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Formel-1-Tests Jerez

Weniger Aero, mehr Mechanik, keine Fahrhilfen - so soll es sein!

Mit dem Test von profillosen Slicks beschreitet die Formel 1 jenen Weg, den die "Arbeitsgruppe Überholen" erarbeitet hat. Eine dringend nötige Kurskorrektur.

Michael Noir Trawniczek

Vor zehn Jahren hat FIA-Präsident Max Mosley beim (nötigen) Einbremsen der Formel 1-Raketen einen Irrweg betreten - er minimierte mit den Rillenreifen die mechanische Haftung, zugleich wurde in punkto Aerodynamik zu wenig Abrüstung betrieben (weil immer mehr Flügelchen an den Autos wuchsen) bzw. war die Anhebung der Frontflügel für das Windschattenfahren schädlich, das Fahrzeug wurde so nur noch instabiler. Letztlich war der aerodynamische Abtrieb viel größer als der mechanische - was sich als genau verkehrt erwiesen hat.

Nachdem die FIA mit dem gut gemeinten CDG-Wing beinahe in das nächste Fettnäpfchen getreten wäre, haben dann endlich drei anerkannte Praktiker (Pat Symonds, Rory Byrne und Paddy Lowe) in der so genannten "Arbeitsgruppe Überholen" in nur zwei Wochen bei Feldversuchen im Windkanal (mit zwei Autos!) den richtigen Weg aus dem Schlamassel gefunden - die drei Spitzentechniker kam zum Ergebnis, dass für das Erleichtern von Überholmanövern die mechanische Haftung erhöht und der aerodynamische Abtrieb drastisch reduziert werden muss. Auch die profillosen Slicks wurden empfohlen - der über zehn Jahre hinweg beschrittene Irrweg der FIA muss nun also korrigiert werden.

In Jerez wurden bei den laufenden Formel 1-Testfahrten erstmals die Slicks ausprobiert - wobei die meisten Piloten mit der für 2008 vorgeschriebenen Aerodynamik gefahren sind - so auch der Bestzeithalter des ersten Tages Nick Heidfeld und der zweitschnellste Jenson Button. Der Brite war ob des Fahrverhaltens begeistert: "Das hat Spaß gemacht! Es war das erste Mal, dass ich Slicks auf einem Formel 1 gefahren bin, und das Fahrverhalten war viel vorhersehbarer - man kann viel eher erraten, wie sich das Auto verhalten wird."

Super Aguri-Tester James Rossiter fuhr als einziger mit der für 2009 geplanten Aerodynamik (es soll der Aero-Abtrieb um bis zu 50 Prozent verringert werden - steiler, verkürzter Diffuser, keine Zusatzflügel, breiterer Frontwing, höherer Heckflügel) - Rossiter berichtete gegenüber Autosport, dass diese mit den Rillenreifen "unfahrbar" gewesen wäre - mit den Slicks "war es dann doch besser".

Rossiter fügte hinzu: "Ich denke, mit den Slicks verbessert sich das Fahrverhalten in schnellen Kurven und wahrscheinlich kannst du näher an vor dir liegende Autos heranfahren - aber in den langsameren Kurven verliert man ein wenig an Performance." Die Entwicklung der Slicks wäre noch am Anfang, gab Rossiter zu bedenken - der aber auch anmerkte, dass der Wagen mit 2009er-Aerokit und Slicks "schwierig zu fahren" gewesen sei.

Diese ersten Feedbacks zeigen, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet. Der Weg der "Arbeitsgruppe Überholen" muss fortgesetzt werden - weniger Aero-Abtrieb, mehr mechanische Haftung - und dazu keine Fahrhilfen. Dann ist das Fahren prinzipiell vielleicht wieder schwieriger, man kann sich aber wieder an das Heck eines Vordermanns wagen - genau so soll es auch sein. Es darf ruhig schwierig sein, mit einem F1-Auto zu fahren - schließlich handelt es sich um die "Königsklasse".

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