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24h-Rennen Nürburgring Lamy, Mücke, Turner, Aston Martin Vantage GT3, 24h Nürburgring 2014

Vorschau: Audi klarer Favorit

Gelingt Audi mit dem R8 die Titelverteidigung beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring oder kann einer der zahllosen Konkurrenten reüssieren?

Am Wochenende wird die Eifel wieder zum Nabel der Motorsportwelt, denn zum 43. Mal startet auf dem Nürburgring das 24-Stunden-Rennen. Mit 156 gemeldeten Fahrzeugen hat das Starterfeld im Vergleich zu früheren Jahren zwar weniger Masse, dafür aber unvermindert viel Klasse.

GT3-Fahrzeuge von sieben verschiedenen Hersteller, einige schnelle Exoten, vor allem aber das große Feld der kleineren Divisionen versprechen spannenden Motorsport rund um die Uhr. "24 Stunden sind unglaublich lang. Die Gefühle, die man dabei erlebt, sind unglaublich intensiv", sagt Mercedes-Pilot Maro Engel. "Es gibt Freude und Glück, aber unweigerlich geht irgendwas auch immer schief. Es gibt immer wieder Rückschläge, mit denen man kämpfen muss."

Der Kampf um die Krone am Ring findet in diesem Jahr allerdings unter veränderten Vorzeichen statt. Nach dem schweren Unfall von Jann Mardenborough im Nissan beim ersten VLN-Lauf, bei dem ein Zuschauer getötet wurde, dürfen die Piloten in Autos der Topklassen nicht mehr überall auf der Nordschleife nach Lust und Laune Gas geben. Für die Streckenabschnitte Flugplatz und Schwedenkreuz mit ihren Kuppen gilt ein Tempolimit von 200 km/h, auf der Döttinger Höhe ist bei Tempo 250 Schluss. Zudem wurde die Motorleistung der GT3-Autos um fünf Prozent gesenkt.

"Die Tempolimits waren absolut nötig, sonst wäre kein einziges GT3-Auto am Start gewesen. Das darf keiner vergessen", stellt BMW-Pilot Dirk Adorf diese Maßnahme als alternativlos dar. Und beim zweiten VLN-Lauf sowie beim 24h-Qualifikationsrennen habe sich diese bewährt. "Es ist ganz ordentlich umzusetzen, weil es eigentlich immer in Beschleunigungsphasen reingeht. Es muss nicht abgebremst werden, das macht es einfach und ungefährlich."

Diese Ansicht teilen längst nicht alle Fahrer. "Wenn man alleine ist, ohne Verkehr, ist das alles easy und wunderbar", sagt etwa Audi-Pilot Pierre Kaffer. "Wenn aber Autos vor einem und ein paar GT3-Auto hinter einem sind, ist es über die Zeit schon eine Aufgabe, sich auf das Drumherum zu konzentrieren."

Ähnliche Sorgen hat auch Engel: "Ich habe noch etwas Bedenken, ob das nicht einen neuen Gefahrenherd heraufbeschwört. Der Fahrer muss auf deutlich mehr achten. Er hat die Augen nicht mehr permanent auf der Rennstrecke oder in den Spiegeln, sondern muss an gewissen Punkten zusätzlich die Geschwindigkeit im Auge behalten." Auch die Überwachung der Tempolimits habe beim zweiten VLN-Lauf offenbar noch nicht reibungslos funktioniert. "Was mich gewundert hat, war die Tatsache, dass es trotz eines Tempolimits von 250 km/h auf der Döttinger Höhe im Bereich Antoniusbuche Überholmanöver gegeben hat", so der Mercedes-Pilot.

