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Rallye-ÖM: Castrol-Rallye

Praktische Prüfung – verschärfte Version

Ernst Sattler und Hansi Raffler feierten in Jundenburg ihr Rallye-Debüt, mit der Zielankunft darf das junge Duo sehr zufrieden sein.

Ernst Sattler und sein gleichaltriger Freund und Beifahrer Hansi Raffler haben ihre erste Rallye gut hinter sich gebracht. Und es war kein leichtes Unterfangen.

Die erste Rallye, d. h. die Suche nach Erfahrung und Übung hat eben erst begonnen, plus die Erschwernis durch die extrem anspruchsvolle Strecke plus die Besonderheiten des Volvo 740, der im Leistungsgewicht klar unterlegen ist und erhöhte Präzision im Fahrstil erfordert, da kommt einiges an Prüfungen zusammen.

Aber die jungen Steirer ließen sich auf keine Experimente ein und schafften so trotz schwierigster Bedingungen eine sichere Zielankunft. Und sie wurden nicht einmal Letzte, was ja auch nicht so selbstverständlich ist.

Alles ist relativ – es gab schon Fahrer, die bei ihrer ersten Rallye außerstande waren, über den letzten Platz hinauszukommen, und auch von denen ist sehr wohl der eine oder andere im Lauf der Zeit zu einer ernstzunehmenden Sportlergröße herangereift.

Man kann sich vorstellen, was hier auf die jungen Buben zugekommen ist, die sich auch mit dem Ablauf einer Rallye erst vertraut machen mußten: Der Führerschein gerade erst neu, noch keine praktischen Erfahrungen, und als Rallye-Fahrzeug eine serienmäßige Limousine aus den Achtziger Jahren, die nicht einmal besonders sportlich motorisiert ist.

Unter diesen Umständen verzeiht man es ihnen gern, daß sie die erste Prüfung an der letzten Stelle beendet haben. Und auch die zweite.

Auf der dritten Prüfung kam erstmals Bewegung in die Rallye von Ernst Sattler und Johann Raffler: Mit einer 74. Gesamtzeit verbesserten sie sich um drei Plätze. Hier konnten sie auch zum ersten Mal ein wenig die Vorzüge des Volvo 740 nützen, der ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf die Militärzeit geboten hat: Er zeigte sich stabil wie ein Radpanzer.

Gleichzeitig aber auch sehr effizient im Fahrverhalten, sodaß es möglich war, auf der Bergabfahrt am Schotter des Tauern-Wildparks, die durch den Regen im Schwierigkeitsgrad noch zusätzlich erhöht wurde, gegenüber einigen Konkurrenten den Speed etwas zu erhöhen.

Man merkte, daß diese Prüfung den Volvo-Newcomern besonders lag, denn beim zweiten Durchlauf von Oberzeiring, mit sicher deutlich verschlechtertem Streckenzustand, gelang es ihnen, fünf Fahrzeuge zeitenmäßig hinter sich zu lassen. Am Rundkurs Judenburg, dem Formel 1-Kurs von Monte Carlo nicht unähnlich, zeigten sich hingegen die Nachteile der sperrigen Karosserie wieder besonders deutlich.

Daß das 15 Sekunden hinter dem Volvo gestartete Lancia-Team aus Italien, Sandro Sinuello/Ilario Dominutti mit dem um einiges kürzeren und leichteren Lancia Fulvia HF, nach kurzer Zeit zum Überholen ansetzte, ist insoferne nicht überraschend. Dafür lag Kris Rosenberger zu diesem Zeitpunkt aufgrund seines Pechs hinter Ernst Sattler. Das hätte er vor der Rallye sicher nicht erwartet, daß er vor einem Ex-Staatsmeister liegen würde.

Auf der ersten Prüfung des zweiten Tages, der Prüfung Spielberg, erlebten Ernst Sattler und Johann Raffler einen dramatischen Moment, als sie in einer schmutzverschmierten 90-Grad-Linkskurve, wo die Bodenverhältnisse schwer einzusehen waren, leicht nach außen getragen wurden.

Viel weiter hätten sie nicht abgetrieben werden dürfen, denn unmittelbar neben der Fahrbahn befand sich der Beginn eines Waldstückes. Mit entschlossenem Gegenlenken ließ sich ein Zusammenstoß mit den Bäumen gerade vermeiden, der Volvo verriß daraufhin ein paar Male kurz und heftig, aber es ging noch einmal alles gut. Die darauffolgenden Prüfungen verliefen durchschnittlich.

Je schwieriger die Verhältnisse, umso besser waren die Zeiten. So gab es auf der Prüfung „Schmelz“ mit einer 56. Gesamtzeit von 60 Wagen ein kleines persönliches Erfolgserlebnis, die 49. Zeit auf der Prüfung „Gaberl“ brachte noch einmal eine gewaltige Verbesserung.

Auf den letzten beiden SP’s war wieder ein wenig Nachlassen angesagt, man wollte ja die Rallye sicher beenden und nicht zum Schluß noch einen Ausfall aufgrund eines Ausrutschers riskieren.

Das Resümee über die erste Rallye? Eindeutig ein positives. Man darf sich nicht zu sehr von der Optik des 55. Platzes täuschen lassen (von 60 Angekommenen), der mit einem Fahrzeug erreicht wurde, das bei dieser Art von Rallyes klar im Nachteil ist und von einem Fahrer gelenkt wurde, der erst dabei ist, sein Limit zu finden – sein persönliches und das des Fahrzeuges.

Mit etwas Übung läßt sich noch einiges verbessern, außerdem gibt es Rallyes, wo sich mit diesem Auto schon rein grundsätzlich wesentlich mehr herausholen läßt. Der Lerneffekt ist bei aller technischen Unterlegenheit auch von großer Bedeutung, und so billiges Rallyefahren gibt es sonst nirgends. Es bleibt dabei, der Volvo ist das ideale Einsteigerauto.

Das Fahrerteam, das mit seinem ersten Start zu Recht sehr glücklich ist, bedankt sich bei den Firmen Sattler und Greimel für die umfangreiche Unterstützung im Bereich Service-Ausstattung und bei Doris Dusch, Konrad Friesenegger und Günther Baumgartner, die ihr Rallye-Equipment verliehen hatten und auch sonst helfend zur Seite gestanden sind, wo immer es ging.

Bis zur nächsten Rallye von Ernst Sattler wird es wahrscheinlich noch einige Zeit dauern – in diesem Jahr vermutlich nicht mehr – es sind vorerst einmal andere wichtige Dinge zu erledigen.

Die mündliche Reifeprüfung an der HTL Zeltweg nicht mehr, die ist bereits mit gutem Erfolg bestanden. Er wird sicher wieder kommen, und dann auch schon mit ein wenig Erfahrung aus der Praxis. Aus der Praxis, für die Praxis, wie es so schön heißt.

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