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Rallye-WM: Analyse

Rallye-WM 2017 offenste seit Jahren?

Der Wettbewerb in der Rallye-WM dürfte sich so offen wie schon lange nicht mehr gestalten, mehrere Fahrer können Rallyes gewinnen.

Die Rallye-WM ist potentiell so offen wie seit langem nicht mehr. Seit 2004 wurde sie von zwei Fahrern dominiert: Neun Mal in Folge holte sich Sébastien Loeb mit Citroën die Krone, anschließend folgten vier erfolgreiche Jahre von Sébastien Ogier und VW. Vor den meisten dieser Saisonen herrschte praktisch die alleinige Frage vor, wann die WM entschieden sein würde, auch wenn Loeb zwei Mal nur knapp gegen Mikko Hirvonen gewinnen konnte. Ogier zählt auch in diesem Jahr zu den Favoriten, war aber in Monte Carlo und Schweden nicht der dominierende Fahrer.

Am schnellsten war bisher Thierry Neuville. Der Belgier holte im Hyundai i20 WRC zwölf Sonderprüfungen und war in beiden Rallyes auf dem Weg zum Sieg, bis kleinere Fehler zu Ausfällen führten. Deshalb hat Neuville nun schon 40 Punkte Rückstand und wird eine Aufholjagd starten müssen, will er noch im Titelkampf mitspielen. Für Jari-Matti Latvala und das neue Toyota-Team hingegen lief es besser als erwartet. Nach dem überraschenden zweiten Platz in Südfrankreich folgte in Schweden der Debütsieg.

"Seit ich das Team leite, war der Wettbewerb noch nie so eng", zitiert Autosport den Boss von M-Sport, Malcolm Wilson, dessen Team heuer kräftig mitmischt. Bei beiden Rallyes standen seine Fahrer auf dem Podest. Ogier gewann den Saisonauftakt und liegt lediglich vier WM-Zähler hinter Latvala. "Wenn man das neue technische Reglement bedenkt, ist es unglaublich, dass die Autos so eng beisammen sind. Alle vier Hersteller sind gleichauf. Wir können definitiv sagen, dass wir vor einer aufregenden Saison stehen", meint Wilson.

Das Titelrennen war wohl schon lange nicht so offen wie heuer. Man muss bis ins Jahr 2003 zurückblicken, als Petter Solberg beim Finale in Großbritannien Loeb besiegte und sich mit einem Punkt Vorsprung zum Weltmeister krönte. Auch die Saison 2001 ging als eine der spannendsten in die Geschichte ein, vier Fahrer hatten bei der letzten Rallye noch Chancen auf den Titel: Tommi Mäkinen (Mitsubishi), das Ford-Duo Colin McRae und Carlos Sainz sowie Richard Burns (Subaru) griffen nach der Krone, schließlich schaffte es der früh verstorbene Engländer.

Könnte 2017 ein Spiegelbild der Saison 2001 werden? Mäkinen ist nun Teamchef von Toyota und durfte jüngst über den Comeback-Sieg in Schweden jubeln. "Das ist sehr gut für die Meisterschaft. Wir brauchen diesen engen Wettbewerb", betont auch der vierfache Weltmeister bei Autosport. "Es ist sehr interessant, dass so viele Fahrer in unterschiedlichen Autos kämpfen. Was könnte besser sein?"

Latvala und Ogier sind bereits den Druck los, in diesem Jahr den ersten Sieg für ihre neuen Teams holen zu müssen. Andere Fahrer hingegen, allen voran Neuville, stehen unter Zugzwang. Bei der Mexiko-Rallye braucht er wohl zumindest einen Podestplatz, wenn nicht gar den Sieg, um nicht vollends den Anschluss zu verlieren. Auch Citroën blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Im Unterschied zu Hyundai ist der C4 WRC nicht allzu schnell und zudem schwierig zu fahren.

Kris Meeke, der erst zwei WM-Punkte auf dem Konto hat, war in Schweden der Frust ins Gesicht geschrieben. Trotzdem sollte man Citroën nicht abschreiben, die Franzosen sind hinter Lancia die zweiterfolgreichste Marke in der Rallye-WM. "Jeder hat erwartet, dass Citroën vorne dabei, wenn nicht sogar das stärkste Team ist", meint Wilson. "Sie waren ein Jahr lang nicht dabei, um sich auf die Entwicklung zu konzentrieren, aber sie werden zurückschlagen."

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