Doch auch mit diesen Einschränkungen ist in diesem Jahr erstklassiger GT-Sport zu erwarten. Dafür sorgt alleine schon das Feld von über 20 Fahrzeugen der Klassen SP9, SP-Pro und SP-X. Und hier hat sich beim zweiten VLN-Lauf ein klarer Favorit herauskristallisiert. "Ich glaube, dass der neue Audi sehr stark sein wird", sagt Adorf. "Ich drücke Audi ganz klar den Favoritenstempel auf, sie können eigentlich nur verlieren. Alles andere als ein Sieg wäre eine Niederlage für sie."

Nach dem Sieg im vergangenen Jahr rüstete Audi 2015 auf uns setzt vier R8 LMS der zweiten Generation ein. Für das Phoenix-Team starten die Titelverteidiger Christopher Haase, Christian Mamerow, Rene Rast und Markus Winkelhock sowie Marc Basseng, Marcel Fässler, Mike Rockenfeller und Frank Stippler. Hinzu kommen zwei neue R8 LMS des belgischen WRT-Teams, das seit vielen Jahren eine feste Größe im internationalen GT-Sport ist.

Bei WRT lauten die Fahrerquartette Mies, Sandström, Vanthoor und Nico Müller sowie Joens, Kaffer, Thiim und Vanthoor. Die Belgier waren es auch, die mit einem Doppelerfolg beim zweiten VLN-Rennen Audi in die Favoritenrolle gerückt haben. "Die Pace, die sie gehen konnten, war schon sehr schnell, und so wie ich unsere Freunde aus Ingolstadt kenne, haben sie noch nicht alles gezeigt", meint Maro Engel. "Daher werden sie mit Sicherheit diejenigen sein, die es zu schlagen gilt."

Pierre Kaffer hingegen gibt zu bedenken, dass die starke Vorstellung in der VLN nicht nur der eigenen Stärke, sondern auch den Fehlern der Konkurrenz bei wechselhaften Wetterbedingungen geschuldet war. "Von außen sah das alles sehr beeindruckend aus, aber andere haben auch gepatzt", sagt er, kommt aber nicht umhin anzuerkennen: "Von der Papierform her sollte man davon ausgehen, dass wir um das Podium beziehungsweise den Sieg mitreden können."

Doch das will auch BMW, das mit dem bewährten Z4 GT3 und den erfahrenen Teams Schubert und Marc-VDS an den Start geht. Adorf, der sich die Startnummer 26 mit Augusto Farfus, Jörg Müller und Nicky Catsburg teilt, möchte sich endlich den Traum vom Sieg bei den 24 Stunden erfüllen. "Bisher fehlte mir die nötige Portion Glück, die man braucht, um das Rennen zu gewinnen", sagt der Deutsche. Doch Adorf weiß, wie der Sieg in diesem Jahr gelingen kann.

"Wir müssen vor allem rennstrategisch stark sein, denn Überholen auf der Strecke wird für uns ganz ganz schwer", sagt Adorf. Denn der BMW ist vor allem in den Kurven schnell, dafür aber bei Beschleunigung und Topspeed einigen Kontrahenten unterlegen. Dennoch glaubt er: "Wenn wir das Glück haben, das uns im vergangenen Jahr gefehlt hat, können wir über ein konstant gutes, schnelles Rennen über die Distanz unsere Erfahrung ausspielen, die andere vielleicht noch nicht haben."

Über reichlich Erfahrung auf der Nordschleife verfügen auch die Mercedes-Mannschaften. Hier schicken Black Falcon und Rowe je zwei SLS AMG GT3 ins Rennen. Stark besetzt ist auch der Flügeltürer der Haribo-Mannschaft sowie das Auto des Zakspeed-Teams. Dort fahren mit Sebastian Asch und Luca Ludwig die Söhne zweier DTM-Legenden, hinzu kommen der aktuelle DTM-Pilot Christian Vietoris und WTCC-Ass Tom Coronel. Auch Mercedes will in diesem Jahr zum großen Schlag ausholen. "Unser Ziel ist schon, um den Gesamtsieg zu fahren", sagt Engel, der im vergangenen Jahr Dritter geworden ist. "Wir wissen aber, dass vieles passen muss, damit man am Sonntag um 16 Uhr auf dem Podest ganz oben steht."

