RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
ORM: Jännerrallye 2020

Nach SP 12: Reifenpoker und Führungswechsel

Vor den letzten beiden Prüfungen führt Hermann Neubauer, der gestern noch hoffnungslos zurück zu liegen schien vor Simon Wagner und Michael Lengauer.

Fotos: Harald Illmer & Daniel Fessl

Mit den restlichen sechs Sonderprüfungen steht heute der alles entscheidende Tag der 35. Internationalen Jännerrallye im Raum Freistadt auf dem Programm. Vier davon sind schon absolviert, und das Resultat von gestern ist auf den Kopf gestellt. Nach mittlerweile insgesamt 12 Sonderprüfungen liegt nämlich plötzlich Hermann Neubauer vor dem gestrigen Leader Simon Wagner in Führung. Zumindest genauso überraschend wie der Führungswechsel ist der momentane dritte Platz des Mühlviertler Lokalmatadors Michael Lengauer.

In der Früh ging es für die noch 59 verbliebenen Starter ins gefürchtete, weil an die 1000 m hoch gelegene Liebenau und dann gleich weiter nach Unterweißenbach, wo blankes Eis und eine gefrorene Schneefahrbahn warteten. Während praktisch alle Teams gestern in der Nacht noch vorsorglich auf Schotter-Fahrwerk und schmale Spikes umstellten, musste Simon Wagner weiter auf breitere Pneus und das am Vortag erfolgreiche Asphalt-Fahrwerk vertrauen, weil es seiner Crew nicht möglich war, den Skoda in der vorgeschriebenen Servicezeit umzubauen. Eine fatale Situation, wie sich herausstellen sollte.

Der Oberösterreicher verspielte in nur zwei Vormittagsprüfungen seinen gesamten Vorsprung von 1:46 Minuten und damit sogar die Führung an Staatsmeister Hermann Neubauer, der nach seinem gestrigen Fauxpas, als sein Ford Fiesta über eine Minute lang nicht anspringen wollte, schon wie der sichere Verlierer ausgesehen hatte. Aber das ist eben Rallye in Reinkultur und die Jännerrallye im Besonderen. Völlig andere Verhältnisse haben hier in Freistadt im Lauf der 35-jährigen Geschichte nicht erst einmal für kapitale Umstürze in der Ergebnisliste gesorgt.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer, an den sich auch Simon Wagner noch klammert: „Am Nachmittag sind noch zwei lange Prüfungen im viel niedriger liegenden Lasberg zu fahren, da kann noch viel passieren. Dort ist es vor allem sicher trocken, und da bin ich dann mit meinem Setup sicher wieder konkurrenzfähig. Ich bin im zweiten Umlauf auf jeden Fall um mein Leben gefahren, um den Rückstand so gering als möglich zu halten.“

Glücklicher schaute da naturgemäß Hermann Neubauer drein. „Wir haben gestern entschieden, das Auto für heute umzubauen. Das ist vorerst einmal aufgegangen. Aber ganz traue ich der Sache noch nicht. Die Jännerrallye hat eigene Gesetze, das habe gerade ich hier schon einige Male erleben müssen. Der Nachmittag wird noch ein unglaublich schwieriges Stück Arbeit. Man weiß hier nie, was passiert. Aber gerade das ist der Flair dieser Rallye.“

Ein für die Tausenden Fans packendes Duell um den dritten Stockerlplatz liefern sich
die Mühlviertler Lokalmatadore Michael Lengauer im Subaru WRX und Martin Fischerlehner im Mitsubishi Evo VI. Derweil hat Lengauer trotz eines Drehers auf SP 11 in Liebenau den Fuß am Podest. Doch sein Vorsprung auf Fischerlehner, der sich auch auf SP 11 an einer Schneestange die Windschutzscheibe zertrümmert hat, beträgt nur 3 Sekunden, also praktisch nichts!

Wie geht es eigentlich Julian Wagner? Der Sieger der letztjährigen Jännerrallye, der gestern wegen einem Radwechsel 12 Minuten und somit jede Chance auf die Titelverteidigung verlor, holte auf den bisherigen vier heutigen Prüfungen drei Bestzeiten und einen zweiten Platz. Für einen Platz unter den ersten 15, also einen, der noch ORM-Punkte bringen würde, sieht er selber jedoch „keine allzu großen Chancen. Ich spekuliere da eher auf die Powerstage am Nachmittag. Da möchte ich wenn möglich voll anschreiben und mir wenigstens die drei Zusatzpunkte holen.“

Einen Führungswechsel gab es auch in der 2WD-Staatsmeisterschaft. Hier holte der Niederösterreicher Michael Kogler (VW Scirocco TDI) seinen Landsmann Michael Franz (VW Golf III Kitcar) von der Spitze. Zwischen die beiden drängte sich nun auch noch der steirische Rookie Luca Pröglhöf (Ford Fiesta) auf Platz zwei.

Ab 14.30 Uhr geht es bei der Jännerrallye mit den bereits angesprochenen zwei Prüfungen in Lasberg in die hochspannende finale Phase. Dort warten noch jeweils 14,3 höchst anspruchsvolle Kilometer auf die Piloten. Zudem zählt die allerletzte SP als Powerstage, bei der die jeweils drei Klassen-Schnellsten Zusatzpunkte (3, 2, 1) holen können.

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

ORM: Jännerrallye 2020

Weitere Artikel:

Jännerrallye: Bericht Wagner

Der Fluch ist gebrochen

Die amtierenden Staatsmeister Simon Wagner und Hanna Ostlender gewinnen die Jännerrrallye 2026 und sind damit seit einem Jahr in Österreich ungeschlagen

Jännerrallye: Bericht Roßgatterer & Wurm

ORM2-Sieg für Roßgatterer

Martin Roßgatterer hat die Jännerrallye in der ORM2 gewonnen. Der Lokalmatador feiert damit gemeinsam mit Andreas Thauerböck seinen größten Karriereerfolg. Teamkollege Manuel Wurm erreichte bei seiner Rally3-Premiere den achten Rang.

Rallye Dakar 2026: 3. Etappe

Ford dominiert - Guthrie neuer Spitzenreiter

Mitch Guthrie gewinnt die dritte Dakar-Etappe - Al-Attiyah und Loeb verlieren einige Minuten - Ford in der Gesamtwertung auf den ersten fünf Plätzen

Jännerrallye: Bericht Knobloch

ORM2-Podium bei der "Jänner" für Knobloch

Das steirisch/oberösterreichische Duo Günther Knobloch und Erik Fürst erreichte im Clio Rally3 das im Vorfeld gesteckte Ziel – das ORM2-Podium bei Auftakt zur TEC7 ORM 2026 im Rahmen der „Jänner“.

Rallye Dakar 2026: Etappe 6

Al-Attiyah übernimmt Führung

Dacia-Fahrer Nasser Al-Attiyah setzt sich mit Sieg auf Etappe 6 an die Spitze der Gesamtwertung - Daniel Sanders dominiert Motorrad-Etappe, kassiert aber Zeitstrafe

Guillaume De Mevius (X-raid Mini) gewinnt die erste Etappe in Saudi-Arabien - Zwei Reifenschäden bei Sebastien Loeb (Dacia) - Yazeed Al-Rajhi verfährt sich in der Wüste