RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Rallye: Kommentar
Foto: At-World

Sportler wecken Emotionen - schlecht?

Die Kolumnen von Peter Klein und Achim Mörtl zur Performance von Johannes Keferböck und Ilka Minor in Finnland wurden heftig diskutiert. Es gab sowohl Zustimmung als auch Empörung - ist das wirklich schlimm?

Kommentar von Noir Trawniczek

Am vergangenen Wochenende ergab eines das andere. Johannes Keferböck und Ilka Minor fuhren bei der heuer besonders brutalen Finnland Rallye um wichtige Punkte für den WRC Masters Cup für Aktive über 50. Es gab nur einen Konkurrenten. Beide fuhren außerordentlich langsamer als der Rest des WRC2 Feldes. Aus der Sicht von Keferböck/Minor völlig logisch: Man führt in der Tabelle des Cups und man hatte drei Möglichkeiten: Urgur Soylu zu schlagen (der aber in der Tabelle weiter hinten liegt) und 25 Punkte zu holen, 17 Punkte für Platz zwei zu holen oder abzufliegen und mit leeren Händen heimzufliegen. Wenn man in Betracht zieht, wie viele zum Teil haarsträubende Abflüge es bei dieser Rallye gab, war die Entscheidung der Österreicher goldrichtig oder zumindest vollkommen verständlich. 17 Punkte sind 17mal besser als gar keine.

Jetzt ist es aber auch so, dass Menschen mit Sportlern mitfiebern. Sie ihnen die Daumen drücken. Und es gibt Experten wie unsere Kolumnisten Peter Klein und Achim Mörtl, die wiederum einen ganz eigenen Blick auf sportliche Leistungen haben.

Unsere Kolumnisten haben auf die Performance von Keferböck/Minor reagiert. Peter Klein zeigte sich in seiner Kolumne verärgert über die hohen Stage-Zeiten, wohl auch weil Johannes Keferböck schon oft gezeigt hat, dass er schneller fahren kann - dass er zudem auch krank war, wusste Klein zu dem Zeitpunkt nicht. Aber den Ärger, den Klein verspürt hat - den kann ich nachvollziehen. Denn auch ich habe mitgefiebert - und war kurz höchst erfreut, als Keferböck/Minor vorne lagen, und danach enttäuscht, dass sie nach der letzten Prüfung wieder hinten lagen. Diese Enttäuschung bringt Peter Klein, wie gewohnt zugespitzt, zum Ausdruck. Doch der langjährige ORF-Reporter hat die gleichen Aktiven auch schon gelobt. Achim Mörtl, der oft einen schonungslos sportwissenschaftlichen Zugang hat, wollte dann noch darstellen, wie groß ein Rückstand von 5 Sekunden pro Kilometer eigentlich ist.

All das kennen wir aus dem Fußball. Wie oft werden da ganze Mannschaften zu Nationalhelden hochgejubelt - doch wenn sie verlieren, werden sie regelrecht in Grund und Boden geschrieben. Nicht selten wird dann der Kopf des Trainers verlangt. Der Fußball ist ganz sicher keine Randsportart, sondern in Österreich Sportart Nummer 1. So falsch kann es also nicht sein, wenn Kolumnisten auch mal ihren Emotionen freien Lauf lassen, denn im Fußball ist das ganz normal.

Natürlich gab es geteilte Meinungen zu den beiden Kolumnen. Manche stimmten zu, fanden die Performance unterirdisch, ärgerten sich so wie Peter Klein. Wobei hier auch der WRC Masters Cup an sich in der Kritik steht. Hier wird heftig gestritten, ob ein Sieg im Masters Cup dann als „Weltmeistertitel“ bezeichnet werden darf. Puristen befürchten, dass sich Keferböck/Minor in eine imaginäre Ehrentafel neben Gr.N-Weltmeister Manfred Stohl (2000) und PWRC-Weltmeister Andi Aigner (2008) eintragen wollen - als weitere Weltmeister. Sicher ist: Es ist auf jeden Fall ein Titel in einem WRC-Bewerb. Man könnte sich auch freuen, wenn so etwas wieder einmal von österreichischen Piloten geschafft wird…

Natürlich geht es hier sehr viel darum, sich die richtigen Rallyes auszusuchen und oft hat man nur wenige Konkurrenten, doch das ist nicht die Schuld unserer Teilnehmer. Und: Man muss natürlich auch die wenige Konkurrenz erst mal besiegen und das ist Johannes Keferböck und Ilka Minor heuer bereits dreimal gelungen. Und so gab es auch jene Stimmen, die meinten die Kolumnen seien respektlos, gehässig und gemein. Ja, Peter Klein ist bekannt für tolle Geschichten aus den goldenen Rallyejahren und auch für eine spitze Feder. Achim Mörtl nimmt sich ebenso kein Blatt vor den Mund. Jedenfalls waren beide Kolumnen von der Meinungsfreiheit gedeckt und unsere Kolumnisten bringen eben auch Lob oder besuchen erkrankte Aktive daheim, um ihnen zu helfen. Da dürfen sie halt auch mal ihren Emotionen Ausdruck verleihen - ja, über den Stil kann man durchaus diskutieren. Wenn Emotionen im Spiel sind, wird manches schärfer formuliert. Doch nicht selten ist es so, dass die besonders Empörten dann wiederum selbst nicht verlegen sind, wenn sie einen der Kolumnisten in den sozialen Medien hart anfassen…

Ich finde: All das sollte sein dürfen! Wer eine Bühne betritt, darf mit Applaus, muss aber auch mal mit Buh-Rufen rechnen. Der Rallyesport geht nicht unter, wenn sportliche Leistungen einmal etwas heftiger diskutiert werden - er geht vielmehr dann unter, wenn diese nicht mehr wahrgenommen werden. Schön wäre, wenn man diese Dinge nicht ganz so ernst nehmen würde. Denn dann könnte man auch sagen: Seien wir doch froh, dass der Rallyesport noch solche Emotionen weckt.

Kolumnen und Kommentare spiegeln die Meinung des jeweiligen Autors wieder und stellen nicht zwingend die Meinung der Redaktion dar.

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

ARC, Rallye Weiz: Bericht Lindner

Hans Georg Linder führt in der ARC-Clubmeisterschaft

Seit 30 Jahren fährt Hans Georg Lindner Rallyes - schon 2012 gelang es ihm, mit einem historischen Fahrzeug ARC-Clubmeister zu werden. Heuer könnte er dieses Kunststück wiederholen...

ARC, Mühlstein Rallye: Vor Nennschluss

Mühlstein Rallye vor Nennschluss: Noch ein Sponsor an Bord!

Mit der Firma Baumentor hat die SG Toolbox Mühlstein Rallye powered by Baumentor (7. & 8. August) einen weiteren Sponsor an Bord holen können. Die Nennliste der Rallye ist bereits gut gefüllt...

Als Reaktion auf die Kolumne von Peter Klein hat sich nun auch motorline.cc-Kolumnist und Ex-Staatsmeister Achim Mörtl zu Wort gemeldet: Über die sportliche Entwertung der Stoppuhr und die absurde Vermarktung im WRC Masters Cup

WRC Finnland: Nach Tag 2 (SP10)

Ogier trozt dem Regen-Chaos

Sebastien Ogier verteidigt am Freitagnachmittag die Spitze bei der Rallye Finnland: Heftiger Regen wirbelt das Klassement durcheinander - Keferböck/Minor im WRC Masters Cup auf Platz 2