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Kommentar: ORF, Rallye-WM und die Zukunft

Kommentar: ORF, Rallye-WM und die Zukunft

Werner Riedl wirft einen Blick auf die Zeiten der legendären ORF-Sendung "SPORT AM MONTAG" und stellt sich die Frage, ob sich die aktuelle Rallye-Weltmeisterschaft wirklich in die richtige Richtung entwickelt.

Werner Riedl – www.rallyearchiv.at – für den Motorline Paddock Corner

Sie war wohl eine der beliebtesten Sportsendungen der Geschichte des ORF. SPORT am MONTAG brachte wöchentlich zur selben Sendezeit (20:15) viele verschiedene Sportarten in damals eindrucksvollen Dokumentationen in die Wohnzimmer der Österreicher. Erstmals 1975 ausgestrahlt, zeichnete bis 1992 der unverwechselbare, aber mittlerweile leider verstorbene Sigi BERGMANN verantwortlich. Über 800 Sendungen gab es in diesem Zeitraum, fast unvorstellbar in der heutigen Zeit. Und TV Marktanteile wie sie heute ebenfalls nicht mehr möglich sind. Sämtliche Nachfolgesendungen, von der “Sportarena” bis “Sport am Sonntag”, konnten in keiner Weise an die Qualität der legendären „SPORT am MONTAG“ Dokus anknüpfen.

Jochen Rindt, Niki Lauda, aber auch Rallyesport

Neben Fußball, Tennis oder dem Wintersport, kam auch der Motorsport keinesfalls zu kurz. Denn spätestens seit Jochen Rindt und Niki Lauda war Motorsport in Österreich keine Randsportart mehr. Eher vielleicht noch der Rallyesport, doch der legendäre Sportjournalist Peter KLEIN schaffte es gemeinsam mit seinem Team (u. a. den begnadeten Kameramännern Helmut DEIMEL und Heribert SENEGACNIK), den Rallyesport in Österreich salonfähig zu machen.

Dabei kam ihm natürlich zugute, mit ausreichend Sendezeit und Kreativität des Gestalters ausgestattet, die Österreicher bei den außergewöhnlichsten Rallyes auf der Welt begleiten zu dürfen. Egal ob mit Weltenbummler Rudi STOHL bei der SAFARI oder HIMALAYA Rallye, mit Franz WITTMANN bei dessen Werkseinsätzen auf Audi und Volkswagen in der WM, oder Sepp HAIDER, Wilfried WIEDNER, Raimund BAUMSCHLAGER, Werner GRISSMANN und Georg FISCHER in Argentinien, den USA, San Remo, Portugal, Monte Carlo, der Elfenbeinküste usw.

Unglaublicher Aufwand

Kaum ein Rallyefan hat damals diese mittlerweile historischen Sport Dokumentationen versäumt. Und damals war man auch noch geduldig genug, die langen Tage bis zur Ausstrahlung der Dokumentationen abzuwarten. Niemand kann sich heute den Aufwand vorstellen, der damals betrieben werden musste, bis das Endprodukt sendefähig war. Meist wurde auf Film gedreht, und abgesehen vom aufwändigen Equipment, musste das Material auch noch entwickelt werden, und nachdem sich die Rallye WM in dieser Zeit auch nicht an fixe Tage halten musste, war man auch da verpflichtet flexibel zu arbeiten.

Heute übrigens unvorstellbar, denn spätestens wenige Stunden nach dem Zieleinlauf, wenn nicht ohnehin bereits im Livestream übertragen, muss ein solcher Beitrag bereits beim potenziellen Kunden, dem Fan auf dem Bildschirm welcher Art auch immer laufen. Und dann kann man natürlich keine zweifelsfrei zeitlosen Filmdokumente wie sie damals bei SPORT AM MONTAG ausgestrahlt wurden erwarten. Wir haben übrigens über 80 dieser Dokumentationen von den späten 1970er bis in die 1990er Jahre (und jene der Nachfolgesendung „Sportarena“) in unserem Archiv gesichert.

Seelenlose Rallye-WM?

In wenigen Wochen startet bereits die Rallye Weltmeisterschaft 2024 mit der legendären Monte Carlo Rallye in den französischen Seealpen. Leider wurde auch dieser Königin des Rallyesports schon vor vielen Jahren ihrer Seele beraubt, überhaupt kann man heute den Ablauf aller Weltmeisterschaftsläufe übereinander legen, man würde mit ganz wenigen Abweichungen dasselbe Schema erkennen. Dass dies dem Promoter und damit auch der Vermarktung geschuldet ist, liegt auf der Hand. Nachtetappen gibt es schon lange keine mehr, denn wie könnte man denn damit die aus der Retorte stammenden Bildberichte (Uhr)zeitgerecht an die Öffentlichkeit bringen.

