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WRC Rallye Estland: Nach Tag 2 (SP16) Sami Pajari steht kurz vor seinem ersten Sieg in der Rallye-WM
Toyota Racing

Pajari hat ersten WRC-Sieg in greifbarer Nähe

Toyota-Pilot Sami Pajari brennt bei der Rallye Estland ein Schotter-Feuerwerk ab und dominiert den Samstag, dahinter tobt ein packender Hyundai-Thriller um Platz drei. Keferböck/Minor liegen im WRC Masters Cup in Führung.

Sami Pajari ist seinem Premieren-Sieg in der Rallye-WM (WRC) einen gewaltigen Schritt nähergekommen: Bei der Rallye Estland, dem neunten Lauf der Saison 2026, lieferte der Finne auch am Samstag auf den schnellen Schotterprüfungen eine fahrerische Meisterleistung ohne jegliche Fehler ab.

Der Toyota-Youngster nimmt deshalb ein komfortables Polster von 25 Sekunden auf seinen Stallgefährten Oliver Solberg mit in den finalen Sonntag. Zuvor krönte Pajari einen kräftezehrenden Mammut-Samstag mit neun Wertungsprüfungen (WP) durch eine beeindruckend souveräne Fahrt.

Bereits am Morgen war Pajari mit 14,7 Sekunden Vorsprung in den Tag gestartet - ein Erbe seiner makellosen Freitags-Vorstellung, bei der er alle sieben Prüfungen für sich entschied. Zunächst baute er diese Führung auf 17,6 Sekunden aus, ehe Solberg den finnischen Siegeszug kurzzeitig stoppen konnte.

Solberg schlägt zurück, doch Pajari kontert eiskalt

Solberg fühlte sich am Steuer seines GR Yaris spürbar wohler als noch am Vortag. Mit Bestzeiten auf den Wertungsprüfungen 10 und 11 knabberte er Pajaris Vorsprung bis auf 14,1 Sekunden herunter.

Am Nachmittag stellte der Führende die alte Hackordnung jedoch gnadenlos wieder her: Mit drei Bestzeiten in Folge auf der Nachmittagsschleife zog Pajari seinem Verfolger endgültig den Zahn. Zwölf von 16 möglichen WP-Siegen gehen bislang auf das Konto des überragenden Finnen.

"Es ist nicht einfach und das soll es auch gar nicht sein", bilanziere Pajari. "Trotzdem fühlen wir uns mit der Führung recht wohl. Morgen stehen aber noch etliche Kilometer an, es bleibt also ein hartes Stück Arbeit. Aber auf der Verbindungsetappe stand ein Fan mit einem genialen Plakat: 'Sami, hör nicht auf Marko [den Beifahrer], gib einfach Vollgas!' Genau das werde ich versuchen."

Auch Solberg zeigte sich versöhnlich. Sein Gefühl im Auto erinnere ihn stark an seine Fahrt zu seinem beeindruckenden ersten WRC-Sieg an gleicher Stelle im Vorjahr. Der Sieger der Rallye Monte-Carlo räumt jedoch ein, punktuell zu viel Vorsicht walten gelassen zu haben, um Reifenschäden zu vermeiden.

"Der Morgen lief definitiv besser als gestern, das Gefühl kommt zurück", so Solberg. "Was noch fehlt, ist die absolute Risikobereitschaft. Und genau die braucht man, um Sami zu knacken - er macht da draußen einen phänomenalen Job! Heute Nachmittag war unsere Reifenwahl vielleicht einen Tick zu optimistisch, das hat es schwer gemacht, permanent am absoluten Limit zu pushen."

Mitreißendes Stall-Duell bei Hyundai um Platz drei

Besondere Brisanz bot der Kampf um den verbleibenden Podestplatz: Die Hyundai-Teamkollegen Adrien Fourmaux und Thierry Neuville lieferten sich einen packenden Schlagabtausch. Aus Fourmaux' 7,5-Sekunden-Polster am Morgen wurden vor der letzten Tagesprüfung hauchdünne 1,9 Sekunden.