Einer der Geheimtipps im Lager der GT3-Fahrzeuge ist Bentley. Der deutsch-britische Hersteller tritt in diesem Jahr erstmals beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an und hat mit starken Zeiten bei den VLN-Läufen aufhorchen lassen. "Es ist auf jeden Fall ein Auto, das man auf der Rechnung haben muss", meint Engel. Das gilt besonders für die Startnummer 84, auf der mit Lance David Arnold, Jeroen Bleekemolen, Christopher Brück und Christian Menzel vier Nordschleifenasse gemeldet sind.

Außenseiterchancen haben auch die Porsche-Mannschaften Frikadelli und Falken. Bei Frikadelli wird die Stammbesatzung Patrick Huisman und Sabine Schmitz, die am Wochenende parallel auch bei den Rennen der Tourenwagen-WM an den Start geht, von den Werksfahrern Jörg Bergmeister und Patrick Pilet unterstützt. Für Falken fahren wie im Vorjahr Peter Dumbreck, Wolf Henzler, Alexandre Imperatori und der Österreicher Martin Ragginger, die nach Platz vier im Vorjahr heuer aufs Podium wollen.

Pierre Kaffer hat jedoch noch einen weiteren Hersteller auf der Rechnung: "Die Aston Martin sind sehr schnell, hatten aber all die Jahre immer mal wieder ein kleines Problem. Wenn die mal fehlerfrei durchkommen, sind die auch mit dabei." Das gilt für allem für den Vantage GT3 mit der Startnummer 007 und seiner Topbesatzung Pedro Lamy, Stefan Mücke und Darren Turner.

Schön und schnell sind auch die beiden SCG 003c der Scuderia Glickenhaus. Nach dem P4/5, der vor einigen Jahren zum Publikumsliebling wurde, schickt US-Milliardär James Glickenhaus in diesem Jahr zwei neue, spektakuläre Renner auf die Nordschleife, die mit ihrem aggressiven Design fast schon an einen Le-Mans-Prototypen erinnern. Schnell ist der SCG 003c, was Startplatz vier beim 24h-Qualirennen zeigte. "Ich kann mir vorstellen, dass die am Anfang mit dabei sind, denke aber nicht, dass sie über 24 Stunden vorne sind", meint Kaffer. "Über 24 Stunden wird an BMW, Mercedes und Audi kein Weg vorbeigehen."

Neben den Spitzenteams gibt es am Nürburgring aber auch viele unbesungene Helden, denn erst durch das Heer der Teilnehmer aus den kleineren Klassen wird das 24-Stunden-Rennen zu dem, was es ist: dem – gemessen an der Teilnehmerzahl – größten Rennen der Welt. Diese Autos sind auf der Nordschleife das Salz in der Suppe, und um die Klassensiege wird nicht weniger hart gekämpft wie um den Gesamtsieg.

Los geht die Nürburgring-Action am Donnerstag um 15:45 Uhr mit dem freien Training. Am Abend folgt um 19:25 Uhr das erste Qualifying. Am Freitag findet um 9:30 Uhr ein weiteres Qualifying statt, bevor um 17:10 Uhr im Top30-Qualifying die Startplätze der ersten 15 Reihen vergeben werden.

Das Warm-up am Samstag findet heuer nicht statt – wegen des vollen Rahmenprogramms, in dem unter anderem mit der Tourenwagen-WM zum ersten Mal seit über 30 Jahren wieder ein offizieller Weltmeisterschaftslauf auf der Nordschleife ausgetragen wird. Der Start zum 24h-Rennen erfolgt am Samstag um 16 Uhr, dann geht es bis zum Fallen der Zielflagge zwei Mal rund um die Uhr. motorline.cc wird an allen vier Tagen mit News, Fotos und Interviews berichten.

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