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WTCC: Salzburgring

Strafenhagel auf dem Salzburgring

Ein Qualifying ohne Finale: Weil niemand der Konkurrenz einen Windschatten bieten wollte, fielen die Schlussrunden aus – jetzt hagelt es Strafen!

Die Zeit lief ab und keiner hat's gemerkt: Die Qualifikation der WTCC auf dem Salzburgring endete äußerst kurios. Denn bei der Schlussattacke der Top 12 kam keine fliegende Runde mehr zustande, weil keiner der Beteiligten die Lokomotive für die nachfolgenden Piloten spielen wollte. So tickten die letzten Sekunden ungenutzt herunter. Und Yvan Muller (RML-Chevrolet) stand auf der Pole-Position.

"Es war verrückt", meint der WM-Spitzenreiter. Er erklärt: "Niemand wollte überholen und in Führung gehen. Und dann lief allen die Zeit davon."

In der Tat: Als die Fahrer realisierten, was die Stunde geschlagen hatte, war es schon zu spät: Die Zielflagge am Salzburgring wurde geschwenkt, noch ehe die fliegenden Runden begonnen worden waren. Es ging jedoch noch eine ganze Stufe kurioser!

Tom Coronel (ROAL-BMW), in Q2 bis dahin noch ohne Rundenzeit, fegte mit voller Geschwindigkeit um den Kurs und versenkte sein Auto nach dem offiziellen Ende des Zeittrainings im Reifenstapel der Fahrerlager-Kurve. "Ich hatte die Zielflagge nicht gesehen und mein Team informierte mich nicht darüber, dass schon Schluss war", sagt der Niederländer. Am Resultat änderte dieser Abflug aber nichts.

Doch der Reihe nach: In Q1 kam es nämlich, wie es nach den Freien Trainings kommen musste. Tom Chilton (RML-Chevrolet) und seine Markenkollegen gaben das Tempo vor, waren aber geringfügig langsamer als am Vormittag. 1:26.570 Minuten reichten jedoch für Chilton, um sicher vor Alex MacDowall (Bamboo-Chevrolet/+ 0,380 Sekunden) und Muller (+ 0,411) den ersten Platz zu belegen.

Michel Nykjaer (Nika-Chevrolet) komplettierte das gute Ergebnis der US-amerikanischen Marke auf Rang vier vor Tiago Monteiro (Honda), der mit einer halben Sekunde Rückstand Rang fünf eroberte. Norbert Michelisz (Zengö-Honda), James Nash (Bamboo-Chevrolet), Rob Huff (Münnich-SEAT), Tom Coronel (ROAL-BMW) und Pepe Oriola (Tuenti-SEAT) gelang ebenfalls der Sprung in die Top 10.

Spannend machten es hingegen die beiden Italiener Gabriele Tarquini (Honda) und Stefano D'Aste (PB-BMW) auf den Positionen elf und zwölf, denn sie blieben nur um Tausendstelsekunden im Bereich für das Weiterkommen. Ex-Champion Tarquini kam nur aufgrund seiner letzten schnellen Runde weiter, während Mehdi Bennani (Proteam-BMW) wegen 0,004 Sekunden aufhören musste.

Eine starke Leistung zeigte Mikhail Koslowski (Lada) als 14., doch Teamkollege James Thompson rollte mit technischen Problemen vorzeitig aus und wurde nur 20. Auf den Plätzen 15 und 16 schieden Fredy Barth (Wiechers-BMW) und Franz Engstler (Engstler-BMW) ebenso bereits in Q1 aus wie Marc Basseng (Münnich-SEAT) auf Position 17 und Rene Münnich (Münnich-SEAT) auf dem vorletzten Platz.

Und in Q2 lief dann zunächst alles nach Fahrplan: Die Chevrolet-Piloten Muller und Chilton knallten im Anlauf in 1:25.756 Minuten und 1:25.961 Minuten neue absolute Bestzeiten auf den österreichischen Asphalt, womit die Entscheidung herbeigeführt war. Natürlich mit neuem WTCC-Rundenrekord, wie man es in diesem Jahr bereits gewöhnt ist. Die Konkurrenz hatte nicht den Hauch einer Chance.

Satte 0,798 Sekunden hinter Muller belegte Weltmeister Huff den dritten Platz, wenige Tausendstel vor MacDowall und Nykjaer. Tarquini und Monteiro reihten sich bei über 0,9 Sekunden Rückstand auf den Positionen sechs und sieben ein, Oriola und Michelisz wurden Achter und Neunter. Nash sicherte sich mit Rang zehn die Pole-Position für Lauf zwei, D'Aste und Coronel dahinter gingen glatt leer aus.

Und warum? Weil sich alle aus den Top 12 darauf versteiften, mit Windschatten noch schneller fahren zu können. Das Problem dabei: Niemand wollte die Initiative ergreifen und die Führung übernehmen, um bloß keinem Gegner zu helfen. So schlich Chilton teilweise im ersten Gang bei nur 30 km/h (!) um den Salzburgring. Und niemand überholte. Die Uhr tickte aber unaufhörlich und schließlich ganz herunter.

Als Coronel und Co. ein Licht aufging, war der Schaden schon angerichtet. Im Falle von Coronel kam es ja dann noch dicker. "Es war ein Alles-oder-nichts-Versuch", meint der BMW-Fahrer. Er hatte alles gewollt und nichts bekommen, außer einem ramponierten Auto. Und Muller und Chilton waren fein raus. "Für uns lief alles prima", sagt Muller. Für alle Anderen geriet Q2 indes zu einer regelrechten Farce.

Eine Farce kommt auf das halbe Feld zu: Denn die Stewards haben wegen des grotesken, unsportlichen Verhaltens im Finale 14 Piloten vorgeladen - es hagelt zahlreiche Strafen, die Startaufstellungen sind daher keinesfalls endgültig, auf dem Salzburgring wartet man nun die umfangreichen geldstrafen und Rückversetzungen ab, die von den Stewards beschlossen werden/wurden...

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