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ORM-Saisonvorausblick
Fotos: Harald Illmer

ORM 2022: Kein Elektro - viel rally2-Interesse

Nach dem „ARC-Feuerwerk“ im Blaufränkischland startet zwei Wochen später die ORM 2022 - warum die E-Motoren verstummen und wer rally2-Einsätze plant...

Noir Trawniczek

Österreichs Rallyesaison wird am ersten März-Wochenende mit dem Auftakt zur Austrian Rallye Challenge (ARC) spektakulär eröffnet - die von Georg Gschwandner 2020 ins Leben gerufene und seither wie ein Fels in der Corona-Brandung stehende Blaufränkischland Rallye darf sich heuer über ein äußerst attraktives Teilnehmerfeld freuen. Mehr als zehn Teams starten in der rally2-Kategorie - mit den ARC-Heroes Gerald Rigler und Martin Fischerlehner (erstmals im Drift Company-Fiesta rally2) oder dem als Pilot beeindruckenden Co Martin Rossgatterer bei seinem rally2-Debüt als Teamkollege von Phillip Kreisel bei BRR-Skoda ergeben sich interessante Konstellationen. Dazu ein sich anbahnendes kurioses Match zwischen dem regierenden Staatsmeister Simon Wagner und Ex-2WD-Staatsmeister und Jung-Teambesitzer Luca Waldherr in rally4-Corsa. Hinzu kommen viele weitere interessante Vertreter der drei großen Teams rund um Franz Sonnleitner, Wolfgang Schmollngruber und Roman Mühlberger und wie so oft in der Challenge ein attraktives Historic-Starterfeld....

Dass die dem Breitensport gewidmete ARC dermaßen stark besetzt loslegt, liegt auch daran, dass einige Teams nach der Absage der Jännerrallye ihren für Freistadt vorgesehenen Start nachholen und/oder sie sich für den bevorstehenden Auftakt der Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft (ORM) im Rahmen der Rebenland-Rallye (18. & 19. März) „warmfahren“ wollen.

Wie wird sich die heimische Rallye-Königsklasse nach dem pandemiebedingten Komplettausfall 2020 und dem doch mitunter schwierigen Vorjahr präsentieren? Die acht, kurzzeitig sogar neun geplanten Läufe ließen bei den Aktiven Sorgenfalten hinsichtlich der Finanzierung aufkommen - nach dem Ausfall der Jännerrallye sind es nun sieben Rallyes, die fünf besten Ergebnisse werden gewertet. Was dürfen wir von der Staatsmeisterschaft 2022 erwarten? motorline.cc hat sich umgehört...

Neuauflage Neubauer vs Wagner

Auffallend ist: Eine dezitierte „ORM-Kampagne“, also ein auf den Titelgewinn ausgelegtes Programm fährt heuer keines der Spitzenteams. Staatsmeister Simon Wagner und sein glückloser Kontrahent Hermann Neubauer, Staatsmeister 2016 und 2019 haben zumindest beide versichert, die ersten ORM-Rallyes auf jeden Fall bestreiten zu wollen - womit man sich auf spannende Sekundenduelle der beiden Champions, wie sie im Vorjahr bereits mehrfach stattfanden freuen darf...

