Rallye

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ARC: Herbstrallye

Grande Finale

Gerald Rigler gewinnt das ARC-Finale, vor Maximilian Koch und Martin Fischerlehner - die Titelträger sind Fischer, Steinbock und Lamprecht.

Foto: Harald Illmer, Walter Vogler/Weitsicht.cc

Die legendären Sonderprüfungen der früheren Semperit-Rallye ließen die Fans in Heerscharen zur Herbstrallye Dobersberg pilgern. Beim Grande Finale der Austrian Rallye Challenge blieb auch der sogenannte „Wettergott“ den Rallyefreunden wohlgesinnt: Während der Regen im Vorfeld der Rallye für schwierige Streckenverhältnisse sorgte, blieb es am Samstag niederschlagsfrei.

Mit den Titelentscheidungen in der ARC und der Austrian Rallye Trophy bot das Saisonfinale Spannung bis zum Schluss – außerdem zündete Gerald Rigler, der ARC-Champion des Jahres 2014 zum ersten Mal ein World Rally Car, sodass er klarerweise der Topfavorit auf den Gesamtsieg war…

Dieser Rolle konnte der erst vor vier Jahren vom Enduro- in den Rallyesport „übergelaufene“ 46-Jährige dann auch souverän entsprechen. Mit einer Bestzeit eröffnete er die Rallye, insgesamt konnten Rigler und sein Copilot Martin Rossgatterer sieben von neun SP-Bestzeiten einfahren und schlussendlich mit einem Vorsprung von 40,6 Sekunden den Sieg feiern.

Im Ziel der letzten Sonderprüfung kommentierte Rigler seinen Sieg gewohnt unaufgeregt: „Super war das! Es ist einfach geil, mit diesem Auto zu fahren. Die Rallye war auch wunderbar.“ Auf den Geschmack wäre der ARC-Champion 2014 freilich gekommen, doch ein fixer Umstieg auf die WR-Klasse steht für ihn aus Budgetgründen nicht zur Diskussion: „Das spielt es nicht. Aber wir freuen uns schon auf das kommende Jahr.“ Für 2017 hat Rigler bereits ein Projekt im Köcher, das er vorerst noch nicht verraten möchte…

Bis zum Schluss gab es ein spannendes Duell um den zweiten Platz, das zwischen Martin Fischerlehner im Mitsubishi Carisma GT und Maximilian Koch im Skoda Fabia S2000 ausgefochten wurde. Fischerlehner konnte auf der zweiten Prüfung sogar mit einer Bestzeit überraschen und das Rigler-WRC um drei Zehntelsekunden hinter sich lassen. Der Niederösterreicher hatte mit der Herbstrallye noch eine Rechnung offen, schließlich flog er 2015 als Führender auf der letzten Sonderprüfung von der Strecke. Heuer musste er sich knapp gegen Koch geschlagen geben, nachdem in seinem Mitsubishi der fünfte Gang Probleme bereitete. Am Ende zitterte der frühere Radrennfahrer: „Unser Getriebe macht immer mehr Probleme – ich hoffe, dass wir es noch in den Parc ferme schaffen.“ Letztendlich hatte der „Defektteufel“ ein Erbarmen mit „Fischi“, der damit Gesamtrang drei belegte.

Maximilian Koch gab in Dobersberg ein Comeback nach einem heftigen Unfall vor einem halben Jahr, vom Start weg erklärte der Deutsche: „Ich möchte bei dieser Rallye wieder an mein persönliches Limit herankommen und den Unfall damit verarbeiten.“ Nach dem ersten Durchgang gab Koch ganz offen zu: „Noch bremse ich etwas zu früh, doch es wird mit jedem Kilometer besser.“ Am Ende reichte es sogar noch für eine Bestzeit auf SP8, auch er konnte das Rigler-WRC um drei Zehntelsekunden distanzieren.

Im Vorjahr musste er den Titel abschreiben, nachdem er nach einem Missverständnis einige Meter auf einer nicht offiziellen Strecke fuhr – Daniel Fischer reagierte damals mit Sportsgeist, ein Jahr später krönte er sich mit dem guten vierten Gesamtrang zum neuen Champion der Austrian Rallye Challenge (ARC).