Vor allem auf der 15. WP blies ein stark aufzeigender Neuville zur Attacke: Er nahm Fourmaux satte 4,2 Sekunden ab und sicherte sich und Hyundai damit den ersehnten ersten WP-Sieg dieser Rallye. Auf der abschließenden Zuschauerprüfung schenkten sich beide keinen Millimeter - zeitgleich überquerten sie die Ziellinie. Damit rettet Fourmaux den dritten Gesamtrang denkbar knapp in den Sonntag.

"Ein guter Tag, auch wenn der Reifenverschleiß am Nachmittag enorm war", fasst Fourmaux zusammen. "Ich habe alles gegeben, die Prüfungen waren ein echter Genuss. Morgen möchte ich auf den letzten beiden großen WPs einfach noch einmal attackieren."

Neuville gibt sich angriffslustig: "Ich bin happy mit dem Nachmittag und unserem Reifen-Management. Adrien war verdammt schnell unterwegs. Lasst uns morgen zusammen etwas Spaß haben und schauen, wer am Ende oben steht."

Ogier im Niemandsland, Evans bläst zur Aufholjagd

Während die Strecke mit jedem Fahrzeug griffiger wurde, fehlte dem amtierenden Weltmeister Sebastien Ogier am Samstag das entscheidende Tempo, um in den Zweikampf der beiden Hyundai-Piloten einzugreifen. Der Franzose beendete den Tag auf einem isolierten fünften Rang (+1:32,8 Min.).

"Es war definitiv ein etwas langer, aber unauffälliger Tag", resümiert Ogier pragmatisch. "Es wäre ohnehin extrem schwer gewesen, heute noch Plätze gutzumachen. Wir haben unsere Position verteidigt, das war das Ziel. Morgen müssen wir definitiv noch eine Schippe drauflegen."

Trotz des massiven Handicaps, am Freitag als "Straßenfeger" den Schotter räumen zu müssen, startete der Meisterschaftsführende Elfyn Evans am Samstag eine wertvolle Aufholjagd. Von Platz neun stürmte der Waliser vor auf Rang sechs - ein Sprung, der im Titelkampf noch Gold wert sein könnte.

Dabei profitierte Evans auch vom Pech der Konkurrenz: Josh McErlean (M-Sport Ford) musste die Rallye wegen eines Defekts am Auspuffkrümmer vorzeitig beendet. Teamkollege Martins Sesks fing sich auf der neunten Prüfung einen Reifenschaden vorne rechts ein, rettete aber den siebten Platz in den Feierabend.

Sesks rangiert damit deutlich vor einem sichtlich frustrierten Esapekka Lappi (Hyundai), der das Tempo seiner Teamkollegen Neuville und Fourmaux zu keinem Zeitpunkt mitgehen konnte. Die Top 10 runden M-Sport-Pilot Jon Armstrong und der estnische Lokalmatador Robert Virves ab.

Virves nimmt als WRC2-Spitzenreiter einen knappen 10,1-Sekunden-Vorsprung auf den Finnen Roope Korhonen mit in den Schlusstag. Für Toyota-Pilot Takamoto Katsuta verkam der Samstag indes zu einer reinen Test-Session. Nachdem ein doppelter Reifenschaden seinen Freitag vorzeitig beendet hatte, startete er zwar neu, litt aber massiv unter dem Nachteil seiner frühen Startposition.

WRC Masters Cup: Keferböck/Minor führen!

Good News für Österreichs Rallyefans: Nach einem Problem beim Türken Ugur Soylu liegen nun Johannes Keferböck und seine WRC-erfahrene Copilotin Ilka Minor im WRC Masters Cup in Führung. Mit der maximalen Punkte-Ausbeute könnte das K4 Rally Team den Vorsprung in der Masters-Tabelle noch einmal gehörig ausbauen, ehe ein paar jener Rallyes auf dem Programm stehen, die das Austro-Duo nicht bestreiten wird...

Motorsport-Total.com

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