Freilich würde auch Julian Wagner, der jüngere Bruder von Simon, gerne in den Kampf um die ORM-Krone einsteigen, doch in Zeiten wie diesen ist das Lukrieren von Sponsoren noch schwieriger geworden. Immer noch sei er auch beruflich „ziemlich eingedeckt“, sagt Julian, verspricht aber: „Bei der einen oder anderen Rallye werden wir sicher dabei sein.“ Bei der Jännerrallye wäre Julian mit dem Subaru Impreza WRX STI M1 von Bamminger angetreten - mit diesem seriennahen Fahrzeug konnte Michael Lengauer bei der „Jänner“ 2020 den sensationellen dritten Platz belegen - das Ausnahmetalent hat im Lungau den Skoda Fabia rally2 von speedlife-knobi.at probieren dürfen und ist für sein rally2-Debüt auf der Suche nach Sponsoren. Sein Debüt im BRR Skoda rally2 gibt wie erwähnt Martin Rossgatterer - er hält den Ball ganz bewusst flach: „Ich möchte mir da keinen Druck machen und mir einmal ansehen, wie es mir im Blaufränkischland ergeht.“ Weitere Einsätze in der ORM schließt Rossgatterer zumindest nicht aus. Nicht festlegen möchte sich auch sein Stallkollege Philipp Kreisel, was weitere Einsätze im benzingetriebenen Skoda Fabia rally2 von Baumschlager Rallye Racing bei Rebenland- und Lavanttal-Rallye anbelangt: „Das weiß ich noch nicht - das entscheide ich relativ kurzfristig wie es mich freut.“

Elektromotoren verstummen

Klar bestätigen kann Philipp Kreisel jedoch jenes Gerücht, wonach auf Österreichs Rallyepisten die Elektromotoren zunächst einmal wieder verstummen werden. Zumindest, was den Skoda Kreisel RE-X1 anbelangt, bleibt der Prototyp nach der nicht immer einfachen Debütsaison in der Garage: „Dieses Auto wird nur noch für Showzwecke eingesetzt.“ Die überraschende Elektro-Pause habe zweierlei Gründe, erklärt Kreisel: „Wir rüsten heuer bekanntlich nicht nur die rally1-Fahrzeuge der Rallye-Weltmeisterschaft mit den Hybrideinheiten aus, sondern stehen auch kurz vor der Premiere der elektrischen Rallycross-WM, die ja ebenfalls mit einem Kit von uns fährt. Das hat bei uns im Haus Priorität.“ Nach der „heißen Phase“ am Beginn der WRX-Saison im Mai werde man sich wieder dem heimischen Elektro-Rallye-Projekt zuwenden...

Zudem würde man ohnehin auf den Release einer neuen Version des Skoda Fabia im Sommer warten - rund um diesen soll dann erneut ein E-Prototyp entstehen. Ein Rallye-Comeback von Raimund Baumschlager als E-Pilot dürfte - von Testfahrten abgesehen - wohl kaum noch in diesem Jahr stattfinden. Ob der Rekordstaatsmeister die Elektropause mit Einsätzen in einem benzinbetriebenen Fahrzeug überbrücken wird, war vorerst kein Thema.

Kein Thema bleibt laut Manfred Stohl ein ORM-Einsatz eines von STARD entwickelten E-Rallyeboliden. Einmal mehr verwies der in Groß Enzersdorf residierende internationale Technik-Pionier (erster Start eines Elektroautos bei einer Rallye) darauf, dass solche Einsätze nur dann Sinn ergeben würden, wenn sie auch finanziert werden. Längst schon können die Elektrorennwägen direkt gekauft werden. In der „Gerüchteküche“ wird von einem möglichen STARD-Einsatz bei der Mühlstein-Rallye gemunkelt...

Waldherr & Rosenberger in rally2-Autos

„Ich würde es sofort tun“, sagt Luca Waldherr mit einem spitzbübischen Lächeln - gemeint ist die erwähnte „ORM-Kampagne“ mit Fokus auf den Titel. Doch auch der seit einem Jahr hauptberufliche Rennstallbesitzer muss sich „nach der Decke strecken“. Der unlängst erworbene Citroen C3 R5 (rally2) gehört zum wachsenden Angebot von Waldherr Motor Sport - im Blaufränkischland werden von dem jungen Team gleich vier Autos eingesetzt. Waldherr grinst: „Als ich erfuhr, dass Simon im Corsa startet, war klar, dass ich auch im Corsa fahre. Es ist eine gute Chance, mich mit dem regierenden Staatsmeister zu messen.“ Gut ist für WMS auch die enge Kooperation mit Stohl Racing - Österreichs WM-Vierter des Jahres 2006 hat Luca im Vorjahr als Pilot jenes Opel e rally Cupautos auserwählt, den Opel Austria in den internationalen Elektro-Cup sandte - auch auf diesem Gebiet könnten Waldherr und Stohl heuer wieder mit Good News punkten.

