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„Wie ein Begräbnis ohne Leiche“

Offizielles Ende von Raphael Sperrers Dakar 2008 – der Oberösterreicher ist wieder zuhause, und immer noch recht geschockt über die Absage.

Johannes.Gauglica@motorline.cc

Lissabon war am 4. Jänner die Stadt der langen Gesichter - Raphael Sperrer zur Stimmung im Dakar-Tross am Tag der Absage: „Es war wie bei einem Begräbnis ohne Leiche. Mein erster Gedanke war: Ich bin in einem Film. Der nächste war, wie erkläre ich das meinen Partnern und Sponsoren? Und dann: rasch einen Flug buchen, weil alle andern dasselbe machen werden…“

Ein wichtiger Sponsor des Teams Austria 1 hatte 250 Gäste in Portugal, die das Trauerspiel rund um die Absage der 30. Rallye Dakar mitverfolgen mussten. Sperrer selbst ist bei seiner Ankunft am Flughafen Wien-Schwechat der Schock noch deutlich anzumerken: Nach einem Jahr Vorarbeit ist ihm, und auch allen anderen Teilnehmern, das Projekt unter der Hand zerbröselt.

„Bevor eine solche Entscheidung offiziell bekanntgegeben wird, laufen schon hinter den Kulissen die Gespräche. Um 12 Uhr war die offizielle Pressekonferenz, aber zu der bin ich nicht mehr hingegangen, da war schon alles gelaufen.“

Fehler der A.S.O.?

Sperrer sieht eine Mitverantwortung der A.S.O. zumindest in Bezug auf die Routenwahl, denn man hat sich heuer zu 60 Prozent auf Mauretanien konzentriert: „Man hätte wieder durch mehrere Länder fahren sollen. Früher hat man, wenn es in einem Land Sicherheitsbedenken gegeben hat, das Land übersprungen.“ - weiter Fehler: Es gab keinerlei Pläne für eine Ausweichroute: „Heuer haben die Terroristen die A.S.O. auf dem falschen Fuß erwischt.“

Die Absage kam trotz der Sicherheitsgarantien des mauretanischen Staates mit einigen tausend Soldaten zur Bewachung der Rallye. War sie berechtigt? „Darüber kann man nichts sagen, wenn man die zugrunde liegenden Geheimdienstberichte nicht kennt. Aber wenn eine Information erst einmal verbreitet wird, dann ist die im System. Die Ausfallversicherung hätte vielleicht auch nicht mehr mitgespielt.“ – Denn der Veranstalter ist gegen einen Totalausfall der Rallye versichert, bei einem Abbruch der laufenden Veranstaltung sieht die Sache eventuell anders aus.

Wie geht es weiter?

Eine Geld-Zurück-Garantie für die Starter gibt es nicht; auch wenn das Nenngeld zurückerstattet wird, bleiben die bereits angefallenen Kosten für die Vorbereitung. „Die Werksteams haben ihre Budgets, für die ist das ein Abschreibposten. Die Privatfahrer haben ihr Herzblut investiert, manche haben Kredite aufgenommen.“

Galgenhumor: „wer weiß, wofür’s gut ist, vielleicht wäre ich eh nach einer Etappe ausgefallen…“ - Nach einer kurzen Ruhepause gehen Sperrers Gespräche über die weitere Saison 2008 weiter, vielleicht lässt sich ein Ersatzprojekt für Paris-Peking oder im Zug des Rally-Raid-Weltcups zusammenstellen.

Entzugserscheinungen

Das Team Austria 1 soll es jedenfalls weiter geben, trotz verständlicher Zweifel im ersten Moment der Enttäuschung: „Meine erste Rallye ist wegen Tschernobyl abgesagt worden, jetzt die Dakar wegen der Terrorwarnung – ich habe gestern im Hotel noch gesagt, eigentlich wäre das ein guter Moment zum Aufhören. Wären da nicht die Eindrücke, die ich 2006 aus Afrika mitgenommen habe, dann würde ich den Hut draufhauen.“

Aber die Liebe zum Sport ist stärker: „Ich leide seit zwei Jahren unter Entzugserscheinungen vom Fahren. Wenn man die Kilometer der letzten zwei Jahre zusammenrechnet, bin ich eine ganze Dakar gefahren…“ – und dabei soll und wird es hoffentlich nicht bleiben.

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