Überglücklich erklärte der Ungar: „Ich freue mich wahnsinnig über diesen Titel, denn ich fahre sehr gerne hier in Österreich – ich liebe die Sonderprüfungen und die Menschen in diesem Land.“ Während er in seiner Heimat Ungarn schon länger keine Rallye mehr absolviert hatte, verspricht er für 2017: „Ich werde gerne wieder in Österreich fahren und freue mich schon darauf, 2017 die Titelverteidigung zu versuchen.“ Seinem Gegner im Titelkampf, Michael Kogler, streute Fischer schon zu Mittag Rosen: „Er fährt verdammt schnell – schließlich hat er nur ein Auto mit Zweiradantrieb.“

Dass Michael Kogler im 2WD-Citroen überhaupt in den Titelkampf kam, verdankt er seiner ausgezeichneten Performance – doch die Nachteile eines 2WD- gegenüber einem Allradantrieb wurden durch die selektiven Bedingungen noch vervielfacht. Kogler hätte nur dann ARC-Champion werden können, wenn es am Wagen von Fischer Probleme gegeben hätte, so war die Enttäuschung auch nicht allzu groß: „Ich gratuliere Daniel zu seinem Titel – ich habe versucht, so schnell wie möglich zu fahren, mehr konnte ich nicht tun.“

Beim großen Showdown der Herbstrallye Dobersberg, einer Schotterprüfung auf dem Areal des Dynamite Offroad Parks in Rappolds, musste Kogler dann auch noch einen weiteren Allrad-Piloten ziehen lassen, zuvor konnte er mit Roman Mühlberger um den fünften Gesamtrang kämpfen. Doch auf der Schotter-SP konnte Mühlberger noch einmal die Allrad-Vorteile ausspielen und dort die entscheidenden zwölf Sekunden herausfahren.

Auch Gernot Zeiringer im Opel Adam R2 büßte auf der abschließenden Schotterprüfung noch einen Platz an den jungen Marvin Lamprecht im Mitsubishi Lancer Evo III ein. Der bereits feststehende Champion der Junioren-ARC konnte damit die für ihn so erfolgreiche Saison mit dem tollen siebten Gesamtrang in Dobersberg abschließen. „Jetzt hoffe ich, dass ich die nötigen Sponsoren finde, um auch im kommenden Jahr wieder fahren zu können“, erklärte der schnelle Rookie.

Steven Schierlinger (Mitsubishi Lancer Evo III) und Gerald Bachler im Subaru nach dem Reglement der neuen M1 Rallye-Masters rundeten die Top 10 ab.

Auf Gesamtrang 14 landeten Markus Steinbock und Harald Bachmayer in ihrem Mitsubishi Lancer Evo V – damit konnten sie die Führung in der Austrian Rallye Trophy für moderne Fahrzeuge halten und ihren ersten Titel feiern.

Steinbock gab ganz offen zu: „Tagsüber war ich schon ein bisschen nervös, aber jetzt freue ich mich umso mehr!“ Sein Hauptgegner im Titelkampf der ART, Peter Brandstätter, fiel ebenso mit Defekt aus wie Thomas Pyringer, der als Tabellendritter nur noch geringe Chancen hatte.

Überglücklich war am Ende Franz Panhofer, der in seinem Toyota Corolla seinen ersten Gesamtsieg in der Gruppe der Historischen feiern konnte. Denn zuvor ging es bei den Historischen dramatisch zu – mit Kurt Göttlicher und Günther Königseder fiel ein Topfavorit nach dem anderen aus.

So konnte sich Mazda-Pilot Gerald Fragner (Copilot Jürgen Pilz) mit dem zweiten Tagesrang vorzeitig zum neuen Champion im Historischen Rallye Cup Division II küren – seine Fans erwarteten Fragner im Ziel der letzten Prüfung mit Wunderkerzen, eine nette Geste. Auf Platz drei der Historischen landete Jürgen Hell-Mühlberger im Volvo 240 Turbo.