Wenn es für den vielbeschäftigten Luca auch keine „ORM-Titelkampagne“ werden sollte - man darf durchaus hoffen, dass der Sohn des unvergessenen Andreas Waldherr bei der einen oder anderen ORM-Rallye den teameigenen R5 (rally2) zünden und damit den Kampf an der Spitze beleben wird.

Viel zuzutrauen wäre wohl auch Kris Rosenberger, der gemeinsam mit seinem langjährigen Copiloten Sigi Schwarz eigentlich schon im Blaufränkischland einen VW Polo GTI R5 (rally2) pilotieren wollte, den Start jedoch wegen adiminstrativer Gründe zurückgezogen haben soll. Unbestätigten Gerüchten zufolge hat der Welten-Abenteurer (zuletzt Platz sechs bei der Safari Classic) jedoch bereits für die zwei Wochen später stattfindende Rebenland-Rallye genannt.

Unbesorgt können jene Fans sein, die beim Saisonauftakt den schwarz-grünen Skoda Fabia rally2 von Johannes Keferböck und seiner weltbekannten Copilotin Ilka Minor vergeblich suchen: Der Vizestaatsmeister 2018, der heuer seine dritte Rallye Monte Carlo im Ziel beenden konnte, muss die erste ORM-Rallye der Saison 2022 aus geschäftlichen Gründen auslassen. Im Fokus des K4 Rally Teams steht heuer eine Art Mischprogramm, weitere internationale Einsätze werden nicht ausgeschlossen. Sicher sei dafür auf jeden Fall ein Start bei der Hartbergerland-Rallye: „Da hab ich noch eine Rechnung offen.“ Im Vorjahr kamen Keferböck/Minor dem Spitzenduo Wagner und Neubauer so nah wie nie - ehe sie einen der seltenen „Kefer“-Abflüge fabrizierten...

Ganz sicher wird auch wieder Günter Knobloch jenen Skoda Fabia rally2 pilotieren, den das speedlife-knobi.at-Team auch anderen Piloten zur Verfügung stellt. Dank der mittlerweile zahlreichen heimischen Teams mit rally2-Autos im Angebot darf man im Grunde bei jeder einzelnen Rallye auf interessante Einsätze in der ORM-Top-Kategorie hoffen - von talentierten Jungpiloten, die ein rally2-Debüt wagen bis hin zu immer noch top motivierten Ex-Weltmeistern wie Andi Aigner ist also im Prinzip bei jedem Lauf eine Überraschung in der Nennliste möglich. So wurde auch Achim Mörtl im Fabia rally2 gesichtet - ob der dreifache Staatsmeister nach seinem Comeback 2013, bei dem er die selbsterklärte Mission, 2WD-Meister zu werden wegen zahlreicher Abflüge vorzeitig aufgeben musste, es tatsächlich noch einmal wissen will? Zumindest hat der Kärntner genau diese Frage in den Social Media Raum gestellt...

Auch im für die 2WD-Staatsmeisterschaft relevanten rally4-Sektor bieten die heimischen Teams jedenfalls ein breites Angebot - es empfehlen sich Jungpiloten wie Daniel Mayer, Luca Pröglhöf, Nikolai Landa und viele mehr.

Und auch die erwähnten Teams rund um Sonnleitner, Schmollngruber, Mühlberger und einige mehr sorgen mit ihren bunt gemischten Fahrzeugpaletten von M1 bis Proto für interessante Aufgebote und regelmäßig neue Gesichter in den Cockpits.

Ob die Historische Rallye Staatsmeisterschaft mit dem zuletzt bereits „traditionell“ attraktiveren Historic-Feld der Challenge mithalten kann, wird sich weisen.

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