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Jännerrallye 2023: Bericht Simon Wagner
Benjamin Butschell

Saisonauftakt nach Maß

Der Mauthausener Rallye Staatsmeister fährt bei Jänner Rallye in einer Liga mit WM-Werkspilot: Simon Wagner und Beifahrer Gerald Winter belegen bei der Jännerrallye Platz 2 und gewinnen die Powerstage. Einzig der französische Ford-Werksfahrer Adrien Fourmaux kann die beiden knapp hinter sich halten.

Nach der pandemiebedingten Absage in 2022 bildete die als klimaneutrale Veranstaltung prämierte 36. Internationale Jänner Rallye heuer wieder wie gewohnt den Auftakt Staatsmeisterschaft und lockte nicht nur ein prall gefülltes Teilnehmerfeld, sondern auch weit über hunderttausend Besucher ins schöne Mühlviertel. Der Veranstalter selbst titelte dabei bereits im Vorfeld der Veranstaltung: „Anzahl der Sieganwärter hoch wie nie!“, und versprach Aktiven wie Fans zu Recht einen spannenden Kampf um Sekunden. Schließlich hatten sich neben Wagner und anderen nationalen Größen wie Raimund Baumschlager, Bruder Julian Wagner oder Herrmann Neubauer mit dem Franzosen Adrien Fourmaux und dem für Luxemburg startenden Gregoire Munster auch zwei aktuell in der Weltmeisterschaft aktive Piloten angekündigt. Die beiden letzteren nutzen die Jänner Rallye als finalen Test für den Ende des Monats bei der Rallye Monte-Carlo ausgetragenen Startlauf der heurigen World Rallye Championship.

Bereits beim Shakedown am frühen Donnerstagvormittag machten Simon Wagner und Gerald Winter jedoch deutlich, dass sie nicht vorhatten, sich von der starken Konkurrenz beeindrucken zu lassen und markierten schon im allerersten Umlauf die absolut schnellste Zeit des Prologs. Besonders bemerkenswert daran ist, dass die knapp drei, nördlich vom Rallye Zentrum in Freistadt gefahrenen Kilometer dabei zugleich auch die überhaupt ersten Asphaltkilometer Wagners im brandneuen Skoda Fabia RS Rallye 2 waren.

„Der Skoda Fabia RS Rallye 2 ist ein unglaubliches Auto“, schwärmt Wagner entsprechend bereits vor dem eigentlichen Start der Rallye. „Ich durfte das neuste Modell aus dem Hause Skoda Motorsport im vergangenen Jahr zwar in der Schotterspezifikation mit entwickeln, auf Asphalt bin ich den Boliden aber, bis auf ein minimales Roll-Out im Zuge der Abholung, tatsächlich noch nie gefahren. Bereits der Skoda Fabia Rallye 2 Evo, also der Vorgänger des RS, hat uns in den vergangenen beiden Jahren ja bereits treue Dienste geleistet. Mit der neuen Evolutionsstufe können wir aber mit Sicherheit noch mal eine Schippe drauflegen, sobald wir uns richtig an das Auto gewöhnt und neue Fahrwerkseinstellungen und Set-Up Spezifikationen ausreichend erprobt haben.“, so Wagner weiter.

Dass der Oberösterreicher die ersten dieser „Erprobungen“ bei der Jänner Rallye quasi direkt unter Wettbewerbsbedingungen durchführen musste, liegt dabei daran, dass der neue Rennwagen erst seit knapp vier Wochen überhaupt verfügbar war. Obwohl Wagner und seinem Team von Eurosol Racing Hungary die große Ehre zuteilwurde, das allererste Exemplar direkt von Skoda Motorsport im tschechischen Mlada Boleslav in Empfang nehmen zu können, wurde dieses erst Mitte Dezember fertig und ausgeliefert.

Trotz dieses eigentlichen Handicaps bewiesen Wagner/Winter und Team schon am ersten Wertungstag, dass das damit in sie gesetzte Vertrauen durchaus berechtigt ist. Während der ebenfalls zweimalige Rallye Staatsmeister Hermann Neubauer als „Best of the Rest“ bereits über eine Minute Rückstand auf den erwartungsgemäßen Spitzenreiter Fourmaux verloren hatte, kämpften die Skoda Piloten mit gerade einmal 7,8 Sekunden Rückstand auf Augenhöhe mit dem Ford-Werkspiloten.

„Natürlich macht uns das stolz“, freut sich Beifahrer Gerald Winter. „Fourmaux gehört als einer von nur dreizehn Weltmeisterschaftsfahrern der abgelaufenen Saison zur absoluten Elite im Rallye Sport und hat natürlich noch mal einen ganz anderen Hintergrund und viel mehr Möglichkeiten als wir, die diesen Sport trotz aller Erfolge in Wahrheit immer noch als Privatiers, neben unseren betreiben", so Winter. „Natürlich wussten wir im Vorfeld, dass uns mit dem Fabia RS ein top Fahrzeug und mit unseren Michelin Reifen die perfekte Verbindung zur Straße zur Verfügung steht und jeder der sich in Österreich mit Rallye beschäftigt weiß, dass beide Wagner Brüder gerade hier bei der Jänner unheimlich schnell sind, dass wir aber so gut mithalten und die anderen Österreicher so weit distanzieren konnten, kam dann doch ein wenig überraschend.“

Ein identisches Bild bot sich den zahlreichen Zusehern auch am samstags ausgetragenen finalen Wertungstag. Hier teilten sich Wagner(s) und Fourmaux sämtliche möglichen Bestzeiten untereinander auf, wobei drei dieser an den Franzosen, zwei an Simon und eine an dessen jüngeren Bruder Julian Wagner gingen, und vergrößerten den Abstand auf den Rest des Feldes noch weiter.

Mit dem Sieg auf der abschließenden sogenannten Powerstage konnten Simon Wagner und Gerald dabei noch zusätzliche wertvolle Punkte für die Jahreswertung der Staatsmeisterschaft mitnehmen und behaupten so auch dort ihre Position als Titelfavoriten.

„Mein herzlicher Dank gilt allen Sponsoren und Unterstützern, meinem Beifahrer Gerald Winter, meiner Eis-Crew, Patrick Pitzal / Lukas Langstadlinger und dem Eurosol Racing Team für deren perfekten Job sowie den unzähligen Fans, die uns an der Strecke und im Service Park angefeuert haben.“, freut sich Wagner entsprechend im Ziel.

Weiter geht es für den 29-Jährigen vom 27. bis 29. Jänner beim GP Ice Race in Zell am See, wo er wie bereits bei den vergangenen Episoden gemeinsam mit Team Kollege Robert Reindl aus Wartberg an den Start gehen wird, bevor im März nicht nur der Startschuss für die Rallye Europameisterschaft in Portugal fällt, sondern mit der Rebenland Rallye auch der zweite Lauf zur Staatsmeisterschaft ausgetragen wird.

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