Exakt 20 Ausfälle zeigen, wie selektiv diese Herbstrallye aufgrund der schwierigen Streckenverhältnisse war. Auch prominente Piloten „verkühlten“ sich – etwa Martin Kalteis, der am Vormittag mit seinem Mitsubishi Lancer Evo VII einen heftigen Abflug fabrizierte: „Ich habe gleich drei Bäume gefällt, dann hat das Auto auch noch zu brennen begonnen. Ich habe einfach einen Tick zu spät gebremst – jetzt haben wir viel Arbeit, denn der Wagen wurde stark beschädigt.“

Dass kann man auch beim Ford Sierra Cosworth von Kurt Göttlicher sagen, der nach einem Radnabenbruch von der Strecke flog und sich gleich mehrmals überschlug. Angeblich soll bei dem Wrack nur noch der Motor zu verwenden sein. Glücklicherweise blieben die Piloten und Copiloten bei ihren Abflügen unverletzt.

Wieder einmal abstellen musste Walter Mayer: „Der Peugeot hat zu wenig Leistung und wir konnten den Grund nicht herausfinden.“

Die legendären Sonderprüfungen der früheren Semperit-Rallye sind auch an Walter und Jo Michl nicht spurlos vorübergegangen: Das Brüderpaar pilotierte bei der Herbstrallye Dobersberg wie bei vielen anderen heimischen Rallyes den offiziellen Schlusswagen. Die seit den Siebzigerjahren aktiven Brüder, die im Jahr 2003 mit drei Klassensiegen aufzeigen konnten, haben ganz offensichtlich Blut geleckt…

Jo Michl schmunzelt: „Die Prüfungen rund um Dobersberg sind dermaßen schön, dass wir uns gedacht haben: Wir kommen jetzt beide ins Pensionsalter - da haben wir dann auch wieder mehr Zeit für den Rallyesport. Zurzeit diskutieren wir darüber, welches Auto wir bei einem Comeback einsetzen würden. Ganz sicher haben diese wunderbaren Strecken bei uns den Wunsch ausgelöst, wieder einmal kräftig Gas zu geben…“

Ergebnis Herbstrallye Dobersberg nach 9 Sonderprüfungen
1. Gerald Rigler/Martin Rossgatterer (A/A, Ford Fiesta WRC) 57:12,4 Minuten
2. Maximilian Koch/Lisa Brunthaler (D/D, Skoda Fabia S2000) +40,6 Sekunden
3. Martin Fischerlehner/Tobias Unterweger (A/A, Mitsubishi Carisma GT) +42,9
4. Daniel Fischer/Zoltan Buna (H/H, Subaru Impreza GC8) +1:39,4 Minuten
5. Roman Mühlberger/Stefan Langthaler (A/A, Mitsubishi Lancer Evo VI) +2:18,7
6. Michael Kogler/Anja Feuchtner (A/D, Citroen DS3 R3) +2:31,0
7. Marvin Lamprecht/Emanuel Mattes (A/A, Mitsubishi Lancer Evo III) +4:05,6
8. Gernot Zeiringer/Sabine Thaller (A/A, Opel Adam R2) +4:19,9
9. Steven Schierlinger/Peter Medinger (A/A, Mitsubishi Lancer Evo III) +4:26,9
10. Gerald Bachler/Christoph Fischer (A/A, Subaru Impreza WRX STi) +4:36,5

SP-Bestzeiten
SP1: Rigler, SP2: Fischerlehner, SP3: Rigler, SP4: Rigler, SP5: Rigler, SP6: Rigler, SP7: Rigler, SP8: Koch, SP9: Rigler

Die wichtigsten Ausfälle
Kalteis (Unfall), Göttlicher (Defekt & Unfall), Mayer (Aufgabe wegen Motorproblemen), Neulinger (Defekt), Franz (Unfall), Pyringer (Defekt), Pospisil (Technik), Brandstätter (Defekt).

Die Austrian Rallye Challenge-Champions 2016
ARC: Daniel Fischer
ARC Beifahrer: Zoltan Buna
ART: Markus Steinbock
ART Beifahrer: Harald Bachmayer
JuniorARC: Marvin Lamprecht
JuniorARC Beifahrer: Lukas Holzer

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