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ORM: Schneebergland-Rallye

Guter Speed, aber ein steiniger Weg

Martin Kalteis' erste Schotterrallye der Saison war erst von Motor-, dann Reifen- und schließlich Konzentrationsproblemen bestimmt.

Fotos: Walter Vogler

So ziemlich alles, was Rang und Namen im österreichischen Rallyesport hat, hat sich bei der diesjährigen Schneebergland-Rallye in die Nennliste eingetragen. Damit war bereits von Beginn an klar, dass es für das Team Martin Kalteis und Günter Lang nicht einfach werden würde, nach vorne zu kommen. Dennoch nahm das Team die Herausforderung gerne an. Bei der Besichtigung zeigte sich schnell, dass die Rallye eine der fahrerisch selektivsten Strecken auf Schotter aufwies, bei der auch der kleinste Fehler fatale Folgen haben würde. Enge, nichteinsehbare Schotterstraßen, die entweder steil bergauf oder rasant bergab führen, galt es mit maximaler Geschwindigkeit zu bewältigen, bei der gerade aus diesen Gründen ein perfekter Co-Pilot und Aufschrieb unabdingbar sind.

Martin Kalteis macht seine ersten Gehversuche auf Schotter im heurigen Jahr auf SP 1, da für einen Test weder Zeit noch ausreichend Reifenmaterial vorhanden war, und platzierte sich trotz vorsichtiger Fahrt in den Top 10. Die 28 km lange SP 2 gab genug Zeit, den richtigen Rhythmus auf Schotter zu finden. Mit sehr gutem Gefühl im Auto fegte das Team über die ersten Kilometer der Sonderprüfung. Nach der Hälfte der Prüfung meldete zunächst der Motor erhöhte Wassertemperatur, die man durch Abschalten des Umluftsystems des Turboladers wieder in den Griff zu bekommen glaubte, doch die Temperatur stieg weiter, und die Motorelektronik begrenzte sicherheitshalber die Drehzahl auf die Hälfte, wodurch man den Mitsubishi bis ins Ziel retten konnte. Auf der Verbindungsetappe ließ sich der Motor dann etwas runterkühlen, brachte aber immer noch keine Normalwerte.

Um die Elektronik zu überlisten, steckte Kalteis vor der SP 3 kurzerhand den Wassertemperatursensor ab, um die Elektronik am Eingreifen zu hindern. Dies barg allerdings auch die große Gefahr eines kapitalen Motorschadens. Da es sich aber um eine kürzere Sonderprüfung handelte, war man bereit, dieses Risiko einzugehen, um nicht noch weiter Zeit zu verlieren – und tatsächlich hielt der Motor durch. Ohne Umluftsystem, aber mit voller Motorleistung stand eine fünfte SP-Zeit zu Buche, die auf acht Kilometer um sage und schreibe 22 Sekunden schneller war als im ersten Umlauf. Im anschließenden Service konnte das Wasserleck behoben (und danach die nächste SP in Angriff genommen) werden.

Die Freude am Fahren weilte nicht lange, zog sich das Duo Kalteis/Lang doch inmitten der SP 4 einen Reifenschaden zu, ohne wissentlich etwas getroffen zu haben – so nahm das Drama seinen Lauf. Ein nicht perfekt funktionierender Wagenheber und der Versuch, den Reifen auf einem Bergabstück schnellstmöglich zu wechseln, erwiesen sich als ungeheure Kraftanstrengung, die nur mit vereinten Kräften bewältigt werden konnte. Ausgelaugt durch die Strapazen in der prallen Hitze, angepackt mit Helm, HANS, Overall und Handschuhen, konnte die Fahrt nach minutenlangem Kampf doch fortgesetzt werden. Jene Anstrengungen und die gut 40°C im Fahrzeug drückten das Konzentrationsvermögen von Martin Kalteis auf beinahe Null.

So geschah es, dass der Pilot einige Kilometer später einen Bremspunkt verpasste, und der Evo mit der Beifahrerseite in ein Bachbett rutschte, dort so heftig auf einen Stein aufschlug, dass es den Unterfahrschutz herunterriss, und der Antrieb beschädigt wurde. Zwar schaffte es das Team, den Mitsubishi nach dem Aufprall wieder auf die Strecke zurückzumanövrieren, doch eine Weiterfahrt war nicht mehr möglich. Passiert ist den Piloten glücklicherweise nichts, und auch der Schaden am Fahrzeug hält sich in Grenzen, sodass die weiteren Saisonpläne davon nicht beeinträchtigt werden. Schließlich gibt es heuer ja noch ein paar Rallyes, bei denen man die Großen des Sports ein wenig ärgern möchte.

Großes Lob für die Streckenführung muss man an dieser Stelle dem Veranstalter aussprechen, der den eigentlichen Geist des Rallyesports, die Herausforderung für Mensch und Maschine, mit dieser Veranstaltung wieder aufleben ließ.

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