Ford oder Alleingang? | 02.05.2026
M-Sport wägt alle Optionen für die WRC-Zukunft ab
M-Sport bestätigt erste Vorarbeiten für ein neues WRC-Fahrzeug - Eine endgültige Entscheidung hängt auch vom Abschluss des Promoter-Deals ab
M-Sport hatte im Januar erklärt, dass man alle Optionen für das neue WRC-Reglement 2027 prüft und zeitnah eine Entscheidung treffen will. Doch auch vier Monate später ist keine Entscheidung für die Zukunft gefallen.
Offiziell ist der Verbleib des britischen Teams über 2026 hinaus noch nicht bestätigt, obwohl erwartet wird, dass das Team auch im kommenden Jahr mit seinem Ford Fiesta Rally2-Fahrzeug am Start sein wird.
Im Rahmen des neuen technischen Reglements der FIA werden Rally2-Fahrzeuge ab 2027 zunächst in einer neuen gemeinsamen Klasse gegen die neuen WRC27-Fahrzeuge antreten.
Das Ford-Team hatte zuvor eingeräumt, dass der Bau eines völlig neuen WRC27-Fahrzeugs nach der neuen Kostendeckelungsformel der FIA für 2027 aufgrund des engen Zeitrahmens unwahrscheinlich ist.
Ein weiterer Faktor, der das Team davon abhält, sich auf die Zukunft der WRC festzulegen, ist der laufende Verkauf der kommerziellen Rechte der Meisterschaft sowie die künftige strategische Ausrichtung unter einem neuen Promoter.
Der Verkaufsprozess an einen neuen Promoter soll sich in seiner Abschlussphase befinden. Als führender Kandidat gilt das französische Automobil-Netzwerk Cosmobilis unter Führung des ehemaligen Formel-1-Teamchefs Eric Boullier.
M-Sport-Teamchef Richard Millener räumt ein, dass die Pläne des Teams bis zum Abschluss dieses Verkaufs offen sind, aber er bestätigt, dass erste Arbeiten für ein neues Fahrzeug begonnen haben, während das Team seine Optionen abwägt.
Eine Zusammenarbeit mit Ford oder einem anderen Hersteller sowie der Weg als eigenständiger Konstrukteur bleiben mögliche Szenarien. "Absolut [alle Optionen für 2028 sind offen], dafür wurden die Regularien entworfen."
"Wir haben uns noch nicht festgelegt. Diese Optionen existieren. Wir warten ab, was am besten funktioniert und wie die langfristige Zukunft des Sports aussieht", sagt Millener gegenüber Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com.
"Es gibt nichts Dramatisches zu berichten, aber im Hintergrund laufen offensichtlich viele Dinge, die sofort in Gang gesetzt werden können, sobald wir die nötigen Informationen haben."
"Was die Entwicklung betrifft, haben wir einige grundlegende Vorarbeiten geleistet, um sicherzustellen, dass wir nicht bei null anfangen müssen, wenn sich etwas ergibt. Wir haben uns die absoluten Grundlagen angesehen."
"Also das Chassis und einige Machbarkeitsstudien zur Karosserieform, die wir uns vorstellen, wirklich die grundlegendsten Dinge." Toyota testet bereits einen neuen Prototypen für das nächste Jahr.
Mehrere Optionen für die Zukunft
Für das Privatteam M-Sport scheint eine Partnerschaft mit einem Hersteller die bevorzugte Option zu sein. Millener sagt, die Gespräche mit dem aktuellen Partner Ford über die Zukunft der WRC laufen weiterhin.
M-Sport begann seine Partnerschaft mit Ford im Jahr 1997 und leitete das Werksteam des blauen Ovals in der WRC bis 2012. Seitdem entwickelt das Team Ford-WRC-Fahrzeuge und tritt als Semi-Werksteam an.
M-Sport betreibt jedoch auch Fords Werksprogramm in der World Rally Raid Championship. "Ford stellt immer Fragen und wir beantworten sie immer. Sie [Ford] haben nach wie vor Interesse an der WRC", so Millener.
"Sie machen ihren Job und wägen jede Meisterschaft ab. Sie sind in vielen Meisterschaften aktiv. Es gibt leider keine konkreten Neuigkeiten zu vermelden, aber wir prüfen auch die Machbarkeit, es auf eigene Faust zu tun."
"Damit M-Sport ein eigenes Fahrzeug realisieren und wir unseren eigenen Weg gehen können, müssen wir noch sicherstellen, dass der Promoter-Verkauf abgeschlossen ist und ein Plan für die nächsten 25 Jahre vorliegt."
"Wir werden nicht viel Geld in ein Projekt stecken, das möglicherweise nicht so läuft, wie wir es geplant haben." Was das nächste Jahr betrifft, hat M-Sport bestätigt, dass es keine Pläne gibt, seinen Fiesta Rally2 weiter aufzurüsten.
"Es wird keine Pläne [für weitere Upgrades] geben. Wir haben zu Beginn dieses Jahres ein großes Upgrade durchgeführt. Wir sind überzeugt, dass das Fahrzeug konkurrenzfähig genug ist, um gegen die anderen Rally2-Fahrzeuge anzutreten."
"Große Änderungen an einem Fahrzeug für eine einzige Saison vorzunehmen ergibt für uns einfach keinen Sinn", sagt Millener. "Wir können nichts garantieren, aber ich kann garantieren, dass wir dabei sein wollen."
"Das Rally2-Fahrzeug ist mit einem realistischeren Budget zu stemmen. Ich hoffe, dass wir damit dabei sein können. Das Ziel ist nicht nur, sich um 2027 Gedanken zu machen, sondern darum, wie wir ein neues Fahrzeug entwickeln. Denn das ist die Zukunft und wichtiger, als ein Jahr mit dem Rally2-Fahrzeug zu bestreiten."



















