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Unser WALTER heißt KLAUS(ner)
Foto (Montage): XPB & Daniel Fessl

Unser WALTER heißt KLAUS(ner)

Überwältigend viele Reaktionen auf die Story zur Sperre von Christof Klausner, der sich seit 2004 konsequent immer mehr in die Herzen der Fans gedriftet hat...

Michael Noir Trawniczek

Das Szenario ist wohl nahezu jedem Rallyefan bekannt: Plötzlich werden Zuschauerströme verlangsamt - es wirkt ein wenig wie ein umgekehrter Tsunami: Die „Wellen“ werden abgebremst, kommen mitunter völlig zum Stillstand. Im Epizentrum des Phänomens steht ein großgewachsener, eigentlich seit Jahrzehnten nahezu unverändert gut trainiert aussehender blonder Deutscher, der in stoischer Ruhe konzentriert Autogramme gibt.

Es handelt sich natürlich um Walter Röhrl. Warum der bald 73-jährige zweifache Rallye-Weltmeister, längst in „Rallye-Pension“ und nur noch Gelegenheitspilot, immer noch so viele Fans anzieht wie kaum ein anderer, lässt sich mit den sportlichen Erfolgen alleine nicht erklären. Auch wenn Röhrl immer noch der einzige deutsche Rallye-Weltmeister ist - diese Tatsache allein wird auch das deutsche Rallye-Magazin nicht dazu bewogen haben, sich per 2020 in WALTER umzutaufen.

Dass er in der Einser-Nummer des in Österreich auch mit neuem Namen leider nur per Abo erhältlichen Magazins die Botschaft „Habt Spaß am Autofahren“ versendet hat, bringt uns einer Antwort schon näher. Denn Walter Röhrl verkörpert heute wie kein anderer die „gute alte Rallyezeit“. Und die wiederum wird mit viel Liebe, Leidenschaft und Sentiment ganz gerne ein wenig verklärt - und zwar mit jedem hinzukommenden Jahr ein bisschen mehr. So wird, je weiter die Vergangenheit zurückliegt, beim gemeinsamen Scheren über den „Früher war alles besser“-Kamm so manches zu einer Legende erklärt, das mit der Realität nur entfernt vereinbar ist.

So gilt Walter Röhrl immer mehr als DER Audi quattro-Fahrer, obwohl er mit diesem Auto die wenigsten Erfolge erzielt hatte. Und so wird diese Röhrl-quattro-Achse gerne als Bildnis einer Zeit angesehen, in der noch „richtig autogefahren“ wurde. Wobei man jedoch streng betrachtet dem ersten Alllradantrieb die „Schuld“ für jenen über die folgenden Jahrzehnte erzielten Fortschritt geben muss, der den heutigen Rallyepiloten Kurvengeschwindigkeiten ermöglicht, die damals schlicht unvorstellbar waren.

Nur: Die Faszination Kurvenspeed erlebt man nur noch IM Cockpit - denn von außen wirkt es „wie auf Schienen“. Nicht unamüsant ist die Tatsache, dass bei der Rallylegend San Marino jeder dahinrutschende Lada Szenen-Applaus erhält, während die schnellsten Fahrzeuge (das sind natürlich die modernen) das Publikum überhaupt nicht beeindrucken...

Von Anfang an show-optimiert

Womit wir endlch bei Christof Klausner gelandet sind, der in San Marino längst wie ein Topstar verehrt wird. Weil er dort auch einer ist. Weil er von Anfang an, im Jahr 2004, natürlich bei „seiner“ Jännerrallye erkannt hat, dass die Menschen die Ära des Nichtperfekten, der Heckschleudern, der quer durch die Kurven schlitternden Gruppe B-„Monster“ abfeiern. Ihm selbst erging es als Fan nicht anders: „Ich bin nur wegen dem Driften mitgefahren. Das wollte ich machen - dazu brauchten wir viel Leistung und natürlich sollte es auch sehr laut sein.“

Dass es zu den Lebzeiten der heute so abgefeierten Boliden einfach nicht besser ging und Leute wie Klausner quasi aus der damaligen Not eine Tugend bzw. eine Show entwickelt haben, trübt de Begeisterung nicht. Man könnte sagen: Den Spaß, den Walter Röhrl im ersten „Walter“-Magazin wünscht, haben und erzeugen Klausner und Co.

Doch selbst Klausner, dem es nicht an Selbstbewusstsein mangelt und der vorschlug, man könne ihn bei ORM-Läufen ja am Schluss des Feldes starten lassen, weil dann endlich auch die Backmarker ein Publikum hätten, war ob der gewaltigen Reaktionen auf unseren Bericht zu seiner Sperre beeindruckt. Weil der Crash beim Shakedown zur Jännerrallye nicht nur die Sperre von Klausner als ABC-Fahrer sowie das Verbot von ABC-Autos bei der Jännerrallye 2021 zur Folge hatte, sondern auch sein Auto zerstört wurde, dachten die zahlreichen, nicht nur in Österreich ansäßigen Klausner-Fans nicht nur an Spenendenaktionen - sogar eine Karosse wurde ihm angeboten.

Klausner klärt jedoch auf: „An der Karosserie liegt es nicht, da haben wir sogar eine in Reserve. Es sind eher die kleineren Teile wie Kotflügel, die man sich mühsam zusammentragen muss. Insgeaamt würde ein Neuaufbau zwischen 40.000 und 50.000 Euro kosten, schätzt der 45-Jährige.

Freude & Fahrspaß statt Ergebnis

Wenn man die Summe noch vor dem Sommer zustandebringen würde, wären Starts im Herbst denkbar, sagt Klausner. Allerdings ungeachtet der nicht ganz klar erscheinenden ABC-Sperre des Oberösterreichers: „Unser Programm würde für den Herbst sowieso nur die beiden Legenden-Rallyes beinhalten, das haben wir schon vor dem Saisonstart so festgelegt.“ Auf dem Klausner-Kalender stehen also: Der Kult-Event in San Marino und dessen österreichische „Schwester“ Austrian Rallye Legends.

Warum er in der ORM nicht einfach im Feld startet, was viele Fans wissen wollten, kann Klausner leicht erklären: „Wir bauen den Wagen optimal für unsere Bedürfnisse, eine Show abzuliefern auf, was es auch finanzierbarer macht. Damit dürfen wir aber nicht im regulären Feld fahren. Um dort startberechtigt zu sein, müssten wir noch mehr Geld ausgeben und hätten im reinen Showbetrieb Nachteile.“

Im Moment bleibe also nur abzuwarten, wie und wann es weitergehen könnte, sagt Klausner , auch er habe einen Beruf und ihm würde trotzdem nicht langweilig werden - und wie immer in jedem Satz ein herzhafter Lacher. Auch im letzten: „Ich finde es toll, dass so vele Menschen uns weiterhelfen wollen. Schauen wir mal, was sich ergibt und wenn das der Fall sein sollte, würden wir natürlich gleich mit Vollgas beim Aufbau des Autos loslegen...“

Eines ist klar: So viele Reaktionen konnte in den letzten Jahren kein anderer heimischer Rallyepilot in Österreich auslösen. Mit sportlichen Erfolgen lässt sich das nicht erklären - Klausner fährt nicht für ein Ergebnis sondern für die Freude, die eigene und die der Fans. Höchstwahrscheinlich eine Art „Hoffnungsschimmer“ in einer perfektionistischen, zu Tode reglmenetierten und mitunter wenig genussfreundlichen Zeit...

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