten beiden Prüfungen des Tages hieß die Reihenfolge wieder Fourmaux vor Simon Wagner und Michael Lengauer.

Bedingt durch eine Verspätung um wenige Sekunden bei einer Zeitkontrolle bekam das Duo 10 Strafsekunden aufgebrummt, wodurch „Lengi“ Freitagabend um einen Platz auf den 5. Gesamtrang zurückfiel, das Team lag somit 1,6 Sekunden hinter dem oberösterreichischen BRR-Duo Martin Rossgatterer und Jürgen Heigl. Sichtlich verärgert über seinen eigenen Fehler, aber nicht minder konzentriert startet Lengi am Samstag in den 3. und letzten Rallyetag, nach zwei weiteren Top-5 Zeiten hatte Lengauer ihre Konkurrenten um 14 Sekunden distanziert, nach zwei Fehlern von „Rossi“ war das Duell um Rang vier entschieden – die nächsten Verfolger waren jetzt Julian Wagner und Raimund Baumschlager, beide jedoch mit Respektabstand von 56 Sekunden bzw. über einer Minute. Die letzten drei Sonderprüfungen hätte Lengi also ruhig etwas Tempo rausnehmen können – Lengi bevorzugte es aber, Konzentration und Tempo hochzuhalten. Zur Begeisterung vieler Fans legte der „local Hero“ auf der Powerstage noch eine unglaubliche 2. Gesamtzeit hin, nur 1,4 Sekunden hinter dem Doppelstaatsmeister Simon Wagner im neuen FABIA RS Rally2, noch vor dem WM-Star und Jänner Sieger Adrien Fourmaux.

Michael Lengauer: „Ich bin extrem zufrieden mit dem Wochenende. Ich habe nicht gedacht, dass ich mich so schnell auf den FABIA Rally2 einstellen kann. Die Bestzeit war natürlich ein absolutes Highlight, ich hatte nicht erwartet, Adrian Fourmaux bei meiner Rally2-Premiere auch nur auf einer Prüfung schlagen zu können – letztlich ist es mir sogar dreimal gelungen. Das sind genau die sportlichen Highlights, die mich sehr zufrieden machen. Mit dem Team Speedlife-Knobi.at war ich mega zufrieden, auch Andi Aigner und Jürgen Rausch haben mir super Gravel-Notes geliefert, denen ich blind vertrauen konnte – das hat natürlich zusätzlich Sicherheit gegeben. Die Reifenentscheidungen waren immer richtig, der FABIA hat super funktioniert, ich habe mich richtig wohlgefühlt. Wir haben nach dem Reifenwechsel, weg von den Winterrreifen, etwas Zeit gebraucht, bis wir das Potential der Pirelli-Slicks wirklich nutzen konnten. Es hat mich aber gefreut, dass wir uns danach wieder relativ schnell und auch kontinuierlich steigern konnten. Das war eine richtig coole Rallye für uns – vielen Dank an alle, die uns das ermöglicht haben. Natürlich auch an die Fans, die uns über das ganze Wochenende über angefeuert haben – die Kulisse war unglaublich.“

Andreas Aigner, PWRC-Weltmeister 2008: „Für mich ist nicht nur die fahrerische Leistung von Lengi phänomenal, sondern vor allem auch, wie schnell er die Gravelnotes - die wir Andreas Thauerböck jeweils telefonisch durchgegeben haben - umsetzen konnte. Mit dem Tempo in einem Rally2-Fahrzeug mit so wenigen Rallye-Erfahrung das alles auf Anhieb so umzusetzen, das ist für mich unfassbar beeindruckend. Ganz großes Kino – ich ziehe meinen Hut.“

Projektleiter Günther Knobloch: „Für mich steht seit der Rallye W4 2019 im M1-Subaru fest, dass Lengi von allen aktuell aktiven österreichischen Rallye-Piloten das größte Talent hat. Dieses Wochenende hat er nicht nur die 15. Rallye unfallfrei absolviert, sondern dem auch noch eine ORM-Bestzeit gegen zwei WM-Stars und die gesamte österreichische Rallye-Elite der letzten Jahre – Neubauer, beide Wagner-Brüder und Baumschlager - hinzugefügt. Wohlgemerkt in einem vier Jahre alten Rally2 FABIA - der war zwar perfekt vorbereitet, aber je nach Prüfungslayout dennoch um das eine oder andere Zehntel pro Kilometer langsamer als die aktuellsten Rally2-Boliden. Mir war klar, dass Lengi jene Rallyefans, die M1-Fahrzeuge nicht so gut einschätzen können, überraschen wird – dass er mit unserem FABIA den Dominator der vorletzten Jänner Rallye – Julian Wagner – um fast eine Minute und den Rekordstaatsmeister Raimund Baumschlager im neuen FABIA RS Rally2 gar um 1 Minute und 50 Sekunden distanzieren konnte, damit hat er aber sogar mich überrascht. Sogar Walter Röhrl war sichtlich beeindruckt – ich durfte auf der Powerstage für Walter und einige seiner Rallyefreunde den Tourguide machen, als die lebende Rallye-Legende am schnellen Schotterstück von Lengis Linie begeistert war und im alten Stil handgestoppt „Michael, 2 Sekunden schneller als Fourmaux“ gesagt hat, musste ich zufrieden schmunzeln - das wird mir denke ich noch lange in Erinnerung bleiben.“

Folgend auf den außergewöhnlichen Erfolg planen Günther Knobloch und Michael Lengauer zeitnah Gespräche über die Möglichkeit weiterer Einsätze. Da es im Rahmen der Rallye, die von rund 140.000 Zusehern in 3 Tagen live vor Ort und vielen weiteren Fans im TV verfolgt wurde, außergewöhnlich viel Zuspruch für Michael und auch einige konkrete Interessensbekundungen in Hinblick auf die Unterstützung von Michaels Rallye-Karriere gab, wird ausführlich über das weitere Vorgehen beratschlagt. Eine Information über die weiteren Pläne von Michael und die Möglichkeiten zur Unterstützung von Michaels Rallyekarriere ist nach Abstimmung mit aktuellen und weiteren, interessierten Projektpartner für Ende Jänner angedacht.

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