Wer erinnert sich noch an eine Korsika Rallye, Sonntags gestartet, mit 30 Sonderprüfungen über 600 Kilometer, keine einzige Prüfung doppelt gefahren. 1986 sogar mit über 1000 Kilometer, und die letzte Prüfung auch die längste der Rallye: 83 Kilometer! Und das mit ihren tausenden Kurven. Oder die Safari Rallye, wo man zu Beginn der 1990er Jahre mit „klassischen“ Sonderprüfungen begonnen und damit auch dessen Charakter grundlegend geändert hatte. Eine RAC oder Großbritannien Rallye mit Besichtigungsverbot wäre alleine technisch gar nicht mehr möglich, nachdem alles von jedermann/frau aufgezeichnet und wahllos verbreitet werden könnte.

Fragwürdiges Punktesystem

2024 startet die Rallye WM mit einem neuen Punktesystem. Ein System, das selbst der eingefleischte Fan nicht mehr kapiert. Und auch nicht kapieren will, denn wenn man zwar am Samstag Abend bereits gute Punkte – theoretisch – einfahren konnte, ein doppelter Reifenschaden am Sonntag als Beispiel, aber das ganze Wochenende zunichte machen könnte, man mag gar nicht daran denken. Denn wozu diese Reifenbeschränkung. Das Argument der Kostenreduktion kann da nicht gelten, denn ein Satz Reifen ist wohl noch das geringste Übel, nicht mal erwähnenswert.

Da kämpft man um jeden einzelnen Starter in der Rally1, lässt diese nach einem Ausfall oder Unfall und übler Strafzeit auch im Bewerb, jedoch scheiterte es nicht nur einmal an einem einzigen fehlenden Ersatzreifen dass man dennoch aus dem Bewerb genommen wurde. Übrigens, ein neuer Reifensatz vor der Powerstage am Sonntag hätte genügt, um die Teams auch am letzten Tag ordentlich angasen lassen zu können. Und wenn man explizit schon erwähnt, dass der Gesamtsieger gar nicht zwingend die meisten Punkte mit nach Hause nehmen muss, lässt einem weiter zweifeln an der Sinnhaftigkeit dieses neuen Systems.

Schwieriges Herstellerumfeld

Auch ob es 2025 oder spätestens ein Jahr später, überhaupt noch ein drittes Werksteam in der WM geben wird, steht ohnehin in den Sternen. Denn Ford kann man für die nächste Saison durchaus aus der Liste der potenziellen Podiumsanwärter nehmen. Bei allem Respekt zu Adrien Fourmaux und Grégoire Munster: Mit Ott Tänak, Thierry Neuville und Elfyn Evans wird das Duo nicht annähernd mithalten können. Selbst Takamoto Katsuta als Stammfahrer ist stärker einzuschätzen, wohl ebenso die dritten und vierten Fahrer bei Hyundai und Toyota. Das Argument der notwendig gewordenen zahlenden Fahrer bei Ford kann man auch nicht gelten lassen, denn ob aufgrund dieser neuen Konstellation und den damit verbundenen Erfolgsaussichten Hauptsponsor RB nicht auch noch die Reißleine zieht – siehe das Repsol Honda Team in der motoGP nach dem Abgang von Marc Marquez – kann auch niemand sagen.

Und nachdem Toyota nun auch ein durchaus attraktives und erfolgversprechendes Rally2 Fahrzeug präsentieren wird (mit Pierre-Louis Loubet und Sami Pajari als Aushängeschilder in Monte Carlo), und damit auf dieser Ebene Geld lukrieren kann, fehlt dies bei Ford mittlerweile zur Gänze. Der Fiesta ist schon lange nicht mehr konkurrenzfähig und deren Fahrer zu Skoda abgewandert, und ein Puma Rally2 ist wohl nicht in Aussicht. Einzige Einnahmequelle für Ford also, zahlende Rally1 Piloten, und das klingt nun nicht unbedingt vielversprechend für die Zukunft. Aber wir werden sehen wie sich der Rallyesport entwickeln wird, mit dem neuen Reglement, und ob tatsächlich weitere Hersteller Interesse an einer zugegeben sehr kostenintensiven Rallye WM zeigen, auch ohne Hybrid.

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